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16. Dezember 2016, 15:57 Uhr

Frankfurt-"Tatort" über Big Data

Cyberwar am Jägerzaun

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Das Eigenheim als Computerfestung: Nach den Stuttgarter und den Bremer Kollegen erleben auch die Frankfurter "Tatort"-Ermittler Fluch und Segen der Digitalisierung. Herrlich.

Kommissare und Technik, das ist im "Tatort" keine Liebesbeziehung. In dieser Episode sieht man Paul Brix (Wolfram Koch) am Anfang an einem alten Kassettenrekorder rumschrauben, irgendwann leiert das Ding die R.E.M.-Kamelle "Losing My Religion" ab. Ach, hätte er doch das Schrauben gelassen.

Später steht der Ermittler vor der High-End-Anlage im Apartment eines verdächtigen Start-up-Unternehmers, die Boxen sehen aus wie kompliziertes militärisches Überwachungsgerät. Als die Musik erklingt, scheint Brix zu schweben.

Analog-Oldies auf digitaler Entdeckungstour: Der ARD-Klassiker bricht zu neuen Horizonten auf. Erst wurden die Stuttgarter "Tatort"-Kommissare mit ihren klapprigen Klapphandys in ein Big-Data-Überwachungsszenario getrieben, dann sah sich die Bremer Realo-Ermittlerin Lürsen zu philosophischen Exkursen über das richtige analoge Leben im falschen digitalen gezwungen. Jetzt geht es um Smart Houses und Safe Rooms in der Vorstadt.

Paranoia regiert

Im idyllischen Wendehammer einer Frankfurter Siedlung wohnt der IT-Spezialist Nils Engels (Jan Krauter). Sein Haus ist mit Elektrozäunen gesichert, im Wohnzimmer stapeln sich die Überwachungsbildschirme, in der Kühltruhe ruhen schockgefrostete Hunde und Katzen aus der Umgebung. Engels hat Angst, dass eine Firma namens Massive Data aus Kalifornien seinen Algorithmus klauen will. Kinder, Nachbarn, Haustiere, in allen sieht er potenzielle Gefährder.

Selbst der Laubbläser der Nachbarn wird bei einem wie Engels zum Bedrohungsszenario, Paranoia regiert. Ein bisschen erinnert dieser Software-Wüterich an die vielen Wutbürger, die via Facebook und Twitter ihre Überforderung durch und ihr Unbehagen über die digitale Gegenwart digital verstärken und rausblasen.

Doch im Gegensatz zu den beiden anderen "Tatorten" über künstliche Intelligenz und menschliche Überforderung schlägt der Frankfurter "Tatort" einen heiteren Ton an. Wie einst der französische Humorist Jacques Tati in seiner Zukunftskomödie "Playtime" stapfen Brix und seine Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) durch einen retrofuturistisch anmutenden, erratisch blinkenden Hindernisparcours.

Regisseur Markus Imboden, von dem zuletzt ein verstörend schöner "Tatort" über einen erweiterten Suizid zu sehen gewesen war, erzählt von den analogen Katastrophen im digitalen Leben mit Blick für die kleinen Details. Kameramann Martin Langer ("Im Labyrinth des Schweigens") findet melancholische Bilder für die technische Überforderung der Figuren.

Da kann es schon mal eine schwierige Rettungsaktion werden, die Hummel aus dem Fenster zu lenken, während unerwartet gleich ein ganzer Schwarm Tauben in die gute Stube fliegt. Hitchcocks "Vögel" lassen grüßen. Der Mensch bleibt angreifbar, dem elektronisch aufgepumpten Ego geht schnell die Luft aus.

Als Kommentar zu Datensammelwut und künstlicher Intelligenz bleibt "Wendehammer" (Drehbuch: Stephan Brüggenthies und Andrea Heller) recht dünn. Aber als Komödie über das Geworfensein des Menschen in die digitale Welt versprüht dieser "Tatort" enormen visuellen Witz.

Bewertung: 8 von 10 Punkten


"Tatort: Wendehammer", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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