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Neues Studio der "Tagesschau": Imposant wie ein Lkw

Foto: NDR/Thorsten Jander

Neues "Tagesschau"-Studio Taa, taa, ta-ta-ta ... tja

Jan Hofer ist da, altvertraut. Doch er wirkt klein neben einer mächtigen Medienwand, auf der die Welt mitten ins Studio zu rücken scheint - ein eindrucksvoller Effekt der neuen "Tagesschau" auf Smartphone wie gigantischem Flachbildschirm. Der Eingangsfanfare dagegen fehlt jetzt das Triumphalische.

Schon der einläutende Gong klingt anders, irgendwie fernöstlich. Gut so. Wer das Design der "Tagesschau" verändert, der verändert auch die Inneneinrichtung von Millionen Wohnzimmern in Deutschland. Da kann ein wenig Feng-Shui nicht schaden.

Der Gong hallt noch nach, schon spricht eine ebenfalls neue Stimme eher streng den klassischen Satz: "Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der 'Tagesschau'." Es könnte, wie angekündigt, die Stimme von Angelina Jolie sein, aber auch die von Asia Argento, Jennifer Connelly oder Rachel Weisz - oder wen die Schauspielerin Claudia Urbschat-Mingues sonst noch alles synchronisiert hat. Und dann? Taa, taa, ta-ta-ta-taaa? Vorbei, verweht. Die von Henning Lohner neu arrangierten Fanfare spielt nun eher ins Melancholische, Elegische. Taa, taa, ta-ta-ta… tja.

Während man diese aufregenden Eindrücke noch verarbeitet, kommt sie ins Bild, die abgefahrene "Medienwand" direkt aus der Zukunft, so imposant wie einer dieser Lkw, auf deren Heck der Aufkleber prangt: "Meiner ist 18 Meter lang." Darauf ist schon in der Eröffnungssequenz genug Platz für vier Themen gleichzeitig, unter denen vor allem das Gesicht einer verzweifelten Mutter aus Südkorea mehr ins Auge springt, als man das bei ähnlichen Nachrichten gewohnt wäre. Das muss die berühmte "Emotionalisierung" der "Tagesschau" sein, von der so viel die Rede war.

Bewegte Fototapete statt wie Poster begrenzte Symbolbilder

Immerhin ist da noch Jan Hofer. Der echte Jan Hofer, kein Hologramm, und er sagt tatsächlich: "Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur 'Tagesschau'." Neben ihm steht da schon ein ostukrainischer Separatist in Flecktarn, mit Sturmhaube sowie Maschinengewehr, und man ahnt: Es wird bei der Größe der Bilder künftig kein Leichtes, Motive zu finden, die den Sprecher nicht durch ihre schiere Präsenz erschlagen. Aus den räumlich wie Poster begrenzten Symbolbildern früherer Zeiten ist nun eine Fototapete geworden, die sich - in den Einspielern - dann sogar noch zu bewegen beginnt.

Zwar ist bei den Filmen der Korrespondenten bis auf die etwas informell wirkende Schrifttype bei den schick semitransparenten Ortsmarken alles beim Alten geblieben. Der entscheidende Effekt besteht aber wohl darin, dass durch die raum- und bildfüllenden Ausmaße der Bilder die Welt sozusagen schon mit einem Fuß im Studio steht. Eine Neuerung, die sowohl auf dem Smartphone des eiligen Mobilnutzers als auch auf dem gigantischen Flachbildschirm im heimischen Wohnzimmer ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Besonders deutlich wurde das bei der Nachricht vom Lawinenunglück am Mount Everest. Hinter Jan Hofer erhob sich nicht nur der Berg, sondern scheinbar das komplette Bergmassiv. Nicht nötig gewesen wäre der nun permanent links unten eingeblendete "Tagesschau"-Button. Mit "RTL aktuell" kann man sie schon nicht verwechseln.

Das Wetter bleibt, wie es ist

Zahlen werden in warm abgestuften, trendigen Herbsttönen dargestellt. Das gilt für die Punkte in der Bundesliga ebenso wie für die Lottozahlen und die Temperaturen von morgen. Zuletzt wurden dann die Nachrichten noch einmal zur Nachricht: "Das war die erste 'Tagesschau' aus unserem neuen Studio." Wer "mehr zu seinen technischen Möglichkeiten" wissen will, der muss halt leider ins Internet gehen. Bleibt also noch Luft nach oben und spannend, wann die "Tagesschau" dann vielleicht mal richtig aufdreht. Wohltuend übrigens das abschließende Wetter. Es bleibt unverändert.

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