Senta Bergers Abschied bei "Unter Verdacht" Emotion? Pfff!

Cool, klug, unbestechlich: Mit ihrer Rolle in der Krimireihe "Unter Verdacht" setzte Senta Berger 18 Jahre lang Maßstäbe im deutschen Fernsehen. Nun löst sie ihren letzten Fall.
Finale nach 18 Jahren: Senta Berger als Ermittlerin Dr. Eva Maria Prohacek

Finale nach 18 Jahren: Senta Berger als Ermittlerin Dr. Eva Maria Prohacek 

Foto: a/ Wolfgang Aichholzer/ ZDF

Sie sollte ja eigentlich längst im Ruhestand sein, die Frau Dr. Eva Maria Prohacek. Schon vor 18 Jahren hieß es, ihre Dienstzeit sei quasi abgelaufen. Damals, als sie ihren neuen Job bei der Münchner Polizei antrat: als "Leiterin der Abteilung für Wirtschaftskriminalität und Amtsdelikte", so der offizielle Titel.

"Sie sind eh fast zu alt, sie sind doch halb in Pension", brüllte ihr 2002 ihr milchgesichtiger Mitarbeiter André Langner (Rudolf Krause) gefrustet entgegen. Und nun geht "die Eva" (Senta Berger), wie ihr schmierig grienender Chef Claus Reiter (Gerd Anthoff) sie gern abschätzig nennt, eben doch endlich. Altersbedingt. Berger selbst wird dieses Jahr 79, da sei ihre Prohacek kaum noch glaubwürdig, erklärte sie rund um das Finale der ZDF/Arte-Kooperation "Unter Verdacht". Was für ein Jammer. Denn die Figur der Prohacek war eine alterslose Instanz. Sie ist die Allegorie der Selbstkontrollkraft des Rechtsstaats. Ohne sie wird etwas fehlen.

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Abgang einer Großen

Foto: a/ Wolfgang Aichholzer/ ZDF

Die Prohacek, eine Erfindung des Drehbuchautors Alexander Adolph, hatte damit eine Sonderrolle im TV-Krimi-Universum. Zum einen, weil sie der Angriff von innen ist, die Hierarchie umdreht - vom Streifenpolizisten bis zum Verfassungsschutz, sie hat sie alle im Visier. Als interne Ermittlerin verkörpert sie die Unruhe der Exekutive, den institutionalisierten Zweifel. Die rechtsextremen Preppernetzwerke in der Polizei zu enttarnen, wäre genau ihr Job.

Zeit, Bilanz zu ziehen

Aber in der 30. Folge "Evas letzter Gang" knüpfen Regisseur Andreas Herzog und das Autorenduo Stefan Holtz und Florian Iwersen an ihren Dienstantritt in "Verdecktes Spiel" an (grimmepreisgekrönt, zeigt das ZDF in der Nacht auf Samstag) und verbinden Serien- und Rollenrückblick: Die Kinder der Frau, die vor 18 Jahren umkam, wollen immer noch wissen, was damals geschah. Der Männerklüngel, der einst vom Tod der Frau profitierte, Reiter natürlich mit dabei, wird daher wieder aktiv. Und mittendrin die Prohacek, die auf diese Weise gezwungen ist, Bilanz zu ziehen.

Jenen "Sonder"-Status hat die Prohacek zudem wegen ihrer Persönlichkeit verdient: Auch dank ihr dürfen Frauen im Fernsehen mehr sein als anschmiegsam, zugewandt – und in ihrem Alterssegment eben: großmütterlich milde. Zwar spielte Senta Berger schon in den Achtzigerjahren in "Die schnelle Gerdi" ihre Taxifahrerin angenehm pampig und nahm als Baby-Schimmerlos-Freundin Mona in "Kir Royal" kein Blatt vor den Mund. Aber für die Prohacek galt erst Recht: Emotion? Pfff!

"Sie sind so 'ne halbwegs repräsentative Nudel von der Fachschule, die nimmt eh keiner ernst!", motzte André Langner sie anfangs an. "Schön, dass Sie mal aus sich rausgehen", gab die lächelnd zurück. "Man könnte meinen, es sind Minderwertigkeitskomplexe." Pause, dann: "Aber ich glaube, es sind gar keine Komplexe."

Das war noch, bevor die beiden sich erkannten: als die Außenseiter im Haus, chronisch unterschätzt. Es sollte in all den Jahren ihre beste Waffe werden. Unter anderem gegen den Dritten, seit Folge eins mit an Bord: Amigo-Spezi Claus Reiter, ihrem Chef; ein Opportunist mit krimineller Energie.

Beide großartig gespielten Sidekicks zeigten auch stets: die leise Überlegenheit der Prohacek. Eine, die alle schon abgeschrieben haben. Die ihre Hellsichtigkeit, ihre Robustheit versteckt hinter einem Pokerface, einem behutsamen Tonfall und der, ja, tja, isso: rothaarigen Schönheit von Senta Berger. Die ohne viel Gewese mit einem Drahtbügel Türen knackt. Die ihr Asthmaspray nicht vor dem Chef auspackt. Die dem Spusi-Typen gleich in Folge Eins entgegenranzt: "Doktor Prohacek", bittschön. Und als Reiter im Auto vorbeifährt und Langner fragt: "Soll ich ihm in die Reifen schießen?", sagt Eva Maria Prohacek nur: "Nein, ins Knie".

Am Schluss fragt sie ihren Kompagnon Langner einmal matt: "Was haben wir eigentlich erreicht?". Fürs TV-Krimiuniversum jedenfalls unermesslich viel.

"Unter Verdacht: Verdecktes Spiel" (Wiederholung der ersten Folge): Samstag, 28. März, 1.05 Uhr, ZDF
"Unter Verdacht: Evas letzter Gang": Samstag, 28. März, 20.25 Uhr, ZDF

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