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The Orville: Einmal Star-Trek, aber albern

Fan-Debatte um "Discovery" Ist "The Orville" die bessere "Star Trek"-Serie?

Gleich zwei US-Serien variieren aktuell das "Star Trek"-Thema: "Discovery" ist ein offizielles Original, "The Orville" ironische Persiflage. Viele Trekkies sehen das allerdings ganz anders.

Wenn man Standfotos der neuen Crews vergleicht, könnte man Industriespionage vermuten: Rein äußerlich haben die Offiziere der Sternenflotte der Föderierten eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem Personal der Vereinten Planeten. Sobald die Bilder laufen, ist die jedoch gebannt.

Denn in "Discovery", dem jüngsten offiziellen Aufguss der "Star Trek"-Serien vom US-Sender CBS, geht es todernst zur Sache. Humorlos und bombastisch wie nie bewegt sich die "Star Trek"-Crew durch apokalyptische CGI-Feuerwerke und eine so atemlos vorangetriebene Handlung, dass man kaum dazu kommt, sich die Namen all der neuen Figuren zu merken.

Aber wozu auch? Die Macher haben offensichtlich nicht nur bei J.J. Abrams gelernt, der das nostalgisch-behäbige "Star Trek"-Material seit 2009 auf der Kinoleinwand ins 21. Jahrhundert beschleunigt, sondern auch bei "Game of Thrones". Die Fantasyserie machte es zum Prinzip, Identifikationsfiguren genüsslich zu meucheln. Gegen diese Art Behandlung immun ist vorerst wohl nur die "Discovery"-Heldin Michael, der Rest ist Staffage.

Das ließ zwar viele US-Kritiker jubeln, kommt bei den Fans aber nicht gut an. Denn das alles ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was für die sogenannten Trekkies den "Spirit" von "Star Trek" ausmacht.

So richten viele frustriert den Blick auf eine andere, kurz zuvor beim Konkurrenten Fox gestartete Comedy-Sci-Fi-Serie namens "The Orville". Von Kritikern bekam die ab der ersten Folge ihr Fett weg: Albern und belanglos sei dieses "Star Trek"-Plagiat, und als Comedy ein katastrophales Scheitern für Macher Seth MacFarlane ("Family Guy", "American Dad").

Das Verblüffende: Viele altgediente "Star Trek"-Fans sehen das völlig anders.

Im Film-und-TV-Portal IMDB, wo vor allem Fan-Meinungen das Urteil über Produktionen prägen, liegt die "Orville" klar vor der "Discovery". Wie weit das geht, sieht man in den Foren, wo "Discovery" leidenschaftlich verrissen  wird, während Trekkies die "Orville" über den grünen Klee loben  - und, ja, beides ist natürlich völlig überzogen.

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"Star Trek: Discovery": Ein neuer Stern fürs All

Foto: Netflix/ CBS

MacFarlane ist immerhin selbst bekennender Trekkie. Als Autor, Produzent und Hauptdarsteller hat sich der Basal-Komiker - eine Art US-Version von Bully Herbig - den Kindheitstraum erfüllt, im All dahin zu fliegen, wo noch kein Mensch zuvor…... - man ahnt, wo das hinführt.

Er selbst sieht seine im Vergleich preiswert produzierte, mit Pennäler-Gags gewürzte Serie vor allem als Hommage an "Star Trek". Zahlreiche Größen sowohl aus der Hollywood-Welt (unter anderem "Iron Man"-Regisseur Jon Favreau) als auch aus dem "Star Trek"-Universum (Jonathan Frakes alias "Commander Riker") unterstützen das Projekt als Gastregisseure, mit Cameos (Liam Neeson), als Gaststars (Charlize Theron) oder in anderen Funktionen. (Ex-"Star Trek"-Autor und -Creator Brannon Braga produziert auch "The Orville".)

Die Trekkies spüren das sofort. Jede bisherige "Star Trek"-Serie hatte eine an Soap Operas grenzende Gefühligkeit. Die Figuren waren Familie und nicht nur durch Ziele oder Ideale verbunden, sondern auch sozial. Ihre großen Themen waren philosophischer oder moralischer Natur, wenn auch oft plakativ, hart an der Fremdschäm-Grenze serviert. Das Personal, die Picards und Rikers, Spocks und Ciscos, Janeways und Archers liefen quasi mit virtuell erhobenem Ethik-Zeigefinger durchs utopistische Universum.

Ihre Botschaften: Respekt! Toleranz! Mitgefühl! Liebe!
Und nicht zu vergessen: Optimismus!!!

Also all das, was "Discovery" leider fehlt. Und wie sieht es auf dem Raumschiff "Orville" aus?

Dort wird das alles auf den Arm genommen. Kapitän ist Ed Mercer (MacFarlane), der seine Ex-Frau Kelly Grayson einst mit einem sehr blauen Außerirdischen im Bett erwischte. Heute sitzt die Geschiedene als Erste Offizierin neben ihm, umgeben von superstarken Spitzohr-Aliens, gefühllosen Androiden, einem undisziplinierten Steuermann, einem erfolglos Frauen anbaggernden Gelee-Wesen und einem rustikal brummigen Alien mit ziemlich zerfurchtem Vorderschädel. Schon da lacht der Trekkie, denn der kennt die ja alle!

Nur dass hier alle etwas anders ticken. Der so offensichtlich am weichgespülten Klingonen Worf orientierte Commander Bortus ist nicht nur kräftig, sondern auch ganz schön schwul. Als er ein Ei legt, aus dem ausgerechnet ein Mädchen schlüpft, beginnt die Debatte mit seinem Lebensgefährten: Soll man das Kind direkt einer Geschlechtsumwandlung unterziehen? Oder doch nicht? Oder lieber später?

Klingt total krude und doof. Doch kurz bevor das Ganze zum Schulhofwitz abkippt, kriegt Drehbuchautor MacFarlane die Kurve - und breitet eine locker servierte, aber durchaus durchdachte Diskussion über Geschlechtlichkeit, Frauen-, Selbstbestimmungsrechte und Kreaturenwürde aus. Zieht man die albernen Gags ab, mit denen das alles eingeleitet wird, hätten Picard und Co. das auch nicht viel anders gemacht.

Also schämen sich die Trekkies ein bisschen fremd, genießen das aber auch - denn so war es ja eigentlich immer: Hauptsache, der Spirit stimmt. Inzwischen, nach ein paar Folgen, verringert sich die Witzdichte, und die "Orville" macht es sich in ihrem sehr Trekkie-gerechten Universum bequem - sie nähert sich sozusagen per Mutation dem Original.

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The Orville: Einmal Star-Trek, aber albern

Wohin die Reise der "Discovery" geht, ist schwerer zu sagen. Schon die ersten beiden Episoden aber gefielen fielen Fans nicht: Alles zu düster, Optimismus gibt es nur als Hoffnung auf die Vernichtung des Gegners. Doch wer endloses Geballer mag, schaute schon immer eher "Star Wars". Trekkies legen Wert auf Nerdiness (wer nicht weiß, was das ist, denke jetzt bitte an Sheldon Cooper), nicht auf Heldentum.

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Trotzdem hat die "Discovery" wohl bessere Chancen auf einen langen Flug als die "Orville"-Crew. Hardcore-Fans allein sind keine hinreichend große Zielgruppe mehr, eine Millionen kostende Serie zu tragen - daran war bereits die letzte offizielle Inkarnation "Enterprise" gescheitert. Bei US-Kritikern kommt das martialische "Discovery" besser an als MacFarlanes Persiflage. In Großbritannien - dem einzigen anderen Land, wo die "Orville" schon fliegt - ist es interessanterweise umgekehrt. So urteilte der "Independent", die Serie sei "als Neustart für 'Star Trek' besser als das Original".

Schade wäre es da, so der britische Kritiker, wenn sie "zum Schrottplatz geschickt würde, bevor sie Lichtgeschwindigkeit erreicht". Denn in all dem modernen, dystopischen Sci-Fi-Kram könnten wir doch "ein bisschen Optimismus" gebrauchen.

Wäre wirklich schön, wenn der noch in die Zeit passte.


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