Satire auf Trumps Weltraum-Pläne Der Chef hat eine dumme Idee

Steve Carell will sich mit der Netflix-Serie "Space Force" über den Größenwahn Donald Trumps lustig machen. Klingt nach einem Selbstläufer - und ist als einzige Idee doch zu wenig.
Man hofft, dass es schon gut wird. Wird es aber nicht: Steve Carell als General der Space Force

Man hofft, dass es schon gut wird. Wird es aber nicht: Steve Carell als General der Space Force

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AARON EPSTEIN/ NETFLIX

Es gibt einfache Ideen, die sich als grandios herausstellen. Wie Spaghetti-Eis. Hätte auch floppen können, tat es aber nicht. Und es gibt einfache Ideen, die wirklich sehr schlicht sind und nichts weiter. So eine wie diese: Die Netflix-Serie "Space Force" nimmt den Präsidenten der Vereinigten Staaten beim Wort.

Als Donald Trump 2018 verkündete, als sechsten Teil der US-Streitkräfte die "United States Space Force" gründen zu wollen, war das schon einige Lacher wert. Als er schließlich noch sagte, Amerika werde 2024 wieder Menschen auf den Mond schießen, fragte man sich: War man da nicht schon mal?

Klar, die Idee hat alles, was Donald Trump gefällt: Klingt nach Größe, Glamour, Heldentum und Medienaufmerksamkeit. Die bekommt er jetzt auch. Denn Netflix hat sich nicht entblödet, ein paar große Namen in Hollywood zusammenzutrommeln und eine Comedyserie zu entwickeln, die sich Trumps Weltallträumen widmet. Wobei "entwickeln" ein großes Wort ist.

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Space Force

Foto: Courtesy of Netflix/ NETFLIX

Steve Carell spielt den Viersternegeneral Mark Naird, der zum Oberhaupt der neuen Streitkräfte ernannt wird und dessen Auftrag es ist, so schnell wie möglich eine Basis auf dem Mond aufzubauen. Der Präsident taucht nie auf und wird nie beim Namen genannt, sondern immer nur bei seinem Kürzel, POTUS (President of the United States).

Naird hat eine Frau, die im Gefängnis sitzt, eine Tochter mit Teenagerproblemen, einen schmierigen Medienberater, einen unfähigen Assistenten und einen Wissenschaftler, auf dessen Rat er aber nicht hört. Auf der in einer Wüste Colorados versteckten Militärbasis geschehen dann allerhand vermeintlich witzige Dinge und alle sind ein bisschen überdreht. Lustig ist das nicht. Dabei hat man, zumindest was das Material angeht, keine Mühen gescheut.

Die Charaktere sind einem egal

Das Set ist sehr, wie Trump sagen würde, "shiny", die Kontraste sind hochgedreht, die Kostüme opulent, die Schauspieler spitze. Steve Carell entwickelte 2005 mit Greg Daniels zusammen die US-Version der herausragenden britischen Serie "The Office", aus der in Deutschland "Stromberg" wurde. Zusammen haben sie auch das Drehbuch für "Space Force" geschrieben.

Außerdem mit dabei sind John Malkovich (Burn after Reading), Noah Emmerich (The Americans) und Lisa Kudrow (Friends). Wie kann man aus so viel Hardware so wenig machen? Warum löst diese Serie nichts in einem aus, nicht mal einen einzigen Lacher?

Vielleicht, weil die Charaktere einem durchweg egal sind. Selbst, um sich über jemanden lustig zu machen, muss man ein bisschen Mitgefühl mit demjenigen haben können. Vielleicht, weil man über Trump-ähnliche Vollpfosten, derer es in der Serie einige gibt, einfach nicht mehr lachen kann oder will und sich der Rest des Witzearsenals aus dem Slapstickrepertoire einer Grundschulklasse bedient. Bleibt nur die Frage, wie es so weit kommen konnte.

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Zu Gast in einer Late-Night-Show hat Steve Carell auf die Frage, wie es denn zu "Space Force" gekommen sei, folgendermaßen geantwortet : Nachdem Trump von der Space Force fabuliert hatte, habe bei einem Netflix-Meeting einer der Produzenten gesagt, "Space Force" sei ein guter Titel für eine Show. Sie hätten keine Idee gehabt, nichts, außer diese zwei Wörtern. Space Force. Dann hätten sie Carell gefragt, ob er Lust hätte, die Show zu entwerfen, und er habe sofort ja gesagt, "based on nothing", mit nichts in der Hand außer den zwei Wörtern, ohne Idee, ohne Konzept. Und er habe dann Greg Daniels gefragt, und auch er habe den Titel genial gefunden, und wiederum based on nothing zugesagt. Tja.

Man kann nur hoffen, dass Carell maßlos übertreibt. Sonst läuft es bei Netflix-Konferenzen genau so ab, wie man sich Trumps Kabinettssitzungen vorstellt: Der Chef hat eine dumme Idee. Alle sagen "super", man lässt ein paar Millionen springen und hofft, based on nothing, dass es schon gut wird. Wird es aber nicht.

"Space Force", bei Netflix

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