Streaming-Fahrplan fürs Wochenende Diese Filme und Serien lohnen sich

Oscarpreisträger "Parasite" macht die Filmwelt ein wenig gerechter, der erste Netflix-Film aus Simbabwe ist da - und eine Doku folgt den Tonspuren des großen deutschen Musikproduzenten Conny Plank.
Pizzakartons falten als Lebensunterhalt - für Familie Kim aus "Parasite" keine lohnende Idee

Pizzakartons falten als Lebensunterhalt - für Familie Kim aus "Parasite" keine lohnende Idee

Foto:

Koch Films

"Parasite", Amazon Prime Video

Zeitbudget: 132 Minuten
für Fans von Bong Joon-ho: Memories of Murder, The Host, Snowpiercer

Viel zu selten geht es gerecht zu in der Welt, da macht die Filmwelt keine Ausnahme. Aber manchmal dann eben doch: Mit "Parasite" avancierte ein Arthouse-Film aus Südkorea zum internationalen Kassenerfolg und wurde dann auch noch als erster nicht englischsprachiger Film der Geschichte mit dem Oscar für den besten Spielfilm ausgezeichnet. Fieberhaft ging darauf die Suche nach den Gründen los. Die Kurzversion: 1. Der Film ist einfach genial inszeniert. 2. Eine Satire, die die gesellschaftliche Spaltung in Arm und Reich aufs Korn nimmt, spricht ein globales Publikum an, das genau diese Sorge teilt. 3. Der Erfolg von Streamingdiensten bringt ein globales Publikum hervor, das immer mehr eine Bereicherung darin sieht, fremdsprachige Filme mit Untertiteln anzuschauen. Letzter Punkt ist allerdings eine reine Vermutung, belastbare Zahlen gibt es dazu nicht. Jetzt, wo "Parasite" im Streamingangebot angekommen ist, kann ich aber nur dazu ermutigen, den Film tatsächlich auf Koreanisch anzuschauen. Natürlich werden Sie kein Wort verstehen. Aber die durch die Zwänge der Leistungsgesellschaft freigesetzten Ängste, die sich in den Dialogen Bahn brechen, brauchen keine wortwörtliche Übersetzung. (Lesen Sie hier unserer ausführliche Besprechung zum Kinostart.)

"Cook Off", Netflix

Kochend in die Selbstbestimmung: der Film "Cook Off" aus Simbabwe

Kochend in die Selbstbestimmung: der Film "Cook Off" aus Simbabwe

Foto:

HANDOUT/ REUTERS

Zeitbudget: 100 Minuten
für Fans von afrikanischen Filmen wie: "Timbuktu" und "Finding Fela"

Apropos Streamingdienste und globales Publikum: Dem kann sich per Netflix nun auch das Kino aus Simbabwe vorstellen. Ein Land, eher bekannt für Hungersnöte und die langjährige Schreckensherrschaft von Robert Mugabe als für Liebeskomödien. Aber, wie der Produzent des Films Joe Njagu sagt: "Die Welt soll wissen, dass es mehr über Simbabwe zu erfahren gibt. Wir verlieben uns. Wir lieben gutes Essen. Und wir haben schöne Geschichten zu erzählen." "Cook Off" entstand 2017, wenige Monate vor Mugabes Sturz, für umgerechnet 8000 Dollar und trat kurz darauf einen Siegeszug an, der den Film auf viele internationale Festivals führte. Es geht um die alleinerziehende Mutter Anesu, die unfreiwillig an einem im Fernsehen übertragenen Kochwettbewerb teilnimmt. Das ist nicht mehr als ein harmloser und unterhaltsamer Spaß mit erbaulichem Kern. Aber eben auch authentisches afrikanisches Kino, das ohne die üblichen Klischees auskommt, mit dem gewöhnlich Weiße auf den Kontinent blicken.

"Conny Plank - Mein Vater, der Klangvisionär", ARD-Mediathek

Arbeits- und Lebensplatz: Conny Plank an seinem Mischpult

Arbeits- und Lebensplatz: Conny Plank an seinem Mischpult

Foto: Christa Plank/ WDR

Zeitbudget: 70 Minuten
für Fans von Bands wie: Neu!, Kraftwerk, Harmonia, Eurythmics, Ideal

Er stand nie auf einer Bühne, gab kaum Interviews, ist fast nur auf unscharfen Fotos hinter seinem Mischpult zu sehen. Aber der Produzent und Toningenieur Conny Plank hat die deutsche Popmusik international anschlussfähig gemacht. Was er zwischen den Siebziger- und Achtzigerjahren produzierte - Krautrock, Elektronik und die Schnittstelle dazwischen, aber auch Hardrock und Neue Deutsche Welle -, stieß vor allem in England und den USA auf Begeisterung. Euphorisch kommentiert im Film ein britischer Musikjournalist: "Leute, mit denen Conny arbeitete, durften nicht einfach den kommerziellem Erfolg im Auge haben. Sie mussten Musik als inneres Bedürfnis, ja als Zwang empfinden." Vielleicht haben die weiten Klangflächen seiner Produktionen deshalb ihre Magie bis heute nicht verloren. Sohn Stephan Plank lässt für seinen Film diese Blütezeit mit vielen der damals beteiligten Musiker wiederauferstehen.

Und sollten Sie ein Serienwunderwerk bisher verpasst haben und es kostenlos über das Wochenende nachholen wollen: HBO zeigt vom 19. bis 21. Juni über seine Homepage HBO.com  weltweit die Comicverfilmung "Watchmen", die sich auf kongeniale Weise mit Rassismus auseinandersetzt. (Lesen Sie hier unsere ausführliche Besprechung.)

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