TV total Autoball-WM 2014 "Da wirste doch bekloppt, ey!"

Stefan Raab und Bam Margera ("Jackass"): "Was MACHT der da?"

Stefan Raab und Bam Margera ("Jackass"): "Was MACHT der da?"

Foto: OBS/ ProSieben/ Brainpool TV

Wer an Blechschäden seine Freude hat, für den ist Stefan Raabs "TV total Autoball WM" ein großer Kindergeburtstag - für Jungs, weil keine Frauen mitfahren. Die werden nur eingeblendet, wenn sie hübsch sind und mit einem der Fahrer verheiratet.

Das Auto, der Fußball und die Nation. Die Jagd auf den Elefantenball mit Miniautos verbindet alles, was den Deutschen lieb und teuer ist. Hinzu kommen ausreichend interessante Produktinformationen auf jeder freien Fläche, um dem motorsportlichen Spektakel das Attribut "Dauerwerbesendung" zu bescheren.

Erstaunlich, wie schnell so ein VW Polo kaputt gehen kann. Ein frontales Zusammenstößchen, mal kurz in die Bande gerasselt - schon raucht's unter der Haube und tropft die Kühlflüssigkeit. Es ist die automobile Entsprechung einer Verletzung an der Achillessehne.

Das Event vor 15.000 Zuschauern kommt mit dem offiziösen Ernst daher, der auch den richtigen Fernsehsport auszeichnet. Es gibt einen Experten (Stefan Raab) und einen Kommentator (Frank Buschmann), der das Geschehen mit Sätzen wie "Da wirste doch bekloppt, ey!" oder "Was MACHT der denn da?" begleitet.

Dabei ist "Autoball" in seiner Albernheit kaum weniger ideologisch als das, was neulich der türkische Ministerpräsident in der gleichen Arena veranstaltete. Aggressivität wird belohnt, Leistung zählt und Können am Steuer, weshalb der an Automatik gewohnte amerikanische Teilnehmer (Bam Margera von "Jackass") auch nicht wirklich wissen kann, "was er da tut".

Es ist eine Feier des Naheliegenden, und nahe liegt immer der neuerdings wieder übliche, fußballnahe Chauvinismus - der übrigens nahtlos übergeht in den Werbeblock, in dem es kaum ein Produkt mehr gibt, das nicht von der DFB-Nationalelf beworben wird.

Als artverwandte Zugabe gibt es einen gut gelaunten Rassismus, wenn der schwarze Ex-Fußballer Hans Sarpei zum bedrohlich "dunklen Mann" stilisiert wird. Und es gibt eine fröhliche Schwulenfeindlichkeit, wenn über eine Verletzung des homosexuellen Sängers Ross Anthony mehrdeutig betont wird, ihm "tut der Popo weh".

Als sich erweist, dass Schwule auch Auto fahren können, wird das als große Sensation abgefeiert. Fährt der Italiener (Giovanni Zarrella) gegen einen Türken (Eko Fresh), muss das natürlich eine Schlacht zwischen Pizza und Döner sein. Weil noch während der Sendung offenbar Zuschauer sich über den Zungenschlag beschweren, beschwichtigt Buschmann, das sei doch "mit einem Augenzwinkern" zu verstehen.

So ist selbstredend auch Stefan Raabs offizieller Fußball-WM-Song zu verstehen, den er in einer Verkleidung als (Ironie!) Gartenzwerg darbietet: "Wir kommen, um ihn zu holen, wir werden allen den Arsch versohlen! Wer in unser'n Strafraum kommt: Friss Dreck!".

Zwischendurch geht immer mal wieder sozusagen das Autoradio an, und dann spielen erklingen Schlager (Höhner) oder die Neunzigerjahre (Guano Apes).

Diese Einlagen braucht es, weil in fünf Stunden außer Werbung ("Jetzt gibt es eine klitzekleine Werbung. Stehen Sie nicht auf! Schalten Sie nicht um!") tatsächlich nicht mehr zu sehen ist als eben Autos, die mit quietschenden Reifen ihre Kreise drehen und dabei kaputt gehen.

Am Ende gewinnt wieder "dieser Italiener". Und wenn er wirklich so geschäftstüchtig ist, dieser Deutsche, wo bleibt dann die permanente "TV total Autoball-Bundesliga"?

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags haben wir den Namen von Giovanni Zarrella fälschlicherweise als "Guiseppe Zarrella" angegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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