Richtig gehört: Spotify und iTunes schaden dem Klima

Foto: Jannis Große / bento

Dieser Beitrag wurde am 10.04.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Unser Musik-Konsum hat sich von der CD in die Cloud verflüchtigt. Nur ein paar Nostalgikerinnen und Liebhaber brauchen dafür noch Plastik: Platten, CDs oder Kassetten. Für alle anderen sind die Songs dieser Welt per Streaming-App nur ein paar Wischs entfernt.

Das wirkt sich auf die Umweltbilanz unseres Musikkonsums aus – aber anders, als man annehmen würde.

Das haben Forscher der Universitäten Glasgow und Oslo jetzt herausgefunden. Sie haben die Ökobilanz des US-Musikmarktes untersucht. Die erste Erkenntnis der Studie  ist naheliegend: Weil weniger Tonträger verkauft werden, produziert die Musikindustrie weniger Plastikmüll. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der CD-Produktion, wurden 61.000 Tonnen Plastik benötigt. 2016 waren es nur noch 8000 Tonnen.

Ist heute also alles besser?

Die Forscher haben auch untersucht, wie viele klimaschädliche Gase beim Musikhören anfallen könnten. Ihre Schätzung: 2016 wurden durch Musikstreaming und Downloads allein in den USA zwischen 200.000 und 350.000 Tonnen Treibhausgase freigesetzt – und damit deutlich mehr, als etwa im Jahr 2000 durch die CD-Produktion anfielen (157.000 Tonnen). Die ausführliche Studie wird im Oktober 2019 in einem Buch  veröffentlicht.

Zum Vergleich: In ganz Deutschland wurden im selben Jahr 909,4 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt. (Umweltbundesamt )

Wie setzt Musikstreaming Treibhausgase frei?

Das Speichern und Verarbeiten von Musik online verbraucht hohe Mengen an Energie und hat damit große Auswirkungen auf die Umwelt.

Dr. Kyle Devine, Universität Oslo

Die Datenzentren und Server von Onlinediensten haben einen sehr hohen Strombedarf. Das ist nicht nur bei Musikstreaming so.

Emissionen fallen bei der Nutzung aller Onlinedienste an, ob wir googeln, eine Online-Shopping-Tour unternehmen oder einen Film streamen. Wie umweltschädlich die Nutzung eines Onlinedienstes ist, hängt davon ab, woher dieser Dienst den Strom für seine Server bezieht. 

2017 veröffentlichte Greenpeace die Studie "Clicking Clean" , in der die Strom-Mixe vieler Internetanbieter verglichen werden. Bei Musikportalen schneidet hier iTunes (Note A) wesentlich besser ab als Spotify (Note D) oder Soundcloud (Note F).

Aber ist streamen umweltschädlicher als CDs kaufen?

Schwer zu sagen. Die Forscher räumen ein, dass sich die Emissionszahlen von Streaming und physischen Tonträgern in ihrer Untersuchung nicht wirklich vergleichen lassen. Sie haben zum Beispiel die Emissionen nicht einberechnet, die bei der Auslieferung von Tonträgern anfallen. (The Conversation )

Klar ist aber: Auch wenn es sich nicht so anfühlt, wird für jeden gestreamten Song Energie benötigt und dabei werden klimaschädliche Gase produziert. Nach eigener Aussage wollen die Forscher mit ihrer Untersuchung nicht "eine der größten Freuden des Lebens ruinieren", sondern Menschen dazu anregen, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen.

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