Streaming-Fahrplan fürs Wochenende Diese Serien lohnen sich

Eine Doku-Reihe verschafft den Epstein-Opfern Gehör, Kostja Ullmann strahlt in einer lakonischen Serie als Uber-Fahrer in Hamburg - und in "Future Man" gibt's räudige Gags.
Keine harmlose Straßenszene: Epstein und Chauntae Davies, eines seiner Opfer

Keine harmlose Straßenszene: Epstein und Chauntae Davies, eines seiner Opfer

Foto:

Netflix/ Courtesy of Netflix

"Jeffrey Epstein: Filthy Rich", Netflix

Zeitbudget: vier Folgen á 55 Minuten
Interessant für: unter anderem alle, die auch die Michael-Jackson-Doku "Leaving Neverland" spannend fanden.

Wer im vergangenen Jahr jede Meldung, jede neue Wendung zum Fall des Finanzmoguls Jeffrey Epstein verfolgt hat, wird in der vierteiligen Dokuserie "Jeffrey Epstein - Stinkreich" auf Netflix wenig Neues erfahren. Sehenswert ist sie trotzdem. Denn wie das so ist mit gut gemachten Dokumentationen: Entscheidend ist die kompakte Verdichtung der Ereignisse, die einen als Zuschauerin immer wieder den Kopf schütteln lässt. Wie konnte es nur so weit kommen? Der Multimillionär und Gesellschaftslöwe Epstein hat über Jahre Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt: Viel zu spät wurde er deswegen angeklagt. Im August nahm er sich in der Unter­suchungshaft in New York das Leben. Die Serie produzierte der Bestsellerautor James Patterson, der 2016 schon ein Buch zu dem Fall publiziert hatte. Mithilfe von alten Videoaufnahmen und Interviews mit Polizisten werden Ermittlungen gegen Epstein ab 2005 rekonstruiert. Damals kam Epstein mit einer geringen Strafe davon. Der Fokus der insgesamt knapp vier Stunden liegt allerdings auf den Opfern. Dies ist auch das Neue im Vergleich zum Buch, für das Patterson vor allem Akten ausgewertet hatte. Jetzt kommen die Frauen, inzwischen alle zwischen 30 und 50 Jahre alt, selbst zu Wort. Erst durch ihre Gesichter, ihre Stimmen, ihre Tränen wird ansatzweise greifbar, was Epstein so vielen Mädchen angetan hat. In dieser Serie bekommen sie wenigstens jetzt die Deutungshoheit. Laura Backes

Ausgesetzter Pudel als Beifahrer: Kostja Uhlmann in "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers"

Ausgesetzter Pudel als Beifahrer: Kostja Uhlmann in "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers"

Foto:

www.manju.de/ manju.de

"Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers", Joyn

Zeitbudget: sechs Fahrten á 30 Minuten
Für Fans von: "MaPa", Hamburg

"Können wir auch" - das scheint seit ein paar Jahren die Selbstoptimierungs-Affirmation deutscher Fernsehmacher zu sein: Jetzt exportiert die Exportnation eben auch deutsche Serien, von "Dark" bis "Das Boot". Daneben etablieren sich auf Streamingplattformen aber gerade spannendere, kleinere Projekte, die sich an ein deutsches Publikum wenden und einen Ton treffen, den man bisher im deutschen Fernsehen vermisste. "Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers" ist jetzt nach "MaPa" schon die zweite deutsche Serie, mit der die von ProSiebenSat.1 Media betriebene Plattform Joyn glänzt. Die Geschichte hätte furchtbar schiefgehen können: Kostja Ullmann spielt einen Uber-Fahrer, der durch Hamburg gondelt, die einzelnen Episoden zeigen, was ihm dabei so passiert. Daraus entsteht aber große Fernsehkunst, und zwar ausgerechnet mit Mitteln, die deutschen Filmen und Serien bisher völlig abgingen: "Uber-Fahrer" ist ironisch und hat gleichzeitig Herz, ist lakonisch und gleichzeitig genau, melancholisch und dabei sehr, sehr lustig. Die grassierende Erkläreritis deutscher Filme und Serien, das umständliche Festzurrenwollen von Bedeutung und Botschaft sind wie von einer sanften, norddeutschen Brise weggeblasen. Große Schauspieler glänzen auf kleinem Raum - mehr braucht es hier nicht. Oliver Kaever

"Future Man": Popkultur-Referenzen von "Zurück in die Zukunft"

"Future Man": Popkultur-Referenzen von "Zurück in die Zukunft"

Foto: Greg Lewis/ Greg Lewis/Hulu/Sony Pictures Television

"Future Man", Amazon Prime Video

Zeitbudget: drei Staffeln mit insgesamt 34 Episoden à 26 Minuten
Für Fans von: "Matrix", "Terminator", "Superbad"

Damit keine Missverständnisse aufkommen: "Future Man", eine räudige, aber unschlagbar unterhaltsame, irre komische Science-Fiction-Schrägstrich-Zeitreise-Comedy, die jetzt mit ihrer dritten Staffel endet, ist kein Meisterwerk. Ich will sie hier trotzdem explizit loben. Wofür? Genau dafür, sich krudesten Trash zu trauen, sich immer auf den geschmacklosesten Schenkelklopf-Witz zu stürzen, statt Charakter- oder Plot-Feinarbeit zu leisten. Und dafür, sich episodenlang in Popkultur-Referenzen von "Zurück in die Zukunft" über "Terminator" bis "Mad Max" und "Matrix" zu verjuxen, ohne am Ende doch noch bei einer Meta-Erzählung zu landen, die im Feuilleton analysiert wird. Nope. Hier regiert allein die Lust am anarchischen Gag. Für Uneingeweihte: Zwei wilde Gestalten aus der blutrünstigen Post-Apokalypse eines Computerspiels, die rabiate Killer-Amazone Tiger (Eliza Coupe) und der barbarische, eigentlich aber feinsinnige Wolf (Derek Wilson) reisen in unsere Gegenwart, um den nichtsnutzigen jungen Gamer und Hausmeister Josh (Josh Hutcherson) von seiner Bestimmung als Retter der realen Zukunft zu unterrichten: Das Spiel diente als Rekrutierungstool. Aber nur, weil Josh mit einem Joystick umgehen kann und sein Nachname Futterman ist, macht ihn das noch lange nicht zum heroischen Future-Man, im Gegenteil. Der Rest ist Chaos auf allen denkbaren oder unfreiwillig neu erschaffenen Zeit-Ebenen, zum durchgeknallten Schluss sogar im Jenseits: So detailversessen und verspielt, wie man sich einen von Seth Rogen und Evan Goldberg ("Superbad") produzierten Nerd-Exzess in Serienform vorstellen muss. Andreas Borcholte

"Central Park", Apple TV+

Zeitbudget: 13 Episoden á 25 Minuten
Für Fans von: "Bob's Burgers", "BoJack Horseman"

Rette den Park (und rette die Welt), so simpel ist die Mission von Owen Tillerman, dem herzzerreißend aufrechten, storchenbeinigen Chef-Aufseher in "Central Park": Er muss die New Yorker Relaxlunge gegen Bitsy Brandenham verteidigen, eine superreiche Möppmadame, die den Park kaufen will, um dort Luxuswohnblocks hochzuziehen. "Central Park" wurde von Loren Bouchard und Nora Smith, dem Team hinter der in den USA sehr erfolgreichen Trickserie "Bob's Burgers", zusammen mit dem Schauspieler Josh Gad erdacht, und wie die fleischklopsbratenden Belchers wächst einem auch Familie Tillerman mit ihrer ungelenken Verschusseltheit schnell ans Herz. Weil diese Familie gleichzeitig süß und etwas derb ist - etwa wenn der traurige Sohn Cole (gesprochen von Tituss Burgess, Titus Andromedon aus der Sitcom "Unbreakable Kimmy Schmidt") sagt, sein Herz sei so zerdrückt wie "Hundekacke, die sich nicht aufheben lässt". Auch die Lieder, die der gesanglich talentierte Cast zwischendurch immer wieder anstimmt, um innere Konflikte formulieren zu können, sind zwar lustig, aber nie albern, und nehmen sich selbst angenehm ernst. Das schönste Lied der ersten Staffel singt Tillerman-Tochter Molly (gesprochen von Kirsten Bell): Die Schräg-Teen-Empowermenthymne "Weirdos Make Great Superheroes". Anja Rützel

Ob sich der "Tatort" am Wochenende lohnt, erfahren Sie hier.