Streaming-Fahrplan fürs Wochenende Diese Filme und Serien lohnen sich

Ein Roboter versucht sich in "I Am Mother" als Mutter-Ersatz, in "Killing Eve" verfallen eine Polizistin und eine Killerin einander, und "Pink Floyd: Live at Pompeii" zeigt eine Band vor der Erstarrung.

"I Am Mother", Amazon Prime Video

Zeitbudget: 114 Minuten
Für Fans von: "Chappie", "Ex Machina"

Wer ahnt, was im Leben auf ihn zukommt, aber noch keine Vorstellung davon hat, wie das konkret werden wird, der kann mithilfe von Filmen und Serien einen Ausblick in Zukunft wagen. Von der Revolution der Roboter ist seit Jahren schon die Rede, KI soll ebenfalls unser Alltagsleben von Grund auf umkrempeln. Zu spüren ist davon bisher wenig, Siri und Alexa fallen uns mit ihrer Begriffsstutzigkeit jedenfalls mehr auf die Nerven, als das sie sich wirklich echte kleine Helferlein etabliert hätten. In "I Am Mother" übernimmt, wie der Titel es verrät, ein Roboter die Mutterrolle für einen kleinen Homo Sapiens. Das Mädchen nimmt das widerspruchslos hin, es kennt ja nichts anderes - bis in der Gestalt von Hilary Swank plötzlich ein weiterer Homo Sapiens hereinschneit. Das Regie-Debüt des australischen Werbefilmers Grant Sputore ist nicht ganz so schlau und schön wie das Roboterfilm-Meisterwerk "Ex Machina" von Alex Garland, lässt aber wunderbar in der Schwebe, wer nun der größere Lügner ist: Roboter oder Mensch. Oliver Kaever

"Killing Eve", Staffel 3, Starzplay

In den USA ein Blockbuster, in Deutschland Geheimtipp: "Killing Eve" mit Jodie Comer

In den USA ein Blockbuster, in Deutschland Geheimtipp: "Killing Eve" mit Jodie Comer

Foto:

Ludovic Robert/ BBC America/ Sid Gentle

Zeitbudget: acht Episoden á ca. 45 Minuten
Für Fans von: "Fargo", "Fleabag"

Natürlich gibt es sie noch, die Geheimtipps, auch und erst recht in Zeiten des Streaming-Überflusses. "Killing Eve" allerdings sollte eigentlich gar nicht dazu gehören. Die ursprünglich von der "Fleabag"-Macherin Phoebe Waller-Bridge geschriebene Serie zählt in den USA und England schon seit der ersten Staffel zu den großen Serien-Blockbustern. Hierzulande ist sie aber nur über die kleine Streaming-Plattform Starzplay zu sehen, den europäischen Arm des US-Bezahlsenders Starz. Sie war lange nur über Amazon-Channels empfangbar, mittlerweile auch über Apple TV+ und eine eigene App. "Killing Eve" ist ihr Kronjuwel: Die Geschichte einer Geheimagentin (Sandra Oh), die eine mysteriöse Auftragskillerin (Jodie Comer) jagt, dann wiederum von ihr gejagt wird - bis beide sich in gegenseitiger Obsession verfallen. Stylish, blutig, böse und in jeder Sekunde überraschend war vor allem die erste Staffel, nach der in einer perfekten Welt Schluss gewesen wäre. Mittlerweile ist "Killing Eve" ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden, aber zumindest extrem unterhaltsam ist das Katz-und-Maus-Spiel noch immer. Oliver Kaever

"Verschwiegen", Apple TV+

Hat er? Oder hat er nicht? Jaeden Martell in "Defending Jacob"

Hat er? Oder hat er nicht? Jaeden Martell in "Defending Jacob"

Zeitbudget: acht Folgen á 60 Minuten
Für Fans von: "Gone Girl" und "Tote Mädchen lügen nicht"

Es gibt Sätze, bei denen man sofort weiß: Oh oh. Jetzt geht’s erst richtig los. In der Serie "Defending Jacob" lautet dieser Satz: "Keine Geheimnisse mehr". Er fällt in der dritten Folge. Von da an geht es bergab mit dem Staatsanwalt Andy Barber (Chris Evans), seiner Frau Laurie (Michelle Dockery) und dem Sohn Jacob (Jaeden Martell). Denn was zunächst als klassischer Kriminalfall begann - ein Junge in der Nachbarschaft wird erstochen, der Staatsanwalt ermittelt –, entwickelt sich jetzt zu einem psychologischen Kammerspiel. Jacob ist der Hauptverdächtige. Wurde er gemobbt und hat sich gerächt? Und was macht das mit den Eltern – zu wissen, dass der eigene Sohn vielleicht ein kaltblütiger Mörder ist? Geheimnisse, so viel kann man verraten, hat jeder in dieser Familie, und daraus entsteht ein extrem spannender Thriller. Das einzige Manko ist Chris Evans. Er sieht einfach zu gut aus, um glaubhaft einen fertigen, kaputten, überforderten Vater zu geben. Großartig hingegen Michelle Dockery, die wie schon in "Downton Abbey" die meiste Zeit mit einem einzigen Gesichtsausdruck auskommt. Der hat es aber in sich. Xaver von Cranach

"Pink Floyd: Live at Pompeii", YouTube

Echos im leeren Amphietheater: Pink Floyd 1972 in Pompeji

Echos im leeren Amphietheater: Pink Floyd 1972 in Pompeji

Foto:

Youtube

Zeitbudget: 85 Minuten
Für Fans von: "Gimme Shelter", "Woodstock"

Radiohead und Metallica haben es vorgemacht, nun stellt auch der Rock-Dino Pink Floyd für seine vom Corona-Hausarrest geplagten Fans Konzertfilme auf seinem YouTube-Channel zur Verfügung. Den Anfang machte vergangene Woche "Pulse" von 1995. Am Freitagabend folgt nun der Klassiker "Live at Pompeii" von 1972 in der neu geschnittenen Fassung von 2016, und zwar nur für 24 Stunden. Der Gegensatz zu "Pulse" ist frappierend: Hier sieht man eine Band, die noch nicht zum Denkmal erstarrt ist; die aber ganz kurz davor steht, vom eigenen Ruf und eigenen Ambitionen erschlagen zu werden (die Aufnahmen zu der Platte "The Dark Side of the Moon", die dafür sorgen sollte, waren gerade abgeschlossen). Das Setting im leeren Amphietheater von Pompeji zeugt schon von dem verblasenen Bombast und der Bedeutungshuberei, die zum Markenzeichen von Pink Floyd wurden. Aber nicht zuletzt die kalte Arroganz in den Gesichtern von David Gilmour und Roger Waters gibt Klassikern wie "Echoes" hier noch Härte und punch. Ein spannendes Dokument der Geschichte der Rockmusik. Oliver Kaever

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