Ex-RBB-Intendantin Schlesinger räumt Fehler ein – und verteidigt sich

Die geschasste RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat sich zu den Filz-Verdächtigungen geäußert. In einem »Zeit«-Interview gibt sie Fehleinschätzungen zu – und weist Luxuswahn-Vorwürfe strikt zurück.
Ex-Intendantin Schlesinger: »Sollte jemand gewarnt haben, dann hat mich das leider nicht erreicht«

Ex-Intendantin Schlesinger: »Sollte jemand gewarnt haben, dann hat mich das leider nicht erreicht«

Foto: Michael Handelmann / IMAGO

Die ehemalige Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Patricia Schlesinger, räumt im Interview mit der Wochenzeitung »Die Zeit«  Fehleinschätzungen ein. Die Modernisierungsvorhaben, die sie gemeinsam mit der Geschäftsleitung angestoßen habe, hätten den Arbeitsalltag vieler Mitarbeitender auf den Kopf gestellt. »Der Unmut und die Wut im Sender sind aus meiner Sicht so stark, dass ich mir vorwerfe, dass ich das nicht gesehen habe«, sagt Schlesinger. »Das tut mir leid.«

Die Wucht der Berichterstattung hat Schlesinger »erschüttert«, sagt sie, »das war wie ein Tsunami«. Dass die Anschuldigungen aus ihrem engsten Umfeld kämen, habe sie besonders getroffen, »es schmerzt mich bis heute.«

Schlesinger äußert sich in dem Interview zu Privilegien, die sie als Intendantin genoss, etwa zu einem Dienstwagen mit Massagesitzen. »Ich habe den Wagen nicht selbst konfiguriert. Ich brauche keine Massagesitze, das ist für mich überflüssiger Klimbim.« Jeder, der sie kenne, wisse, dass ihr Autos nicht viel bedeuteten, privat fahre sie einen 17 Jahre alten VW Polo und ein altes weißes Fahrrad. Sie habe den Dienstwagen als mobiles Büro genutzt.

Zu Berichten, sie habe bei der Neugestaltung ihres Büros Hinweise aus dem Controlling des RBB übergangen, schließt Schlesinger nicht aus, dass es solche Rückmeldungen gegeben habe. Aber: »Sollte jemand gewarnt haben, dann hat mich das leider nicht erreicht. Ich habe meine Kolleginnen gefragt, ob bei ihnen eine solche Warnung angekommen sei. Sie verneinten.«

Massagesessel »schlicht peinlich«

Der Grund für die Renovierung sei kein Luxuswahn gewesen, sondern »eine dringend notwendige Schadstoffsanierung.« Zu den Möbeln, die in ihrem ehemaligen Büro stehen, sagt sie: »Sie stammen von meiner Vorgängerin. Ich saß an ihrem Schreibtisch, vor ihren Bücherregalen.« Den Massagesessel in der Intendanz habe sie »in einen Raum ganz am Ende des Ganges verbannt, weil ich dieses große, unförmige Ding schlicht peinlich fand«.

Weiterhin verwahrt sich Schlesinger gegen die Behauptung, ihrem Ehemann, dem ehemaligen SPIEGEL-Journalisten Gerhard Spörl, einen Auftrag zu ihrem Vorteil verschafft zu haben. Es habe sich herausgestellt, dass dabei nicht gegen Compliance-Regeln verstoßen worden sei. Allerdings räumt sie ein: »Aus heutiger Sicht wünsche ich mir, ich hätte meinen Mann gebeten, den Auftrag nicht anzunehmen.«

Schlesinger führte den RBB seit 2016, seit Jahresbeginn amtierte sie auch als ARD-Vorsitzende. Sie glaubt, es gehe bei den Enthüllungen nicht nur um sie, »sondern um das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks«. Die Aufregung um sie stehe stellvertretend für die Wut mancher Menschen auf das System dahinter: »Ich gebe dem Apparat ein Gesicht, an mir lässt man jetzt auch all die angestaute Wut aus.«

Gegen Schlesinger, ihren Mann und den ehemaligen Vorsitzenden des RBB-Verwaltungsrates, Wolf-Dieter Wolf, ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin wegen des Verdachts der Untreue und der Vorteilsannahme.

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