Kritik an Putin-Meldung der "Tagesschau" "Man muss uns schon eine Menge Verbohrtheit unterstellen"

Wladimir Putin sitzt in Brisbane allein an einem Tisch. So ist es in der "Tagesschau" vom Samstag zu sehen. Ist er isoliert? Ja, sagt die ARD. Alles nur gestellt, kritisiert Medienblogger Stefan Niggemeier.
Putin in Brisbane (nicht beim Barbecue): "Einsam und verlassen"?

Putin in Brisbane (nicht beim Barbecue): "Einsam und verlassen"?

Foto: ALAIN JOCARD/ AFP

Hamburg - Als die ARD am Sonntagabend das Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausstrahlte, löste dies eine Welle der Empörung auf Twitter aus. Es seien kaum kritische Fragen gestellt worden, Interviewer Hubert Seipel habe nicht genug nachgehakt, monierten die User. "Russisches Propaganda-TV" hieß es und eine Nutzerin schrieb, sie und die ARD würden nun getrennte Wege gehen. Doch nun steht der Sender auch noch wegen einer zweiten Veröffentlichung zu Putin in der Kritik.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat in seinem Blog darauf aufmerksam gemacht.  Es geht um die "Tagesschau" vom vergangenen Samstag. In einem Bericht über den G20-Gipfel in Moskau werden Bilder von Putin gezeigt. Der russische Präsident sitzt da an einem runden Tisch, zwei Plätze links und zwei Plätze rechts von ihm sind unbesetzt. "Tagesschau"-Korrespondent Philipp Abresch textete, Putin sei beim Barbecue "einsam und verlassen".

Doch so einsam sei Putin laut Niggemeier, der sich Videomaterial von Reuters zu dem Barbecue angesehen hat, nicht gewesen. Denn Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff saß noch mit an dem Tisch, allerdings wird sie auf den "Tagesschau"-Bildern von einem Kellner verdeckt. Niggemeier postet zudem Screenshots, die die Anwesenheit Rousseffs belegen. Darunter schreibt er: "Merke: Man sieht, was man will".

Nun hat sich die ARD zu den Vorwürfen geäußert.  Der Erste Chefredakteur von "ARD-aktuell", Kai Gniffke, verteidigt den "Tagesschau"-Korrespondenten auf dem Blog der Nachrichtensendung mit den Worten: "Nun weiß ich nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie auf einer Party am 8er-Tisch sitzen und links und rechts neben Ihnen jeweils drei bzw. zwei Stühle frei bleiben. Ich nenne das einsam und verlassen. Ob mit oder ohne Rousseff, mit oder ohne Kellner, das Bild erzählt genau diese Geschichte: Putin ist isoliert." Gniffke stehe "hundertprozentig" hinter der Formulierung.

Zudem wirft er Kritikern vor: "Man muss uns schon eine Menge Verbohrtheit unterstellen, um zu glauben, dass wir exakt warten, bis der Kellner Frau Rousseff Wasser nachschenkt, damit man die Brasilianerin nicht sieht." Putin sei auf dem Gipfel isoliert gewesen.

kha
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