Neue US-Serie Ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein, Supergirl!


Superheldinnen sind angesagt, der US-Sender CBS lässt nun sein "Supergirl" losfliegen. Kritiker feiern Supermans Cousine als feministische Heldin, Präsidentschaftskandidat Jeb Bush findet sie einfach "ganz schön scharf".

"Agent Carter" ist bereits seit Jahresbeginn bei ABC im Einsatz, Netflix bringt im kommenden Monat "Jessica Jones" auf den Schirm, und noch bevor "Wonder Woman" ihr Debüt auf der Kinoleinwand gibt, lässt CBS sein "Supergirl" starten - sehr zur Freude der Kritiker.

Supermans ältere Cousine, jung geblieben durch ein Zeitloch bei der Flucht von Krypton zur Erde, ist vor allem dank der hinreißend charmanten Hauptdarstellerin Melissa Benoist ein gelungener Neuzugang im amerikanischen Fernsehprogramm.

Kara Danvers, eigentlich: Kara Zor-El, lebt im Erden-Exil, seit sie 13 Jahre alt ist. Hier wurde sie von ihren Stiefeltern Eliza Danvers (die "Supergirl"-Darstellerin aus dem Film von 1984, Helen Slater) und Jeremiah Danvers (Dean Cain, der in der Serie "Lois & Clark" in den Neunzigerjahren Superman spielte) großgezogen.

Aber da die Erde "nicht noch einen Helden braucht", wie Kara sich im Schatten ihres Cousins zerknirscht eingesteht, arbeitet sie, ganz graues Mäuschen mit Brille und scheußlichen Pullovern, beim Medienkonzern CatCo in National City als Assistentin der kapriziösen Verlegerin Cat Grant (gespielt von Calista Flockhart in einer lustvollen Persiflage von Vogue-Chefin Anna Wintour).

Cat braucht indes dringend einen weiteren Helden, besser noch: eine Heldin, zur Steigerung ihrer Auflagen. Als ein Flugzeug in Not gerät (und Superman offenbar unabkömmlich ist), schlägt endlich Karas Stunde - auch wenn das Bekenntnis zu ihren Superkräften und ihrer "Mission" natürlich weitreichende und schwierige Konsequenzen hat.

"Supergirl", entwickelt und produziert von Greg Berlanti, der schon "Arrow" und "The Flash" gekonnt fürs Fernsehen zum Leben erweckt hat, ist ein schwungvolles Coming-of-Age-Stück. Es ist sich seiner Comic-Wurzeln ebenso bewusst wie der Debatte um das männlich dominierte Superhelden-Sujet. "Kaum zu glauben", sagt in der Auftaktfolge eine Kellnerin: "Ein weiblicher Superheld. Schön, dass meine Tochter zu so jemandem aufschauen kann."

Bitte kein bauchnabelfreies Heldinnenkostüm!

Aber ist "Supergirl" tatsächlich "die feministische Heldin, die das Fernsehen braucht", wie der renommierte Fernsehkritiker Ken Tucker jubelte? Eine junge Frau im engen Dress, der vor allem dazu dient, Männerfantasien zu beflügeln? Präsidentschaftskandidat Jeb Bush verkündete bereits vor der Premiere, er finde "Supergirl" "ganz schön scharf".

Eine junge Frau, deren "Stärke" im Rahmen der männlichen Begriffsfassung zum Ausdruck kommt - nämlich als nahkampferprobtes Kickass-Pinup? Eine Superheldin, die bloß die Geschichte von Superman, inklusive Brille und Medienjob, nachlebt?

"Supergirl" besticht dadurch, dass es all dies gutgelaunt thematisiert. Kara ringt still entrüstet damit, im Schatten eines Mannes zu stehen, mit dessen Schutz sie einst beauftragt war. Sie mag die supertalentierteste Frau bei CatCo - ach was: auf dem Planeten - sein, aber sie fühlt sich gehalten, den Kopf einzuziehen und sich kleinzumachen. Und als sie endlich aus ihrem Schneckenhaus hervorbricht, muss sie sich verdammt anstrengen, sexistischen Bösewichtern den Garaus zu machen.

Melissa Benoist spielt mit entwaffnender Natürlichkeit eine Superheldin, die unsicher und uncool sein darf, die sich von dem aufgeblasenen Ego des Fotografen und Superman-Kumpels James Olsen (Mehcad Brooks) hinreißen lässt und trotzdem weiß, wenn was nicht stimmt. Das bauchnabelfreie Superheldinnenkostüm, das ihr ein männlicher Bewunderer schneidert, lehnt sie mit den Worten ab: "Das würde ich nicht mal am Strand tragen". Und sie verwahrt sich auch gegen das verniedlichende "Supermädchen"-Etikett, das ausgerechnet von einer geltungssüchtigen Frau mit einem scharfen Riecher für den Publikumsgeschmack geprägt und verteidigt wird.

"Supergirl" ist in erster Linie gutgemachte Fernseh-Unterhaltung, aber auf den zweiten Blick wird hier unter dem Deckmäntelchen eines weiteren Superhelden-Stoffes ziemlich spitz zur Sprache gebracht, wie kompliziert es ist, sich als Frau in einer von maskulinen Helden und männlichen Ansprüchen geprägten Welt zu positionieren. Als nächstes steht uns am 20. November mit "Jessica Jones" womöglich die erste Anti-Heldin der Super-Protagonisten ins Haus - wir sind gespannt.

Unsere Lieblingsserien in einem Tweet

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Du kannst intelligent sein oder cool. Sei lieber intelligent.

"Zwei typische Physiker, die typische Physikerfreunde haben, wohnen im gleichen Haus wie eine typische hübsche Kellnerin."

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"Die Welt von 4 Nerds und 1 Blondine überschneiden sich. Mit viel Wortwitz und Situationskomik wird versucht diese einander nahezubringen."

Breaking Bad

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"Einer kocht nur ein Rezept und verkauft das Produkt zu einem extrem hohen Preis."

"Meth Teacher"

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"Kranker Lehrer macht blau."

"In jedem Menschen schlummert eine verdammt dunkle Seite - oder eine Heulsuse."

"Walter Heisenberg schaufelt mit Meth Geld & Leichen, und du kannst nicht weggucken..."

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Herr der Ringe mit Sex

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"Welcher ist dein Lieblingscharakter? ... Oh, das tut mir leid."

How I Met Your Mother

10 Jahre Hoffnung, Schweiß und Tränen - und dann kommt die letzte Folge, die alles zerstört.

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Twilight mit Eiern

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"Ein verrückter Mann in einer blauen Box rettet das Universum vor Daleks, Cyberman und Co. Geronimo!"

"Bei Alien Invasionen und anderen Unannehmlichkeiten, nehmen Sie schnellstens Reißaus oder halten sich an den Doctor."

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Boss - tot. Guter Freund - tot. Zuverlässiger Mitarbeiter - tot. Cousin - tot. Ziehsohn - tot. Zwischendurch fremdgehen.

"Spießige Fanatiker kaufen, vögeln, prügeln, töten und haben Angst."

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
hanfiey 27.10.2015
1.
Doch, ja, bitte ganz knapp bekleidet und super süß. So stelle ich mir eine Superheldin vor
chiefseattle 27.10.2015
2.
Oh Gott! Aber die Amerikaner brauchen ja jede Menge Placebos.
rainerseiferth 27.10.2015
3.
Meinetwegen kann es bergeweise Supergirls vom Himmel regnen. Je mehr desto lieber. Nicht nur wegen meiner vermeintlichen „Männerphantasien“ sonder ganz einfach weil’s längst überfällig ist. Wenn jetzt schon die Auguren darüber spekulieren, ob der nächste James Bond ein Schwarzer werden soll, dann würde ich doch gleich einen Schritt weiter gehen, und als nächstes eine Jessica Bond ins Rennen gegen das Böse schicken. Und wenn sie sich dann mit ein paar knackigen Bond-Boys amüsiert ist mir das auch recht.
tetaro 27.10.2015
4.
Oje, wenigstens die 10 jährigen werden sich freuen....
sehichanders 27.10.2015
5.
Warum muss denn alles mit Feminismus in Verbindung gebracht werden? Reicht es nicht, sich einfach zurückzulehnen und eine Serie zu genießen?
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