Streaming-Fahrplan fürs Wochenende Diese Filme und Serien lohnen sich

Frank Elstner gibt mit einer bewegenden Talkshow seinen TV-Abschied, Michelle Pfeiffer spielt Angelina Jolie an die Wand, und Kinder buchstabieren den amerikanischen Traum.
Frank Elstner nimmt Abschied vom Fernsehen und unterhält sich mit Prominenten, unter anderen Charlotte Roche

Frank Elstner nimmt Abschied vom Fernsehen und unterhält sich mit Prominenten, unter anderen Charlotte Roche

Foto:

Netflix

"Wetten, das wars..?", Netflix

Zeitbudget: fünf Episoden zwischen 40 und 50 Minuten
für Fans von: Frank Elstner, Charlotte Roche, Daniel Brühl, Lena Meyer-Landrut und Joko Winterscheid

Es gibt einen Moment in dieser Interviewreihe, der so aus der Zeit gefallen wirkt, so unaufgeregt und wunderbar, für den allein es sich lohnt, sich die kompletten fünf Folgen von "Wetten, das wars..?" reinzufahren. Frank Elstner und die Sängerin Lena Meyer-Landrut sitzen an einem Tisch. Und bevor Elstner eine Frage stellt, entschuldigt er sich bei Meyer-Landrut, ihr vor zehn Jahren in einem anderen Interview die falschen Fragen gestellt zu haben. Sie beginnt zu weinen. Ihr Mascara verläuft. Elstner zieht ein Taschentuch aus der Tasche und gibt es ihr. Ob Frank Elstner ein guter Typ ist oder ein Interviewfuchs, der weiß, wie er seine Gesprächspartner knackt, kann jeder selbst raten. Was folgt, sind 40 Minuten Fragen und Antworten, und obwohl da Kameras draufhalten und dadurch natürlich nichts intim ist, wirkt es erschütternd privat. In den vier anderen Folgen fragt Elstner Daniel Brühl, ob er der glücklichste Schauspieler Deutschlands ist, er fragt Charlotte Roche nach dem Tod ihrer Brüder, Joko Winterscheidt nach seiner Mutter und Klaas Heufer-Umlauf nach seiner Ausbildung zum Friseur. Nichts davon geht uns etwas an. Aber weil Elstner fragt, will man alles wissen.

"Maleficent: Mächte der Finsternis", Disney+

Angelina Jolie als wandelnder Spezialeffekt in "Maleficent: Mächte der Finsternis"

Angelina Jolie als wandelnder Spezialeffekt in "Maleficent: Mächte der Finsternis"

Foto:

Jaap Buitendijk/ Disney

Zeitbudget: 119 Minuten
für Fans der großen Michelle Pfeiffer: "Die Hexen von Eastwick", "Die fabelhaften Baker Boys", "Frankie & Johnny"

Dass Disney-Filme eher selten für kleinere Kinder geeignet sind, ist kein Geheimnis (kenne ich als von "Bambi" traumatisierter Mensch), aber Eltern neigen dazu, das ein wenig zu vergessen (kenne ich als Vater einer Tochter, die selbst auf den "Pumuckl" panisch reagierte). Deshalb an dieser Stelle die Warnung: Die FSK-Freigabe ab 12 ist ernst gemeint und die "Maleficent"-Fortsetzung kein Kinderfilm. Es geht recht düster zu in dieser Geschichte um die aus dem "Dornröschen"-Märchen entlehnte dunkle Fee, gespielt von Angelina Jolie. Die wirkt hier mit ihrer von Bits und Bytes abgeschmirgelten Miene wie ein wandelnder Spezialeffekt, meinen Zweifeln an ihren Fähigkeiten als Schauspielerin gibt dieser Auftritt eher neue Nahrung. Ganz im Gegensatz zu dem, was Michelle Pfeiffer als ihre Widersacherin an vorgetäuschter Güte und tödlicher Kälte abliefert. Das ist eine Performance aus einer anderen Liga von einer Leinwandkönigin aus einer anderen Generation, die man mittlerweile viel zu selten zu Gesicht bekommt.

"Der amerikanische Traum vom Buchstabieren", Netflix

Zeitbudget: 80 Minuten
für Fans von: Scrabble, der oscarnominierten Doku "Spellbound"

Champions im Olymp der Worte: Netflix-Doku über Buchstabierwettbewerbe in den USA

Champions im Olymp der Worte: Netflix-Doku über Buchstabierwettbewerbe in den USA

Foto:

Netflix

Man kann diese Doku auf zwei unterschiedliche Weisen sehen. Bei der einen wird einem warm ums Herz, bei der anderen mulmig im Magen. Es geht um Kinder von indischen Immigranten in den USA, die seit Jahren schon die dort beliebten Buchstabierwettbewerbe für Schüler beherrschen. Diese Kinder buchstabieren, ohne mit der Wimper zu zucken englischsprachige Buchstabenmonster wie "erysipelas" (eine bakterielle Entzündung) und "bougainvillea" (Drillingsblume); sie schreiben damit Erfolgsgeschichten, die im starken Kontrast stehen zum auch hierzulande verbreiteten Narrativ vom Nachwuchs von Einwanderern, der angeblich vor allem für Probleme sorgt. Der Film zeigt aber auch, wie selbstverständlich Kinder auf einer Bühne ausgestellt werden als Sieger in einem System, das sie vor allem nach Leistung und Fleiß beurteilt.

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