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ARD-Serie "Weissensee": Der Untergang der DDR

Foto: MDR/ DEGETO FILM

Zweite Staffel "Weissensee" Es ist nicht zum Aushalten

Die Stasi noch böser, die Liebe noch stärker, die Mutter noch versoffener: In der zweiten Staffel der ARD-Serie "Weissensee" schreitet der Niedergang der DDR rapide voran - und die Familien Kupfer und Hausmann müssen einiges ertragen. Aber vorerst nur auf DVD. Woran der Kapitalismus schuld ist.

Wie sonst soll man das alles auch ertragen? Dunja Hausmann (Katrin Sass) schenkt sich noch einen kräftigen Schluck ein, sie wankt bereits bedenklich, jetzt kann sie sich nicht mehr halten, Pardauz, da liegt sie. Die Alte ist fertig. Sie hat ihre Kunst verleugnet, kuscht jetzt vor der Stasi, um ihrer Tochter zu helfen, singt keine politischen Chansons mehr, nur noch fröhliche, aber nichtssagende Schlager, es ist nicht zum Aushalten. Aber nicht nur das, eigentlich alles.

Man kann als im Westen aufgewachsener Deutscher nur immer wieder dankbar sein für den geografischen Zufall des Geburtsorts, denn im Osten war es offenbar einfach nur schlimm: Da wurde bespitzelt bis in die Familien hinein, da kamen Menschen ins Gefängnis, nur weil sie die Wahrheit gesagt haben, es wurden Sportler gedopt und davon todkrank, Kinder wurden ihren Eltern weggenommen, weil diese politisch missliebig waren, und es wurde, um all das Unglück und den allgemeinen Selbstbetrug zu ertragen, gesoffen und immer wieder gesoffen. Glück war unmöglich.

Willkommen in "Weissensee": Drei Jahre nach der hoch gelobten ersten Staffel ist nun der zweite Teil der Serie zu sehen, zunächst ab 15. März auf DVD, im Herbst dann kostenfrei im Ersten. Hier kommt alles zusammen: Auf der einen Seite wie gehabt die mehr oder weniger systemtreue Familie Kupfer mit einem hochdekorierten Stasi-Mann als Familienoberhaupt (Uwe Kockisch), auf der anderen Seite Mutter und Tochter Hausmann, künstlerische Freigeister unter Verfolgungsdruck, verbunden durch die alte Liebelei zwischen dem alten Stasi-Kupfer und der Diseuse Hausmann und der neuen Liebe zwischen dem Sohn des einen und der Tochter der anderen.

Maximal dramatisch

Ohne hier die Handlung preisgeben zu wollen: Geschwister sind sie dann doch nicht, der rebellische und mittlerweile ehemalige Vopo Martin (Florian Lukas) und seine nunmehr im Frauengefängnis einsitzende Julia (Hannah Herzsprung). Das hätte aber durchaus sein können, der unbewusste Inzest wäre nur noch ein weiteres Unglück für das Paar gewesen - das einzige allerdings, das man nicht dem Unrechtsstaat DDR hätte vorwerfen können.

Lebensfreude in der DDR gab es, folgt man "Weissensee", nur auf den Untergrund-Partys von evangelisch bewegten Umweltaktivisten, und vielleicht noch im Bett von Martins Ex-Kollegen Peter (Stephan Grossmann), der, als Running Gag der Serie, praktisch immer in Unterhosen die Wohnungstür öffnet, weil er sich offenbar stets, wenn jemand klingelt, gerade im Liebesspiel befindet.

Obwohl "Weissensee" sich also schauen lässt wie eine verfilmte Aneinanderreihung von DDR-Klischees, schaut man doch gerne hin, denn die einzelnen Figuren werden niemals zu Abziehbildern. Allen voran und stellvertretend für das Ensemble sei hier Jörg Hartmann hervorgehoben, für seine Darstellung des Falk Kupfer in der ersten Staffel bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Ihm gelingt es auch diesmal, einen zwischen Karriere und Familie, zwischen Brutalität und Liebesbedürftigkeit hin und her gerissenen Menschen zu verkörpern, nicht nur die naheliegende Karikatur eines Stasi-Schergen. Mehr als einmal macht man sich Sorgen um diesen Falk Kupfer, dem man doch eigentlich nur Schlechtes wünschen sollte.

Die Geschichte von "Weissensee" entwickelt sich derweil, wie bereits angedeutet, maximal dramatisch, und gerade deshalb eher mäßig spannend - der schon in der ersten Staffel allgegenwärtige Niedergang der DDR wird lediglich beschleunigt. Das ist in etwa so interessant wie das kleine Scharmützel, das sich die Produzentin Regina Ziegler mit dem sächsischen Medienpolitiker und Staatskanzlei-Chef Johannes Beermann (CDU) um die Vermarktung der Serie geliefert hat. Beermann monierte den vorzeitigen DVD-Verkauf, er hätte sie lieber zuerst im Fernsehen gesehen. Ziegler verwies auf ihre Investition und die hohen Zinsen, die ihren Gewinn gefressen hätten, hätte sie gewartet, bis die ARD endlich einen Ausstrahlungstermin findet.

Interessanter als diese zweite Staffel wird gewiss die dritte werden, an welcher gerade gearbeitet wird: "Weissensee" ist dann im Jahr 1990 angekommen und die DDR am Ende - wie die Familien Kupfer und Hausmann damit zurechtkommen, wie sie sich in der neuen Welt zurechtfinden werden, darauf lohnt es sich zu warten.

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