ARD-Anstalten im Südwesten SWR-Intendant Gniffke sieht »zwei Sender, die füreinander bestimmt sind«

Eine Kooperation, so eng, dass sie an eine Senderfusion erinnert, schlägt der Intendant des Südwestrundfunks dem Saarländischen Rundfunk vor. Der scheidende SR-Intendant weist das umgehend zurück.
SWR-Intendant Kai Gniffke

SWR-Intendant Kai Gniffke

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Christoph Schmidt / dpa

Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Kai Gniffke, hat sich für eine weitgehende Zusammenarbeit seines Senders mit dem benachbarten Saarländischen Rundfunk (SR) ausgesprochen. »Wir können sehr viel intensiver miteinander kooperieren«, sagte Gniffke über die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten in einem Interview  des Branchendienstes »DWDL«.

Der scheidende SR-Intendant Thomas Kleist lehnte den Vorstoß umgehend ab. »Ich weise die Überlegungen meines SWR-Kollegen entschieden zurück«, sagte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: »Kooperation hört dort auf, wo die Souveränität der Landesrundfunkanstalt angetastet wird.«

SWR-Intendant Gniffke sagte über die beiden ARD-Anstalten: »Ich sehe zwei Sender, die füreinander bestimmt sind.« In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei er überzeugt, »dass es Zeit wird, Dinge zu denken, die bisher unvorstellbar gewesen wären«. Mit Kleist habe er informell darüber gesprochen, sagte Gniffke.

Denkbar seien senderübergreifende Strukturen zwischen SWR und SR auf der Ebene der Direktionen. Dies könne sich etwa auf Produktion und Verwaltung beziehen. Auch in der gemeinsamen Werbevermarktung lägen erhebliche Potenziale. Gniffke betonte, dass dabei auch der SWR zu Zugeständnissen bereit sei: »Wenn wir mit dem SR über so was reden würden, dann wären es Gespräche auf Augenhöhe. Dann darf es auch keine Tabus geben.«

SR-Intendant Kleist entgegnete: »Der SR wird weder Direktionen zur Disposition stellen, noch Strukturen des SWR übernehmen.« Die Eigenständigkeit aller Landesrundfunkanstalten beruhe eben nicht nur auf der Programmautonomie, sondern auch auf gut funktionierenden, eigenen Strukturen. Vor allem der SR habe weitere Kooperationen immer wieder vorangetrieben. Diese hätten dann Aussicht auf Erfolg, »wenn sie im gegenseitigen Einvernehmen und zu beiderseitigem Nutzen erfolgen«.

Zu einer vollständigen Fusion der zwei Anstalten äußerte sich Gniffke zurückhaltend. Der SWR kenne aus seiner Geschichte die Mühen einer Fusion. Er entstand Ende der Neunzigerjahre aus einem Zusammenschluss. »Das heißt nicht, dass ich für immer und ewig eine Fusion ausschließen würde, aber ich weiß wie schwer sie sind und wie viele Jahre sie dauern«, sagte der SWR-Intendant. Auch die Programmautonomie solle nicht angetastet werden – für eine klare Identität der Bundesländer.

Der SR steht gerade vor einem Wechsel an der Spitze. Intendant Kleist tritt auf eigenen Wunsch im April vorzeitig ab. Die Nachfolge steht noch nicht fest. Die Vorbereitungen zur Wahl laufen: Die Bewerbungsfrist der öffentlichen Ausschreibung läuft an diesem Samstag aus. Die Wahl im Rundfunkrat ist für den 23. Februar geplant.

feb/dpa
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