ARD-Pläne für Jugend-TV Welchen Kanal nehmen wir denn nun?

Süßer Vogel Jugend, wie fangen wir dich? So fragt man sich wohl bei der ARD. Die Antwort: Ein Jugendsender muss her. Doch soll ein anderer Kanal dazu umgebaut werden? Oder ein neuer gegründet werden? Klar ist: Gegen weitere öffentlich-rechtliche Digitalangebote ist Widerstand programmiert.

MDR-Landesfunkhaus Thüringen in Erfurt: Gibt's bald auch einen Jugendkanal?
dapd

MDR-Landesfunkhaus Thüringen in Erfurt: Gibt's bald auch einen Jugendkanal?


Hamburg/Leipzig - Die öffentlich-rechtlichen Sender und die Jugend - zwei Lebenswelten, die oft wenig miteinander zu tun haben. In der Hoffnung, jüngere Zuschauer zu erreichen, werben ARD und ZDF zwar Moderatoren wie Matthias Opdenhövel oder Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf von den Privaten ab. Was das neue Personal dann aber wo senden soll, bleibt oft genug fraglich.

Am Montag wagte ausgerechnet der als besonders bieder geltende Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) einen Vorstoß in die unerschlossenen Gefilde der jüngeren Jahrgänge. Man beabsichtige, für die ARD einen trimedialen Jugendkanal zu entwickeln, ließ MDR-Intendantin Karola Wille laut "Handelsblatt" verlauten: "Wir wollen den Privaten nicht das junge Publikum überlassen. Ein Jugendkanal könnte ein Weg sein, die Lücke zwischen Kinderkanal und unseren anderen Kanälen zu schließen".

Tags darauf stellt nun MDR-Sprecher Walter Kehr klar: "Wir planen nicht, einen eigenen Jugendkanal für die ARD zu entwickeln, sondern unterstützen das Vorhaben des SWR-Intendanten Peter Boudgoust, den Digitalsender EinsPlus umzubauen".

Beim SWR meint man aber wiederum, dass die ARD einen Jugendkanal nur in Zusammenarbeit mit dem ZDF gründen sollte. Das sagte der Sprecher des in dieser Frage federführenden SWR, Wolfgang Utz, am Dienstag: "Es ist nur machbar mit dem ZDF." Nach seinen Angaben würde ein Jugendkanal nicht zusätzlich geschaffen, sondern anstelle eines der vorhandenen Digitalkanäle.

Der SWR hat den ARD-Digitalkanal EinsPlus bereits auf junge Zuschauer ausgerichtet; seit Anfang Mai gibt es dort ein "Entwicklungslabor" mit neuen Formaten. Was den SWR-Verantwortlichen aber offenbar nicht ausreicht. "Das kann kein Ersatz für einen Jugendkanal sein", betonte Utz. Welcher Digitalsender aber zum Jugendkanal umgebaut würde, sei offen.

Ob nun ein neuer Kanal oder ein umgebauter, ob EinsPlus oder ein anderer: Die Pläne fallen in eine Zeit, da von unterschiedlichen politischen Seiten die Forderung kommt, das Programmangebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten einzuschränken. Die sächsische Staatskanzlei etwa fordert seit längerem von ARD und ZDF, ihre sechs Digitalkanäle wieder einzustellen. Und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte sich in der vergangenen Woche zumindest für den Verzicht auf einzelne Kanäle ausgesprochen.

tdo/dapd

Mehr zum Thema


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Peter Werner 26.06.2012
1.
Alleine die Schmalzfabrik degeto besitzt gemäß des aktuellen SPIEGEL ein Jahresbudget von unglaublichen 400 Millionen €. Dies sind 400 Millionen € für Bergdoktoren, Liebesschnulzen und Pferdedramen. Gerne auch in Kombination. Es sollte doch einfach sein, diese 400 Millionen auf 200 Millionen zusamen zu streichen, hiervon ein paar hochwertige (US-)Serien einzukaufen und zu guten Sendezeiten auszustrahlen. Eigenproduktionen der ARD würden doch nur wieder in den üblichen, politisch korrekten Schmalz ausarten.
bristolbay 26.06.2012
2. Digital
Zitat von sysopdapdSüßer Vogel Jugend, wie fangen wir dich? So fragt man sich wohl bei der ARD. Die Antwort: Ein Jugendsender muss her. Doch soll ein anderer Kanal dazu umgebaut werden? Oder ein neuer gegründet werden? Klar ist: Gegen weitere öffentlich-rechtliche Digital-Angebote ist Widerstand programmiert. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,841015,00.html
Seit ich digitales TV empfange sehe ich fast täglich bei den 3 Digisendern von ARD und ZDF rein. Obwohl jenseits von 60, diese Formate dort machen Spaß, egal ob EinsPlus oder oder. Hier gibt es das "andere" TV. Schaut mal öfters rein.
meistro 26.06.2012
3. Angst fressen Seelen auf...
Nichts ist umsonst! Das die ÖRRs so viel Geld bald mehr ausgeben können, weil der Staat ihnen so viel mehr Geld gibt, dass der wiederum seinen Bürgern abpresst, wundert nicht. Wer die Macht über die Glotze quasi hinterhergeworfen bekommt, der nutzt diese auch aus. Sie wollen Herrscher über alles sein, damit sie nicht, wie in Grossbritanien, Angst haben müssen(die Politiker) vor einem Verleger. Zur Anmerkung: Nur die Angst vor dem Verleger Murdoch hat den so mächtig gemacht, nicht ware Macht. Unsere Politik zwingt uns das teuerste Fernsehen der Welt auf, weil es Angst vor Verlegern und somit vor sich selbst hat. Auch deshalb hält sich die SPD Verlage, damit sie in einem besseren Licht erscheinen, die SPD. So geht es weiter und weiter, bis uns der ganze Kram nicht mehr €8 000 000 000 kostet, sondern irgendwann €10 Milliarden und so weiter und so fort..........................Ängste fressen Gelder auf!
pompadour45 26.06.2012
4.
Bis jetzt wird noch niemand gezwungen irgendwelche Schmonzetten oder schaurige Serien zu schauen, die es nun wirklich auf allen Programmen gibt. Was mich wirklich stört, das keine guten englischen oder französischen Filme mehr gezeigt werden (ev. im Nachtprogramm). Noch eine Frage an "meistro": Leiden Sie unter Verfolgungswahn?
Newspeak 27.06.2012
5. ...
Es ist nicht die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen für jede Sparte einen extra Kanal zu gründen und damit den Apparat weiter aufzublähen. Es wäre viel einfacher den ganzen Schund aus dem Programm zu werfen. Dann gäbe es Platz für andere Formate. Warum gibt es allein bei der ARD zig Telenovelas und sonstige Soaps, warum zig Krimiformate im Vorabendprogramm, warum zig Volksmusiksendungen? Wenn man Nachrichten sehen will, muß man Phoenix einschalten, wenn man Dokus sehen will 3Sat, wenn man sonstige Kultur sehen will Arte, wenn man Theater sehen will einen der Digitalkanäle. Dabei hatte die ARD alle diese Formate und mehr früher in ihrem ersten Sendeprogramm. Da gab es z.B. mal ein Format wie "Formel Eins", das auf Jugendliche zugeschnitten war. Da gab es sowas wie "Das kleine Fernsehspiel" etc. Fakt ist, ARD und ZDF erfüllen einfach ihren Auftrag nicht mehr. Es wird trotz Gebührengeldern geworben und nach der Quote geschaut. Entweder man schafft daher die Gebühren voll ab, oder man richtet sich nach dem eigentlichen Kernauftrag, wofür man die Gebühren bekommt, nämlich das Fernsehen damit zu produzieren und zu senden, das andere, die sich durch Werbung finanzieren, nicht können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.