Sat.1-"Wochenshow" in Neuauflage Absetzen bitte!

Doch, es stimmt: Vor langen Jahren tauschten sich Arbeitskollegen noch montags darüber aus, wie irre komisch doch am Samstag die Sketche der "Wochenshow" gewesen waren. Jetzt hat Sat.1 den Comedy-Dino neu aufgelegt. Das Ergebnis ist niederschmetternd.
Von Peer Schader
"Wochenshow"-Team: Wer hätte gedacht, dass man sich Pocher zurückwünschen würde?

"Wochenshow"-Team: Wer hätte gedacht, dass man sich Pocher zurückwünschen würde?

Foto: SAT.1/ Guido Engels

Wenn man ganz genau hinsieht, in die rechte obere Ecke des Fernsehers, wo das Sat.1-Logo steht, dann merkt man, dass sich der weiße Ball dort ganz langsam bewegt. Er dreht sich, schön im Kreis, immerzu. Während der Rest des Bildschirms ausgefüllt ist mit der traurigsten Sendung, die seit langer, langer Zeit im deutschen Fernsehen lief.

Und die nicht mal halb so interessant ist wie der bewegliche Sat.1-Ball, der vor sich hin rollt.

Die "Wochenshow" ist wieder da, nach acht Jahren Pause und mit neuer Besetzung. Einzig Moderator Ingolf Lück ist noch mit dabei, nachdem er zuletzt beim Digital-Pay-TV-Sender Sat.1 Comedy Späße machen durfte. Dabei hätte er seiner Karriere doch noch eine positive Wendung geben können, indem er das verhindert, was sein Arbeitgeber jetzt erneut als "die witzigsten Nachrichten der Welt" ankündigt.

Und die sehen so aus: Matze Knop verkleidet sich als Dieter Bohlen und sucht "The next Osama bin Laden"; Carolin Kebekus erzählt in den "Stand up News", bin Ladens Zimmer hätte nach dem Zugriff der Amerikaner auch nicht anders ausgesehen als "mein Bett nach der Entjungferung"; Matthias Matschke spielt den Kulturdeppen mit Rollkragenpulli und Kunstpenis in der weißen Stretchleggins; Dave Davis gibt sich als somalischer Pirat aus, der aus dem Emsland stammt; und zum Schluss singt die ganze Truppe als Opern-Kombo Adoro verkleidet "Humba humba tätertä".

Dazwischen sitzt Ingolf Lück sehr einsam an seinem neuen Schreibtisch vor einer Videowand mit "Wochenshow"-Logo und kriegt nicht mal mehr nachrichtentypische Symbolbilder an die Seite montiert.

Hätte man auch nicht gedacht: dass man sich so bald schon Oliver Pocher zurückwünschen würde, von dem die "Wochenshow" nicht nur den (ursprünglichen) Sendeplatz, sondern auch gleich dessen Studio am Kölner Ring geerbt hat.

Oliver Welke kann sich freuen

Doch das Ergebnis ist niederschmetternd. In der Premierensendung ist nichts von dem Charme übrig geblieben, der die Ursprungssendung einst ausmachte. Und das liegt nicht nur daran, dass deren Komikpotenzial retrospektiv leicht beschönigend erinnert wird - schließlich war die Sendung auch in ihren Erfolgszeiten manchmal nicht mehr als eine Aneinanderreihung mittelmäßiger Sketche. Allerdings gab es zwischendurch stets die urkomischen Momente, die man noch am Montag den Kollegen auf der Arbeit nacherzählen musste: Hast du das gesehen?

Diesen Effekt hatte Sat.1 nicht zuletzt den Ex-"Wochenshow"-Stars Anke Engelke und Bastian Pastewka zu verdanken. Zu Beginn der Neuauflage grüßten die beiden verkleidet als Volksmusik-Duo Wolfgang und Anneliese. Sie seien froh, dass diese Flitzpiepen von früher nicht mehr dabei seien: "Der Pawelke - der war furchtbar!"

Einer kann sich freuen: Mit seiner deutlich bissigeren "heute show" läuft Oliver Welke im ZDF in direkter Konkurrenz zur neuen Sat.1-Nachrichtenparodie und hat sich nach eher mäßigem Start inzwischen einen festen Fan-Kreis erscherzt.

Dagegen wird es Herausforderer Lück schwer haben. Auch wegen des neuen Teams, das Sat.1 womöglich per Losverfahren ermittelt hat. Anstatt junge, unbekannte Nachwuchs-Comedians zu verpflichten, die sich in der Sendung ausprobieren können, verlässt sich der Sender auf Axel Stein, dessen Karriere vor dreizehn Jahren als "Hausmeister Krause"-Sohn begann, den Beckenbauer-Parasi... - pardon: Parodisten Matze Knop und Matthias Matschke, der in "Ladykracher" und "Pastewka" herrlicher Sidekick sein darf, und jetzt für Zweite-Klasse-Sketche verheizt wird.

Sofort den Stecker ziehen? Keine Einwände

Dazu kriegen die Zuschauer schlechte Politiker-Synchronisationen geliefert, und der neue FDP-Chef Philipp Rösler muss sich gefallen lassen, als "Vietcong der guten Laune" und "Kung-Fu-Panda der deutschen Politik" ausgelacht zu werden. Nachher gibt Außenreporter Johann König die Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld als Atomkraftwerk aus.

Wenn's nicht im Abspann gestanden hätte, könnte man nicht glauben, dass dafür teilweise dieselben Autoren verantwortlich waren, die sonst Engelke und Pastewka glänzen lassen.

Freilich sind Premierensendungen selten die gelungensten, weil sich Team und Autoren erst noch einspielen müssen. Aber nach dieser Premiere wäre auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Sat.1 nicht erst nach den geplanten acht Folgen, sondern sofort wieder den Stecker zöge und auf dem Sendeplatz alte Sketchshows wiederholt.

Am Ende der Sendung verabschiedete Ingolf Lück sein Publikum äußerst selbstsicher mit den Worten: "Wir sehen uns nächste Woche wieder."

Aber nur, weil sich oben in der Ecke das Sat.1-Logo so schön dreht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.