ARD-Sonntagskrimi Der Münster-"Tatort"  im Schnellcheck

Ein Joint, und die Kunst ist dein Freund: Die "Tatort"-Ermittler aus Münster tauchen in die Ausstellung "Skulptur Projekte" ein. Ist das jetzt Kunst? Nun ja.

WDR/ Wolfgang Ennenbach

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Das Szenario:

Kunst und Mord im öffentlichen Raum. In Münster findet nach zehn Jahren wieder die Schau "Skulptur Projekte" statt, und ein kunstaffiner Krimineller nutzt die Chance, um in den Ausstellungsstücken Leichen zu verstecken. Moralische Botschaft und kultureller Subtext inklusive. Schöngeist Boerne (Jan Josef Liefers) läuft zu Hochtouren auf, Dosenbiertrinker Thiel (Axel Prahl) geht das bedeutungsschwangere Chi-Chi der Kunstwelt auf die Nerven - zumal sein Vater auch noch kiffend bei den Kunstaffen mitzumischen versucht. Am Ende, so viel darf verraten werden, werden die beiden streitenden Ermittler mithilfe eines billigen Spezialeffekts in einen Koffer eingesperrt, und der reale Konzeptkünstler Christian Jankowski fragt in die Kamera: "Und, war das jetzt Kunst?"

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Nabelschau des Kunstbetriebs? Kritik am Kommerz der Branche? Reflexion über das schöpferische Ich? Alle möglichen ins Gesellschaftlichen ragenden Aspekt des Stoffes wurden aus dem fertigen "Tatort" gefegt. Wäre ja auch noch schöner, wenn sich die Spaßarbeiter Thiel und Boerne hier von der Kunst ins Kunsthandwerk pfuschen lassen müssten.

Der erbauliche Einblick:

Auf der Suche nach der nächsten Leiche öffnen die Polizisten auch eine riesige billardartige Skulptur in einem Park - und finden darin Thiels Vater mit einem riesigen Joint. Wieviel Geborgenheit so ein mit Rauchschwaden gefülltes Kunstwerk doch vermitteln kann. Wie im Mutterleib. Nur mit THC-Zufuhr.

Die erstaunliche Einsicht:

"Du warst das Frankie-Girl. Wenn Du bei uns warst, hast Du meine Kleider getragen." Das muss Frank Thiel von der Kuratorin der "Skulptur Projekte" erfahren, mit der er als Kind immer in der Hippiekommune abhing. Hat das rustikale Quadratmännchen tief drinnen doch eine feminine Seite?

Der Plausibilitätsfaktor:

Mh, äh, nun ja. Nach Plausibilität fragen doch nun wirklich nur Spaßbremsen.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Ein Joint, und die Kunst ist dein Freund. Die Mitwirkung des Medienkunststars Christian Jankowski legt den Verdacht nahe, dass dieser "Tatort" mal mit anderen Ambitionen entwickelt worden ist. Das hätte eines dieser Experimente werden können, vor denen einige hochrangige ARD-Planer erst vor drei Wochen so eindringlich gewarnt haben. Ist jetzt aber doch etwas anderes rausgekommen: eine verkifft-windschiefe und sympathische Parodie auf das Genre des Kunstthrillers.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 13 Beiträge
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apropos48 19.11.2017
1. Einer muss ja den Anfang machen
Ich weiß nicht recht, wo ich den Münster-Tatort unterbringen soll ( die fehlenden Mitforisten wohl auch nicht): Komödie, Dramödie, Krimiposse oder Slapstick- Krimi. Manche hatten über Strecken bemühte Dialoge, manche waren einfach nur langweilig. Aber es finden sich auch absolut "unlustige", allenfalls hintergrundhumorige und sogar solche der heftigen, anspruchsvollen Art. Ich denke da an die Folgen " der dunkle Fleck " mit Inzestthematik und vor alle an " Höllenfahrt" mit einem genialen Mark Waschke. Bin mal gespannt auf den Kunstszenenkrimi à la 'ist das Kunst oder kann das weg', lass mich mal überraschen.
christian simons 19.11.2017
2. Weltschmerz statt Flachscherz
Ich habe heute die neuesten Kolumnen von Sibylle Berg und Georg Diez gelesen und möchte mir heute abend meine schöne Wochenenddepression nicht von so einem vergammelten Schwank aus Münster kaputt machen lassen.
bekkimal 19.11.2017
3. Endlich mal wieder ein guter Tatort
Gewitzt, raffiniert und endlich mal keine durchgeknallten Kommissare. Nach den letzten katastrophalen Tatorten mal wieder ein Genuss und ein geretteter Sonntag Abend. Danke liebe Münsteraner!
karlo1952 20.11.2017
4. Wann
hören denn die überflüssigen Experimente der Tatort-Autoren endlich auf? So verkommt diese Reihe langsam aber sicher zu einer Klamauksendung. Einmal wird gegen Gespenster gekämpft. Dann in Stuttgart gegen den Stau. Und dann pinkelt Frau Kommissarin auch noch zwischen den Autos. Wollen das die Zuschauer sehen. Es wird Zeit, dass ein Sender mal wieder einen Komissar/in bringt, die ein ganz normales privates Umfeld hat. Die gibt es nämlich in der Realität auch noch.
krause.bettina 20.11.2017
5.
Zitat von karlo1952hören denn die überflüssigen Experimente der Tatort-Autoren endlich auf? So verkommt diese Reihe langsam aber sicher zu einer Klamauksendung. Einmal wird gegen Gespenster gekämpft. Dann in Stuttgart gegen den Stau. Und dann pinkelt Frau Kommissarin auch noch zwischen den Autos. Wollen das die Zuschauer sehen. Es wird Zeit, dass ein Sender mal wieder einen Komissar/in bringt, die ein ganz normales privates Umfeld hat. Die gibt es nämlich in der Realität auch noch.
Manche ZuschauerInnen sehen ganz gerne mal was Neues .. Es gibt aber mittlerweile auch fast alle älteren Tatort- Folgen auf DVD, da ersparen Sie sich 'überflüssige Experimente', wie Sie es nennen.
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