Staffelfinale der US-Serie "Scandal" Die böseste Familie der Welt

Mit einem Attentat auf den Präsidenten endete in den USA die dritte Staffel der Serie "Scandal". Die Episode zeigt leider deutlich: Star-Produzentin Shonda Rhimes hat sich mit ihrem soften Polit-Drama mächtig verrannt. Achtung, Spoiler!

AP/ ABC

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser, haben Sie die dritte Staffel von "Scandal" noch nicht gesehen? Wollen Sie sich die Vorfreude nicht verderben? Dann sollten Sie hier möglichweise nicht weiterlesen.

Sie hatten es als großes Drama angekündigt. Als ein Staffelfinale, nach dem nichts mehr so sein würde wie zuvor. "Am Ende der Folge sehen wir etwas, das ich mir noch vor Wochen nicht hätte vorstellen können - oder in der vergangenen Episode", hatte Schauspielerin Kerry Washington vorab dem "Hollywood Reporter" gesagt. Sie spielt die Hauptrolle in der ABC-Serie "Scandal". Und sie hatte nicht Unrecht mit ihrer Aussage. Ihr Partner Scott Foley aber auch nicht, der gewarnt hatte: "Die Zuschauer werden die finale Szene entweder lieben oder sich tierisch aufregen. Und ich habe das Gefühl, dass sich mehr aufregen werden."

Die letzte Episode der dritten Staffel beginnt mit einer Explosion, die Kirche, in der gerade die Trauerfeier für einen hochrangigen Politiker stattfinden sollte, fliegt in die Luft. Die Anwesenden können rechtzeitig gerettet werden, darunter die Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten. Da sind gerade mal zwei Minuten Sendezeit vergangen. In den restlichen 38 nimmt diese Folge so viele Wendungen, dass es locker für vier oder mehr Episoden gereicht hätte. So aber wirkt das alles jedoch halbherzig.

Quotenqueen Shonda Rhimes

Das hier sind nur die zentralen der nicht enden wollenden Handlungsstränge: die Explosion in der Kirche (für die Mama Pope verantwortlich ist). Das Kopf-an-Kopf-Rennen der Präsidentschaftskandidaten. Der Präsident, der endlich erfährt, dass seine verhasste Frau gar nicht so prüde ist, sondern vor Jahren von seinem eigenen Vater missbraucht wurde. Die zerstörte Hoffnung des Präsidenten, endlich mit seiner geliebten Olivia Pope in dieses verdammte Haus nach Vermont zu ziehen, in dem sie Marmelade kochen statt Krisen lösen kann. Der Sohn des Präsidenten, der vergiftet wird, Blut hustend auf einer Wahlkampfbühne zusammenbricht, stirbt - und seinem Vater damit den Wahlsieg sichert. Papa Pope, der sich wieder an die Spitze des fiesesten Geheimdienstes mordet.

Erwähnten wir bereits, dass es eine sehr überladene Folge war?

In den USA ist "Scandal" der Quotengarant für den Sender ABC, zuletzt sahen durchschnittlich 8,9 Millionen Menschen zu. Das liegt sicher auch an der legendären Drehbuchautorin und Produzentin Shonda Rhimes. Sie ist der Kopf hinter einer der erfolgreichsten Ärzteserien aller Zeiten: "Grey's Anatomy" läuft seit fast zehn Jahren bei ABC, der Spin-Off "Private Practice" hielt immerhin sechs Staffeln durch. Doch Ärzte reichten Rhimes nicht mehr, in "Scandal" dreht sich alles um Politiker in Washington, D.C.

Oval Office statt OP

Im Zentrum steht Olivia Pope, weltbeste Krisenmanagerin. Was man eben wird, mit so einem Nachnamen. Sie hat ihr eigenes Büro mit getreuen Mitarbeitern, sie nennen sich die Gladiatoren. Eigentlich besteht Popes Aufgabe aber darin, das Weiße Haus vor Skandalen zu schützen - Mord, Wahlbetrug, Alkoholprobleme. Seit Jahren schon hat Pope eine Affäre mit dem US-Präsidenten, der wiederum verheiratet ist mit einer Frau, die zwar das Amt ihres Mannes liebt, ihn aber schon lange nicht mehr.

Vor allem geht es aber um Familie. Die, in die wir hineingeboren werden - Mama Pope und Papa Pope sind Mörder. Und die, die wir uns selbst suchen - jeden einzelnen ihrer "Gladiatoren" hat Olivia Pope aus einer misslichen Lage gerettet und für ihre Firma rekrutiert. Eine Serie voller Antihelden.

Die ersten beiden Staffel funktionierte das prima. Dass Shonda Rhimes Dreiecks-Liebesbeziehungen perfekt für den Bildschirm inszenieren kann, hat sie in den vergangenen Jahren bewiesen - in "Scandal" finden sie eben nicht im OP statt, sondern im Oval Office. Und auch die politischen Intrigen waren hübsch anzusehen - nicht umsonst gilt die Serie in den USA als die softe Variante des Klassikers "West Wing".

Doch in Staffel drei wollte Rhimes zu viel. Wegen der Schwangerschaft von Hauptdarstellerin Kerry Washington musste die Staffel auch noch von 22 auf 18 Folgen verkürzt werden. Und Rhimes verhedderte sich.

Nach all den Irrungen und Wirrungen ist es kein Wunder, dass der Präsident am Ende der Episode im Oval Office zusammenbricht. Er ruft nach seiner Olivia. Aber die drückt den Anruf weg - denn sie selbst hat sich aus dem Staub gemacht. Sitzt mit ihrem Lückenbüßer-Freund im Privatjet und hofft auf ein Leben ohne Krisen und Skandale. Die Chef-Gladiatorin hat keine Lust mehr zu kämpfen. Und als Zuschauer hat man keine Lust mehr, ihr beim Leiden zuzuschauen.

insgesamt 2 Beiträge
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hondje 18.04.2014
1. Arbeiter
Zitat von sysopAP/ ABCMit einem Attentat auf den Präsidenten endete in den USA die dritte Staffel der Serie "Scandal". Die Episode zeigt leider deutlich: Star-Produzentin Shonda Rhimes hat sich mit ihrem soften Polit-Drama mächtig verrannt. Achtung, Spoiler! http://www.spiegel.de/kultur/tv/scandal-finale-staffel-3-olivia-pope-kerry-washington-trauert-a-964708.html
So ein Film könne mann hier auch drehen warte mal ab dann Heist der film hier der Skandal der Deutsche Bank und die Regierung wetten.
dasAndi 18.04.2014
2. Trotz allen genial!
Die Handlung ist überladen, verworren und dreht sich ständig im Kreis. Seine Seifenoper im Schnelldurchlauf. Aber wegen der tollen Darsteller und ihrer Dialoge immer wieder ein Genuss. Seh das Original mit Untertitel. Und die brauch ich nicht mal. Die Darsteller sprechen so deutlich das ich jedes Wort verstehe. Freu mich jetzt schon auf die nächste Staffel.
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