Schauspielerin Annette Frier Ulknudel wider Willen

Ach ja, die Lustige von Sat.1! Wenn Annette Frier so einen Satz hört, vergisst sie schon mal ihre guten Manieren. Denn eigentlich sieht sie sich als seriöse Schauspielerin. Zu Recht, wie sie in der neuen Anwaltsserie "Danni Lowinski" beweist. Da ist sie total ernst - jedenfalls ein wenig.

Von Peer Schader


Fotostrecke

8  Bilder
Schauspielerin Frier: Jetzt wird's hauptrollig
Neulich war Annette Frier im Baumarkt. "Verzweifelt", sagt sie, "weil ich da eine Dreiviertelstunde durchgeirrt bin. Ich war wirklich schlecht drauf, stehe an der Kasse mit der Ahnung, wahrscheinlich wieder die falschen Schrauben mit nach Hause zu bringen, da schaut mich eine Frau an und fragt ein bisschen traurig: Sind Sie - gar nicht lustig?" Woraufhin Frier einfach nicht anders konnte, als zu giften: "Nein, ich bin GAR NICHT lustig!"

Das war natürlich geflunkert. Immerhin gehörte Frier zum Gründungsteam der TV-Parodie "switch", hat wenige Jahre später in der Sat.1-"Wochenshow" den Platz von Anke Engelke übernommen und sich an der Seite von Cordula Stratmann durch die "Schillerstraße" improvisiert. Der durchschnittliche Baumarktbesucher kennt Annette Frier deswegen als: lustig. Bloß wenn man sie drauf anspricht, wie das Leben so ist als "Comedy-Star", sagt sie: "Machen Sie mal was dagegen! Da steht quasi immer die falsche Berufsbezeichnung unter dem eigenen Namen. Und man denkt: Mist, wie krieg ich das geregelt? Weil das bei den Leuten natürlich auch eine falsche Erwartungshaltung provoziert."

Also gut, wir regeln das: Annette Frier ist kein Comedy-Star. Sie kann halt nur unglaublich lustig sein. Gut, dass das irgendwann mal jemand für sie entdeckt hat.

Ziemlich unerwartet kam Mitte der Neunziger der Anruf von den "switch"-Machern, ob Frier nicht Lust habe, im Fernsehen das Fernsehen auf die Schippe zu nehmen. "Ich glaube, das war ein Versehen. Die haben mich angerufen, weil sie noch 'ne blonde 20-Jährige brauchten", sagt sie heute. Denn eigentlich hatte die Theaterschulenabsolventin, die noch während der Ausbildung von Hannelore Hoger ans Schauspielhaus in Köln geholt worden war, mit dem Fernsehen bis dahin überhaupt nichts zu tun. Das sollte eigentlich auch so bleiben. Bis sie für ihre erste große Rolle dann doch nicht auf der Bühne stand - sondern im Frauenknast, wo sie für die RTL-Serie "Hinter Gittern" eine lesbische Strafgefangene spielte. Weil das gut bezahlt war. Und in Berlin.

"Wir hätten damals viel mutiger sein müssen"

"Ich versuche seit 15 Jahren, aus Köln rauszukommen", sagt Frier. "Ich schwöre!" Aber das hat - mit der kleinen Ausnahme zum Karrierestart - ungefähr so gut geklappt wie der Vorsatz, sich vom Fernsehen fernzuhalten. Auch wenn der TV-Erfolg nie so einschlug wie bei den Kolleginnen. Als Anke Engelke die "Wochenshow" verließ, bekam sie ihre eigene Serie. Cordula Stratmann hat in der Zeit bei "Schillerstraße" ein Interview nach dem nächsten gegeben. Und Annette Frier - war auch dabei. Das ist ein bisschen ungerecht. "Ich bin oft aus der zweiten Reihe gestartet", sagt sie. "Das ist ja auch wahnsinnig komfortabel. Je hauptrolliger das Leben wird, desto dünner wird die Luft."

Ganz ans Fernsehen hergeben mag Frier sich sowieso nicht - schließlich ist da noch das Theater. Seit der Ausbildung spielt sie im Kölner "Theater am Bauturm", hat dort vor zwei Jahren zum ersten Mal Regie geführt und ist dieses Jahr wieder für zwei Stücke gebucht. "Als Schauspielerin hab ich das Gefühl: Das ist mein Fach."

Jetzt ist Friers Leben aber doch noch hauptrollig geworden: Als Mutter der Zwillinge, die sie vor zwei Jahren auf die Welt gebracht hat. Und mit der neuen Sat.1-Serie "Danni Lowinski", die am kommenden Montag startet. Darin spielt sie eine frischgebackene Anwältin, die mit ihrer unkonventionellen Art in keiner Kanzlei einen Job findet, aus der Not eine Tugend macht und einen Tisch im Einkaufszentrum aufstellt, um dort Rechtsberatung für einen Euro die Minute anzubieten - für Leute, die sich sonst niemals im Leben zum Anwalt trauen würden. Eine herrliche Rolle für die 36-Jährige, weil sie schrill und witzig, aber auch hochmoralisch und ernst sein kann. "Danni Lowinski" ist von beidem ein bisschen: Drama und Komödie. Genau das, was Frier auch sonst gerne macht. Nur eben endlich mal in ein und derselben Rolle.

Ihre letzte Serie ging vor vier Jahren ziemlich schief, weil "Alles außer Sex" über vier Frauen um die 30, die sich gegenseitig ihr Leid mit den Männern klagen, allenfalls Mittelmaß war, von den ProSieben-Zuschauern als mäßige "Sex and the City"-Kopie erkannt und konsequent ignoriert wurde. "Wir hätten damals viel mutiger sein müssen. Es gab keine klare Hauptfigur, und die Folgen hatten nie einen richtigen Abschluss", sagt Frier rückblickend. Ja, und langweilig war's halt auch. Umso toller ist, dass bei "Danni Lowinski" alles besser passt.

Keine Chance gegen Puppen

Dass ihr Vater tatsächlich als Anwalt arbeitete, hat nur wenig geholfen - im Hause Frier wurde nicht oft über den Job gesprochen. Jedenfalls nicht über den des Vaters. Als die Tochter aber heimkam und erklärte, Schauspielerin werden zu wollen, war das ein Schock: "Mein Lieblingssatz von ihm war: 'Ich glaube, damit kann man heiraten.'"

Stimmt zwar. Inzwischen hat sich aber auch bis zum skeptischen Papa herumgesprochen, dass man mit dem Job ein bisschen mehr kann. Auch wenn das Risiko, jetzt in einer deutschen Serie zu spielen, kein geringes ist, weil das Publikum fast ausschließlich Fiktionales aus den USA sehen will. "Wenn jemand meint: 'Ach, die Frier, die hat doch die Serie versenkt, da rufen wir erst mal nicht mehr an' - dann ist das eben so. Deshalb verzichte ich doch nicht drauf, eine Rolle zu spielen, die mir gefällt."

Und falls doch, spielt sie sich einfach weiter selbst - in der "Sesamstraße". Dort sitzt sie als festes Ensemble-Mitglied am Klavier, singt mit lustigen Zotteltieren das selbstkomponierte Lied von der Milch für den Wettbewerb "Deutschland sucht die Superkuh", ist mit Nils, dem Gemüsehändler, verheiratet und wohnt in einem rosa Haus. Kann es ein tolleres Rollenangebot geben? Nee, Moment, sagt Frier: "Ich verzieh da keine Miene mehr! Gegen Puppen hast du als Schauspieler einfach keine Chance, da siehst du alt aus."

Immerhin erschließt die Präsenz im Sonntagmorgenfernsehen neue Fankreise. Wenn sie ihre Kinder in den Hort bringt, steht da öfter mal ein junger Fan und kriegt den Mund nicht mehr zu. Eine Mutter hat das Staunen ihres Sprösslings kürzlich für Frier mit dem schönen Satz übersetzt: "Ich glaube, mein Kind kennt Sie aus der 'Sesamstraße'."


"Danni Lowinski", ab Montag, den 12. April um 21.15 Uhr bei Sat.1.



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Koda 09.04.2010
1. "Mein Sohn kennt sie aus der Sesamstraße"
Ich sehe die eigentlich nur noch in der Sesamtstraße. Hat die eigentlich nicht noch ´ne ledige Schwester -ich bin nämlich so einsam ;)
Gegengleich 09.04.2010
2. Verständlich
Zitat von sysopAch ja, die Lustige von Sat.1! Wenn Annette Frier so einen Satz hört, vergisst sie schon mal ihre guten Manieren. Denn eigentlich sieht sie sich als seriöse Schauspielerin. Zu Recht, wie sie in der neuen Anwalts-Serie "Danni Lowinski" beweist. Da ist sie total ernst - jedenfalls ein wenig. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,687821,00.html
Na klar, man tritt bei der Wochenshow, Schillerstraße, Sesamstraße und ab und zu bei Genial daneben auf, nicht zu vergessen die Rollen in Germanikus, Pro7 Märchenstunde, Auftritte bei Switch und Pastewka und wird dann....FÄLSCHLICHERWEISE... als lustig hingestellt. Kein Wunder, daß man da die guten Manieren vergißt. Vielleicht sollte man auch den Beginn des eigenen Erfolges nicht vergessen, und auch nicht, wer hinter den Quoten steht!?
Kaworu 09.04.2010
3. Aw:
Na dann drücken wir der Annette mal ganz fest die Daumen, das es mit dieser Serie gut klappt ;) und das sie im Baumarkt doch die richtigen Schrauben erwischt hat.
Matönkel 09.04.2010
4. Alles was eine schlechte Sendung braucht.
Was für ein billiger Promotion-Artikel. Als ich letztens die unübersehbare Plakatwerbung für "Danni Lowinski" sah, dachte ich mir nur eines: Oh mein Gott, deutsche Fernseharmut in Reinkultur. Da kommt mal wieder alles zusammen was schlechtes deutsches Privatfernsehen auszeichnet: Eine mäßig talentierte, völlig farblose deutsche Schauspielerin in einer Rolle, die man ihr aber mal so gar nicht abnimmt. Wenn es einen Prototyp-Anti-Rechtsanwalt gäbe, hier ist er. Aber wahrscheinlich ist das einfach nur eine bewusste Provokation der ja total kreativen Produzenten. Ab in die Tonne damit, solche Serien braucht kein Mensch. Bleibt nur die Frage: Warum wird sowas völlig unkritisch vom Spiegel supportet?
Hagbard 09.04.2010
5. .
Dabei ist sie wirklich eine gute Schauspielerin. Erinnere mich an eine Rolle in einem Krimi. Da fand ich sie recht gut. Außerdem ist sie schon eine sehr sympathische
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.