Gottgefälliger Nonnen-»Tatort« Das Kloster der tausend Kleinstsünden

Batic träumt von einer Nonne mit Lederpeitsche, die Schwestern tricksen sich mit Kräutertee durch die Krise: Dieser Kloster-»Tatort« aus Bayern kommt trotz pikanter Passagen ein bissel zu brav daher.
Batic (Miroslav Nemec, l.), Leitmayr und Nonne: Gift im Nachttrunk?

Batic (Miroslav Nemec, l.), Leitmayr und Nonne: Gift im Nachttrunk?

Foto: Hendrik Heiden / BR

Ach, der gute alte Katholizismus. Weihrauchschwaden, inniglich vorgetragene Litaneien und aufreizende Jesus-Darstellungen versetzen den zartbesaiteten Sünder schnell in einen Rauschzustand. In diesem »Tatort« ist es Ivo Batic (Miroslav Nemec), der in einen römisch-katholischen Fiebertraum verfällt.

Der Kommissar irrt in zwei Sequenzen des Krimis durch die Gänge eines Klosters, von überall hallen Schreie her, die von der Lust oder dem Schmerz oder von beidem herrühren könnten. Dann erblickt er eine Nonne ohne Gesicht, die sich vor dem blutenden Heiland mit einer Lederpeitsche geißelt. Was das Unterbewusstsein da bei Batic an Frömmigkeit und Begehren vermischt, wollen wir hier mal lieber nicht analysieren.

Szene aus Kloster-»Tatort«: Milder Blick in den Klosteralltag

Szene aus Kloster-»Tatort«: Milder Blick in den Klosteralltag

Foto: Hendrik Heiden / BR

Auslöser für den Traum war jedenfalls dieser obskure Kräutertee, den die Nonnen eines Klosters dem Ermittler vor dem Schlafengehen serviert haben. Batic ist mit dem Kollegen Leitmayr (Udo Wachtveitl) in die Ordensgemeinschaft im Voralpenland gekommen, weil der Wirtschaftsprüfer der Schwestern vergiftet in einem in München angekommenen Zug aufgefunden wurde. Gestorben ist das Opfer durch ein Gewächs namens gefleckter Schierling, das auch in dem Garten des Klosters wächst, aus dessen Kräutern die Nonnen jenen Tee zubereiten, der Batics schmutzige Fantasien befeuerte. Hat dem Kommissar da jemand was Giftiges in den Nachttrunk gemischt?

Arg gebremste Kirchenkritik

Das ist leider auch schon die einzige fesselnde Frage in diesem »Tatort«, der ein bisschen unentschieden zwischen sehr gedrosselter Nunsploitation  und arg gebremster Kirchenkritik seiner Auflösung entgegenschnurrt.

Dabei stammt das Drehbuch von Alex Buresch und Matthias Pacht, die ein paar der schillerndsten Sonntagskrimis aus dem südlichen Raum verfasst haben. Etwa den sehnsüchtigen Münchner »Tatort«, der die Ermittler in die Surferszene führte, oder den Matthias-Brandt-»Polizeiruf«, in dem der Kommissar schwer sediert und am Tropf angeschlossen in einem Krankenhaus recherchierte. Das war Kritik am Gesundheitssystem in Form eines psychedelischen Trips. Der Klosterkrimi bleibt dahinter weit zurück.

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Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Thomas Kost / WDR

Es gibt ein paar starke lebensweltliche Szenen aus dem Konvent, etwa wenn die Schwestern unter Leitung der Priorin (Corinna Harfouch) ein Totenoffizium anstimmen. Oder wenn die Kommissare langsam dahinterkommen, wie die Nonnen mit einigen Tricks die Kirchenführung dazu bringen wollen, ihr eigentlich personell unterbesetztes Kloster nicht zu schließen. Der Vatikan hat schon eine Abordnung von »Wissenschaftlern« geschickt, die prüfen sollen, ob die Madonna im Kloster tatsächlich blutige Tränen weint, so wie die Nonnen das behaupten, um ihrer vor der Abwicklung stehenden Gemeinschaft ein bisschen positive Publicity zu verschaffen.

Aber die Inszenierung (Regie: Maris Pfeiffer) bleibt einfach zu brav. Das Spiel mit der Nonnen-Exploitation, wie man sie aus italienischen Krachern im Stile von »Das Kloster der 1000 Todsünden«  kennt, ist zu unverfänglich angedeutet, und die Selbsterhaltungsmaßnahmen einer Glaubensgemeinschaft, der die Gläubigen davon rennen, hätten noch böser dargestellt werden können.

Ein wenig mehr robuste Action in »1000 Todsünden«-Machart und ein bisschen weniger gottgefälliger Klosterschmonzes à la »Um Himmels Willen« hätte dieser Religionsschnurre ganz gutgetan.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

»Tatort: Wunder gibt es immer wieder«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste