Sender-Marktanteile RTL hängt erneut ARD und ZDF ab

Dieter sei Dank: Durch Bohlen-Hits wie "DSDS" und andere Casting- oder Trash-Formate hat RTL 2011 noch einmal seinen Marktanteil ausbauen können. Auch n-tv legte kräftig zu. ARD und ZDF bleibt nur der Blick auf die EM 2012 - eine echte Zukunftsstrategie sieht anders aus.

Dieter Bohlen: Garant für Top-Quoten bei RTL
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Dieter Bohlen: Garant für Top-Quoten bei RTL


Berlin - Was hat RTL, was ZDF und ARD nicht haben? Dieter Bohlen! Der Brachial-Juror von "Deutschland sucht den Superstar" und "Das Supertalent" dürfte mit seinen quotenstarken Castingshows erheblich dazu beigetragen haben, dass das Erste und das Zweite in der Jahresgesamtbilanz so schlecht aussehen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: RTL verbesserte nach Messungen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg (Stand: bis 29. Dezember) seinen Marktanteil von 13,6 auf 14,1 Prozent und verwies damit die ARD, die von 13,2 auf 12,4 nachgab, noch deutlicher als im Vorjahr auf Platz zwei. Auch das ZDF musste einstecken und fiel von 12,7 auf 12,1 Prozent Marktanteil. Relativ wenig tat sich bei der privaten Konkurrenz: Sat.1 lag zum Jahresende 2011 bei 10,2 (nach 10,1 Prozent im Jahr 2010) und ProSieben bei 6,2 Prozent (6,3 Prozent).

Auch ein weiterer Sender der RTL Group hat kräftig zugelegt: Bei dem Nachrichtensender n-tv stieg der Jahresmarktanteil von 0,9 Prozent im Jahr 2010 auf 1,0 Prozent - damit liegt man jetzt auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten N24. Den höchsten Monatsmarktanteil seiner Sendergeschichte erzielte n-tv im März mit Berichten über die Atom-Katastrophe in Japan: 1,6 Prozent insgesamt, bei den 14- bis 49-Jährigen waren es sogar 2,0.

Sport als Rettung vor sinkenden Quoten?

Man kann also auch mit Nachrichten die Quote steigern. Gerade dieser Umstand sollte den öffentlich-rechtlichen Anstalten zu denken geben. In der ARD-Medienforschung aber versucht man den wachsenden Abstand zu RTL gelassen zu nehmen: Es handele sich lediglich um eine Verschiebung innerhalb der großen Sender. Im nächsten Jahr könne die Bilanz schon wieder anders aussehen - eine Anspielung auf die Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2012, die bei ARD und ZDF ausgetragen wird.

Teuer eingekaufter Sport als Kompensation für sinkende Quoten? Eine echte Zukunftsstrategie sieht anders aus. Zumal dem ZDF und der ARD offensichtlich auch weiterhin die jungen Zuschauer in Scharen weglaufen: Denn bei den 14- bis 49-Jährigen fällt der RTL-Vorsprung noch deutlicher aus als beim Gesamtpublikum, in dieser Zielgruppe kommt der Kölner Sender gar auf stattliche 18,5 Prozent Marktanteil (plus 0,4 Prozentpunkte). Es folgen ProSieben mit 11,7 und Sat.1 mit 10,6 Prozent. Die öffentlich-rechtlichen Anbieter verloren dagegen in diesem Alterssegment noch einmal deutlich: Die ARD kam auf 6,6 Prozent (zuvor 7,3 Prozent), das ZDF auf 6,2 Prozent (zuvor 6,7 Prozent).

Dass der flächendeckende Einsatz der Jungmoderatoren Joko und Klaas beim ZDF und die Ausrichtung des Eurovision Song Contest seitens der ARD 2012 reichen werden, um die Jungen zurückzugewinnen, ist nicht anzunehmen. Da müssen die öffentlich-rechtlichen Programmmacher wohl noch etwas nachhaltigere Strategien entwickeln.

cbu/dpa/dapd



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
gwh2012 29.12.2011
1. Gebührenerhöhung
Die ARD und das ZDF kaufen sich im Moment Marktanteile mit der Verpflichtung teurer Moderatoren und dem Kauf von Sportgrossereignissen. Logisch, dass damit auch die Quote, nicht nur bei den ü60, steigen wird und man dann einen Grund hat, die Gebühren zu erhöhen. Aber wenigsten gibt es noch keine echten Trash-Formate, wie diese albernen Casting Shows etc., im öffentlich rechtlichen Fernsehen.
chiefclancywiggum 29.12.2011
2. Prof. Dr. Dr. hc. mult.
Zitat von sysopDieter sei dank: Durch Bohlen-Hits wie "DSDS" und andere Casting oder Trash Formate hat RTL 2011 noch einmal seinen Marktanteil ausbauen können. ARD und ZDF*bleibt*nur der hoffnungsvolle Blick auf die EM 2012 - eine echte Zukunftsstrategie sieht anders aus. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,806226,00.html
Denk ich an Deutschland in der Nacht dann bin ich um den Schlaf gebracht! Warum braucht man eigentlich noch die PISA- Studien? Die zunehmende Verdummung der Bevölkerung lässt sich doch leichter und billiger an der steigenden Quote der RTL- Zuschauer ablesen!
caecilia_metella 29.12.2011
3. Ich glaube,
die Zahl der TV-Konsumenten geht insgesamt zurück. 1.000 Sender, aber die meisten senden Werbung, Propaganda oder Witze. Es gibt nur wenige Sender, die überhaupt noch dazu verführen, sich ein TV-Programm zuzulegen.
mtmorgan 29.12.2011
4. Sinkflug
Zitat von chiefclancywiggumDenk ich an Deutschland in der Nacht dann bin ich um den Schlaf gebracht! Warum braucht man eigentlich noch die PISA- Studien? Die zunehmende Verdummung der Bevölkerung lässt sich doch leichter und billiger an der steigenden Quote der RTL- Zuschauer ablesen!
Das sehe ich auch so. Nicht nur in DE auch im uns nachahmenden Rest der Welt. Gratulation an unsere (politische) "Eliten". Es wird mehr Geld ausgegeben für Zinszahlungen (unserer imensen Schulden) als für Erziehung und Bildung unserer Kinder und Jugend. Die höchsten Auflagen, die meisten Zuschauer findet man bei den verblödendsten Medien. Aber wir sind noch nicht ganz unten angekommen. Weit ist's allerdings nicht mehr.
-kk- 29.12.2011
5. "Hängt ab"? Wer sagt, dass es "besser" ist?
Der Autor des Artikel bemüht für seinen Artikel und die darin abgeleiteten Forderungen dieselben tumben Methoden, mit denen RTL die bessere Quote macht: Stammtischfaseleien, Tatsachenleugnung und Realitätsverzerrung gewürzt mit - das kommt immer gut an -einer Priese aufgesetzter Entrüstung und Sorge um die eigenen Steuergelder. Dabei gibt es - vielleicht tatsächlich inzwischen - eine Minderheit, die sich doch wirklich darüber freut, dass nicht alle Sender um der lieben Quote Willen auf das Niveau der privaten, speziell RTL absinken. In diesem Fall möchte ich fast sagen, dass es ein Kompliment für die öffentlich Rechtlichen ist, den Abstand NICHT verkürzt zu haben, denn das hätte bedeutet auf diese stinkenden, voyeuristischen und menschenverachtenden Sendekonzepte ein zu schwenken. Allerdings gebe ich mich nicht der Illusion hin, dass es sich dabei tatsächlich um ein tragbares Zukunftsmodell handelt, sondern wir haben es hier eher mit der Unfähigkeit der Verantwortlichen zu tun, die schon gerne gewollt hätten, aber nicht konnten. Fernsehen in dieser festen Programmstruktur ist ein Konzepz aus den letzten Jahrhundert und hat mittelfristig sowieso keine Zukunft. Von daher: wtf?
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