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Raab-Auftritt beim TV-Duell Das Kotelett in der Suppe

Den beschaulichen Sonntagabend von Angela Merkel und Peer Steinbrück störte nur einer: Stefan Raab. Mit ungewöhnlichen Fragen unterbrach er den dahinplätschernden Redefluss zumindest kurzzeitig. Ist er nun der Super-Polit-Journalist? Günter Grass gab jedenfalls schon mal seinen Segen.

Berlin - Wenn am Tag nach dem Fernsehduell überhaupt irgendetwas beim Zuschauer hängengeblieben ist - außer natürlich der Deutschlandkette der Kanzlerin -, dann dürfte es wohl das kurze Aufbrausen Stefan Raabs gewesen sein. Kurz vor Ende der Sendung nahm die ProSieben-Allzweckwaffe den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ins Visier und versuchte, ihm ein Bekenntnis zu einer großen Koalition abzuringen: "Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich 'King of Kotelett' bin."

Mit Raab traute sich an diesem Abend immerhin mal irgendjemand, die Kanzlerin zu unterbrechen (wenn auch erfolglos) oder sie mit einer frechen Frage zum Wahl-O-Mat, die auf die inhaltliche Austauschbarkeit von CDU und SPD anspielte, kurz zu verunsichern. Als Merkel sich erst nach einigem Hin und Her eindeutig gegen eine Pkw-Maut aussprach, kommentierte Raab: "Endlich! Das hätten wir auch kürzer haben können." Der 46-jährige Novize im Moderatoren-Quartett des TV-Duells am Sonntagabend brachte also ein wenig Leben in die schläfrige Bude, wenngleich er die starren Regeln der Sendung nur ein bisschen sprengen konnte.

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Alleskönner Stefan Raab: Im Wok zum Kanzler-Duell

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Bei den Zuschauern war Raab offenbar das heißeste Thema des Abends (neben der Deutschlandkette). Beim Kurznachrichtendienst Twitter war der ProSieben-Mann der mit Abstand meistdiskutierte Moderator. Die "Bild"-Zeitung rief Raab am Montag gar zum "Sieger" des TV-Duells aus.

"Der Super-Polit-Journalist der Zukunft ist er sicher nicht."

Doch reichen ein paar dahingeworfene Sätze, um gleich derart gefeiert zu werden? Nicht alle Beobachter waren so überschwänglich. "In den ersten zwei Dritteln des Duells musste sich Stefan Raab unterordnen", analysierte am Montag der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister. "Im letzten Drittel fand er mehr zu sich selbst und verlieh dem Duell einen der wenigen Höhepunkte. Ob er damit aber schon der Gewinner ist, weiß ich nicht."

Die Kommentatorin von "Süddeutsche.de"  lobte die klar formulierten Fragen von Raab und Anne Will (ARD): "Dem alten Rat von Rhetorik-Coaches, in einfachen Sätzen zu reden, folgte Raab noch am ehesten - die Hand lässig in der Hosentasche, als hätte er zu viele Musikvideos von Pharrell Williams gesehen." Dass da Spuren eines neuen Stils in die politische Debatte eingezogen sind, ist nicht zu leugnen. Und Stil ist, wie so oft, Geschmackssache.

Dass Stefan Raab Angela Merkel umständlich fragte, ob sie beim Wahl-O-maten CDU herausbekäme, wirkte als Frage zum Beispiel etwas gezwungen.

"Das Format konnte er selbstverständlich ebenso wenig prägen wie sprengen", analysierte der Medienwissenschaftler und frühere Leiter des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, gleich nach der Sendung. "Auch ihm gelang es nicht, den Disputierenden auch nur eine einzige überraschende Antwort zu entlocken. Der Super-Polit-Journalist der Zukunft ist er sicher nicht."

Lob bekam Raab am Montag bei einer Buchvorstellung von Günter Grass: Der Nobelpreisträger beschrieb die Rolle des ProSieben-Mannes im TV-Duell als "erfrischend unbefangen".

Applaus gab es auch vom CDU-Generalsekretär. Hermann Gröhe bezeichnete Raab als Bereicherung: "Er war eine gute und wichtige Stimme in dem Quartett" der Moderatoren, sagte Gröhe am Montag nach einer Sitzung des Vorstands seiner Partei in Berlin. Raabs Fragen seien oftmals nahe an dem gewesen, wie am Arbeitsplatz oder Zuhause über Politik diskutiert werde. Dies tue der politischen Debatte insgesamt gut.

seh/dpa/AFP
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