Schlappe TV-Serien-Remakes Geh in Rente, J.R.!

Was Hollywood kann, können wir schon lange! Denken die Fernsehmacher - und scheitern damit regelmäßig: Von "Dallas" bis "Knight Rider" versucht sich das US-TV immer wieder an Remakes von Serienklassikern. Doch das geht oft schief, denn die Senderbosse ignorieren sehr einfache Regeln.

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Als der US-Kabelsender TNT neulich ein Remake von "Dallas" ankündigte - samt Rückkehr von Larry Hagman als J.R, Linda Gray als Sue Ellen und Patrick Duffy als Bobby Ewing -, da rollten viele in der amerikanischen Fernsehbranche mit den Augen: Droht da noch ein gescheiterter TV-Reboot?

Im US-Serienfernsehen will der nostalgische Rückgriff auf schon Dagewesenes einfach nicht so recht funktionieren. Während die Filmindustrie mit Neufassungen von "Spider-Man", "Star Trek" und dem "Planet der Affen" Erfolge feiert, tut sich das TV in dieser Hinsicht richtig schwer.

Nicht, dass man es nicht schon versucht hätte: In den vergangenen Jahren gabs Neuauflagen von "Battlestar Galactica", "Kojak", "Bionic Woman", "Knight Rider", "Melrose Place", "90210" und "Hawaii 5-0". Dazu bekam die "Terminator"-Reihe mit den "Sarah Connor Chronicles" eine Fernsehserie hinzugestellt, und auch Gespräche über ein Remake von "Magnum, P.I." machen in Hollywood die Runde.

Dass vor allem Serien aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern wiederbelebt werden, ist vermutlich kein Zufall. Sowohl auf der Managerebene als auch in den kreativen Kreisen von Hollywoods TV-Industrie führen Männer das Zepter, die in den Sechzigern geboren wurden und die späten Siebziger und frühen Achtziger als prägende Jahre ihrer Jugend erlebten. Eine persönliche Sehnsucht scheint sich nicht von der Hand weisen zu lassen. Doch die Wiedererweckung der geliebten Figuren aus Jugendtagen schlug schon oft fehl - meist aus einfachen Gründen.

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Vorsicht ist zum Beispiel bei technischen Spielereien geboten, denn ihr Schauwert verändert sich im Laufe der Zeit - manchmal drastisch. "Knight Rider" scheiterte 2008 nach nur einer Staffel, weil der Hightech-Faszination des Originals nichts hinzuzufügen war. Heute assoziiert man mit "intelligenten" Autos nervtötende Navigationssysteme, Gurt- und Entfernungswarner. Überhaupt hat das Spiel mit künstlicher Intelligenz viel von seinem früheren Reiz verloren. Und mit David Hasselhoffs aufgesetzter Lässigkeit ließ sich eh nicht konkurrieren.

Auch bei Original-Hauptdarstellern mit ikonischem Nimbus verbietet sich fast ein Neuaufguss. Telly Savalas' "Kojak" erwies sich als unersetzlich - seine gutgelaunte Coolness war im Remake mit Ving Rhames von 2005 nurmehr Attitüde aus der Retorte. Und ausgerechnet den Mann zu engagieren, der seit seiner Verkörperung von Marcellus Wallace in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" den Status des "baddest mofo ever" besitzt, wirkte auch zu dick aufgetragen.

Pure Nostalgie reicht nicht

Baden gingen außerdem Science-Fiction-Remakes, die einer alten Prämisse keine neuen Einsichten abgewinnen konnten. "Bionic Woman" kippte gleich nach dem Start 2007 wieder aus dem Programm, weil nicht viel mehr als Kampfkätzchen-Schauwerte abfielen. Und Sarah Connors Flucht vor den Häschern aus der Zukunft, bei der ihr der Teenagersohn und künftige Weltenretter John am Rockzipfel hing, hatte in der TV-Version von 2008 zwar ein paar hübsche Story-Ideen. Aber was genau sollte die heraufziehende Maschinenherrschaft über uns aussagen? Ohne eine tiefere mythische Anbindung blieb das Stück doch bloß eine blasse Variation von James Camerons Robotermärchen.

Manchmal ist auch nur das Timing falsch. Von der Konzeption bis zur Realisierung einer Serie können Jahre vergehen, und der Zeitgeist kann währenddessen an einem vorbeiziehen. Dem für September angesetzten Remake von "Drei Engel für Charlie", von denen es bereits eine zweiteilige Kinofassung von 2000 und 2003 gibt, könnte dies das Genick brechen. Andere Versuche waren dagegen voreilig: Der Versuch, der Sitcom "That '70s Show" mit "That '80s Show" einen Spin-off beizustellen, scheiterte daran, dass die Achtziger im Jahr 2002 noch nicht weit genug entfernt waren, um aus den Peinlichkeiten der Ära eine gewisse Retro-Coolness zu destillieren, wie es dem Vorgänger gelang.

So bleibt "Hawaii 5-0" das einzige erfolgreiche Reboot der letzten zehn Jahre im Network-Fernsehen. Bei der Serie aus den Siebzigern galt es eigentlich nur, einen guten Krimi zu produzieren. Das Zusammentreffen von Crime-Marktführer CBS ("CSI", "NCIS"), der phantastischen Kulisse von Hawaii und dem "Lost"-Star Daniel Dae Kim zieht im Schnitt zwölf Millionen Zuschauer an. Das ist zwar kein Hit - Amerikas Top-Serien locken 20 Millionen und mehr vor die Schirme -, aber Grund genug zur Annahme, dass der aktuelle Kinotrend zur Verwertung bereits bekannter Stoffe auch im Fernsehen fruchten könnte. Dieser Annahme ist es zu verdanken, dass ABC für "Drei Engel für Charlie" das Zeichen zum Produktionsstart gab und TNT sich an das "Dallas"-Remake traute.

Doch pure Nostalgie vermochte es bisher nicht, das Fernsehpublikum über ganze Staffeln bei der Stange zu halten - sie scheint im Serienfernsehen keine Reichweite zu haben. Der Blick zurück ist eben nur interessant, wenn er das Vergangene durch die Linse der Gegenwart bricht und in einen neuen Rahmen fasst - wenn er dem Dagewesenenen neue Erkenntnisse über das Jetzt abgewinnen kann.

Historisch denken hilft

Wie das geht, zeigen vier Serien prototypisch. Marc Cherry hat mit den "Desperate Housewives" eine ironische Neufassung der Seifenopern aus den fünfziger Jahren geschaffen. Deren vermeintliche Hausfrauen- und Vorstadtidylle übersetzte er in ein zeitgemäßes Universum voller Intrigen und sozialer Kontrolle.

Die Neuauflage von "Battlestar Galactica" (2004 bis 2008) erzählte hingegen anhand der Geschichte einer menschlichen Flüchtlingsgruppe im All von einem Krieg gegen einen Terroristen, den die Menschheit selbst geschaffen hatte. Die Serie wurde so zu einer düsteren Reflexion über die zweite Amtszeit von George W. Bush.

David Milch erfand mit "Deadwood" den Western neu - als Erzählung über eine Ära, in der nicht nobler Pioniergeist, sondern Gier und Machtlust regierten. So schonungslos hatten bisher wenige auf Gründungsmythen der Nation geblickt.

Matthew Weiners retroverliebte Serie "Mad Men" schließlich ist zwar weder Remake noch Genre-Aktualisierung. Aber sie zieht ihren Reiz aus der Vergangenheit, indem sie die Fassade der Werbewelt als Folie für die Umbrüche der Geschlechterbilder im Amerika der sechziger Jahre nutzt - und das Heranreifen einer von Blendereien besessenen Gesellschaft aufzeigt.

Wie sind wir geworden, was wir sind? Mittlerweile haben US-Fernsehserien ein derartiges Gewicht, dass von ihnen Antworten auf solch große Fragen erwartet werden. Ausnahmeserien wie "Deadwood" oder "Mad Men" bieten solche Antworten, denn sie gehen mit historischem Bewusstsein zu Werk. Produktionen, die sich mit der bloßen Wiederholung des Dagewesenen begnügen, können da nur enttäuschen - und werden von den Zuschauern mit Missachtung quittiert.

Larry Hagmans fieses Lachen wird also nicht ausreichen, um "Dallas" wiederzubeleben. Aber vielleicht eine Erzählung darüber, wie sich ein Ölmagnat in Zeiten des Klimawandels neu erfinden muss. Für Dusch- und Wiederauferstehungsszenen lässt das ja noch genug Platz.



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
Bernasconi, 01.09.2011
1. ...
Man kann auch mal die Kirche im Dorf lassen. Bei so vielen neuen Produktionen und Folgeserien, die in den USA jährlich entstehen und produziert werden ist die Anzahl der Retroserien eher gering. Denn viel mehr Formate als die vom Autor genannten fallen mir auch nicht ein. Dafür fallen mir eine Menge spannende Serien ein, die konzeptionell und kreativ den klassischen Kinofilm weit hinter sich gelassen haben. a.
sorum11 01.09.2011
2. Diese...
... selbstherrlichen Nichtsnutze kapieren eins nicht: Dass sie nur schleimige Schönis an die Stelle der originalen Charakterköpfe setzen, das wollen wir aber nicht sehen, das langweilt wie Werbung - wir schalten sofort ab! Wer soll denn bitte das Gesicht eines Karl Malden und Michael Douglas (Straßen von San Francisco) ersetzen? Wer soll das faltige Knautschgesicht mit Warze eines Telly Savalas (Kojak) ersetzen? Schrullige Typen wie die männlichen Ermittler von "Criminal Minds" sind zum Beispiel hervorragend gecastet (die hübschen Mädels ohne jeden Charakter wiederum nicht), ebenso die Charakterköpfe von "The Unit" in ihrer völligen Unterschiedlichkeit (Dennis Haysbert, Max Martini, Robert Patrick ...). Und versucht doch mal, liebe Serienbosse, Weltklasseschauspieler wie Martin Landau, Leonard Nimoy oder Peter Graves in "Mission Impossible/Kobra, übernehmen Sie", ihre Kunst und ihr Aussehen wieder zu erreichen. Es klappt doch bei Criminal Minds oder CSI Las Vegas auch. Ansonsten: Hoffnungslos, diese schleimige Schauspielschönlingsseuche überall...
corehead 01.09.2011
3. Firefly
hatte die Darsteller, die Story, die Kulissen und Effekte, und, im wahrsten Sinne des Wortes, das Universum, um zur Kultserie zu werden. Die Vermischung zweier beliebter Genres muss nicht zwangsläufig gelingen, in diesem Fall war die Mischung jedoch mehr als gelungen. Das diese Serie von kurzsichtigen Managern nach nur 14 Folgen abgesetzt wurde, ist mir heute noch unbegreiflich. Was im Gegenzug an halbgaren Remakes produziert wird, ist in diesem Kontext nicht nachvollziehbar. Die Fangemeinde von Firefly wäre m. E. bedeutend geworden. Nicht mal eine Staffel...*kopfschüttel*
Gani, 01.09.2011
4. Bitte..
"Auch bei Original-Hauptdarstellern mit ikonischem Nimbus verbietet sich fast ein Neuaufguss. Telly Savalas' "Kojak" erwies sich als unersetzlich - seine gutgelaunte Coolness war im Remake mit Ving Rhames von 2005 nurmehr Attitüde aus der Retorte. Und ausgerechnet den Mann zu engagieren, der seit seiner Verkörperung von Marcellus Wallace in Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" den Status des baddest mother fucker ever besitzt, wirkte auch zu dick aufgetragen." Ich mag ja Rhames durchaus in den richtigen Rollen, aber das Prädikat 'baddest motherfucker ever' hat seit Pulp Fiction Samuel L. Jackson aboniert.
McMacaber 01.09.2011
5. ..
ohja, der viele schmus aus den usa, wie game of thrones, 24, lost, 6ft under, dexter, boardwalk empire, etc .. da kann man nur sagen: spon, schickt ein paar redakteure in rente!
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