Wahlkampf bei Jauch Die Frau, die Angela Merkel besiegen kann

Ist Angela Merkel zu schlagen? Hat Peer Steinbrück überhaupt noch eine Chance? Ja, nein, vielleicht? Kann man noch nicht wissen? Kann man aber doch! Bei Günther Jauch wurde heiter der Wahlkampf eröffnet.
Talkmaster Jauch: Hut ab

Talkmaster Jauch: Hut ab

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Am ersten echten Frühlingstag kommt diese Frage gerade recht: "Ist Angela Merkel noch zu schlagen?" Ernsthaft, Günther Jauch? Bis zur Wahl sind es noch gute fünf Monate, es könnten Fluten zuschlagen und Kriege verhindert werden, vom Schicksal des Euro, Europas und der Weltwirtschaft mal ganz zu schweigen, abgesehen davon ist jetzt erst mal Frühling, dann kommt der Sommer, und dann sehen wir schon, kurz: Es gibt auf diese Frage längst noch keine Antwort, wissen doch alle.

Dann wieder: Hut ab. Ein perfektes Thema also genau für diese Talksendung. Erstens erwartet kein Mensch, dass am Ende der Gesprächsveranstaltung tatsächlich eine sinnvolle Antwort steht, geht es doch allein darum, zur Leitfrage etwas zu meinen zu haben. Und dieser Umstand trifft zweitens glücklich auf den Moderationsstil des Gastgebers: Das Thema "Bald ist Wahl" kann einer wie Günther Jauch notfalls auch ohne lästige Vorbereitung ansatzlos wegmoderieren.

Beste Voraussetzungen also für eine gelungene Ausgabe, spannend zumal, hat doch erst vor wenigen Stunden der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vor versammelten Genossen (und später via Facebook) erklärt: "Ich will Kanzler unserer Bundesrepublik Deutschland werden, weil ich mit Euch gemeinsam unser Land wieder ins Lot bringen will." So ein Satz weckt freilich Begeisterung. Dazu passt, was Klaus Wowereit vom SPD-Parteitag zu berichten weiß: Die Wahlkämpfer befänden sich in einem breiten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. So reden Sozialdemokraten, um Merkels persönliche Umfragemehrheit von zwei Dritteln abzubauen.

Sie haben es aber auch nicht leicht gegen die beliebte Regierungschefin. Als "authentisch" preist die Amtsinhaberin ihr treuer Minister Peter Altmaier, als Frau der Mitte, der es um Lösungen geht, nicht um Ideologien. Und der SPD-Wahlkampfberater Frank Stauss hat beobachtet: Merkels Ruhe und bedächtige Art "flößt Vertrauen aus".

Es bleibt nichts hängen

Die SPD leidet schwer darunter. Die Sozialdemokraten können nur darauf hoffen, dass es so kommt, wie die junge Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger von den Grünen sagt, dass es am Ende auf konkrete Inhalte ankommen wird, auf die Frauenpolitik, die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften, auf den Mindestlohn, die Energiewende und den Klimaschutz. Aber danach sieht es nicht aus.

Zuerst muss lange und ausführlich über die Urlaubsfotos von Angela Merkel geredet werden und über die Fragen, ob diese gemacht, veröffentlicht oder verhindert hätten werden sollen. Und ob solche Bilder, die Merkel als völlig normale Frau in einem völlig normalen Urlaub zeigen, ihr im Wahlkampf helfen? Selbstverständlich helfen ihr diese unpolitischen Fotos. Sie tun es auch jetzt wieder, denn solange über sie geredet wird, wird nicht über die Politik der schwarz-gelben Regierung geredet. Zur Entpolitisierung des Gesprächs über die Kandidatin trägt auch Nikolaus Blome bei, stellvertretender Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Er sagt, wenn man einer politischen Person persönlich begegne, dann merke man, wie diese tickt, daran, wie sie lacht: "Und Angela Merkel kann außerordentlich ansteckend lachen." Sie teile die Leute ein in solche, mit denen man gut lachen könne, und solche, mit denen das nicht geht. Ein Fun Fact, der gute Laune bereitet.

Klaus Wowereit hat ebenfalls eine lustige Bemerkung über Merkel parat, Peer Steinbrück habe da just heute etwas gesagt, "das mag vielleicht auch ein bisschen Polemik gewesen sein, aber im Prinzip trifft es den Kern", jedenfalls: Die Kanzlerin hebe ihren Finger nicht, um die Richtung zu weisen, sondern um zu testen, wohin der Wind weht. Blome entdeckt in Merkels Zaudern Ehrenhaftes: Für sie gebe es nichts Schlimmeres, als eine Ankündigung nicht einhalten zu können. Vielleicht ist es sogar so, wie Peter Altmaier verstanden werden kann, dass Merkel manchmal nur deshalb so zurückhaltend wirkt, weil sie "Menschen und Familien nicht enttäuschen will". Ständig, merkt er später an, sei Merkel damit beschäftigt, die politischen Folgen ihres Handelns zu erwägen. Der SPD-Berater Stauss wundert sich: Erstaunlich, seit acht Jahren regiert uns diese Frau, aber wir wissen nicht, was Angela Merkel will. Es bleibt nichts hängen.

Schlagen kann Merkel nur Merkel selbst

Anders bei Peer Steinbrück. Von seinem schlechten Start als Kanzlerkandidat hat er sich nie richtig erholt, immer wieder kommen diese alten Geschichten hoch, auch Klaus Wowereit kennt eine: "Die Vortragstätigkeit haftet ihm an. Das muss er beseitigen. Das ist ein schwerer Punkt, und der wird immer wieder erwähnt." Stimmt, gerade eben zum Beispiel vom lieben Genossen Klaus, der dann aber doch noch zum Wahlkampf gegen die Kanzlerin ansetzt: Merkel habe den Deutschen nie Härten zumuten müssen, sagt Wowereit, aber jetzt drohten Ungleichverteilung und Altersarmut, und die SPD versuche, Antworten zu geben in ihrem heute beschlossenen Programm. Applaus.

Doch ob das reicht gegen eine Kanzlerin, die nicht viel anderes tun muss als mit zur Raute zusammengelegten Fingern Risikoabwägung zu betreiben? Fast möchte man die Ausgangsfrage der Sendung schon mit einem klaren "Nein" beantworten, Merkel ist zurzeit nicht zu schlagen, da zieht Günther Jauch die Titelseite einer "Bild"-Zeitung unter dem Beistelltischchen hervor, es ist eine fiktive Ausgabe: "Auf dem Höhepunkt der Macht: Merkel geht", lautet die Schlagzeile, gebastelt aufgrund einer Prognose des "Bild"-Chefs: Merkel tritt zwei Jahre nach ihrer Wiederwahl zurück, um der CDU eine Möglichkeit zu geben, ihre Nachfolgerin oder ihren Nachfolger aufzubauen. Altmaier will davon nichts hören, so richtig dementieren kann er aber auch nicht.

Aber jetzt ist die Frage nun mal in der Welt: Will Angela Merkel nun für vier weitere Jahre gewählt werden - oder doch nur für zwei? Würde sie mit einem Rücktritt nicht die Menschen enttäuschen? Und die Familien? Und den Euro? Und überhaupt? Doch, die Kanzlerin ist zu schlagen. Von sich selbst.

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