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"Tatort" mit Fellner und Eisner: Kärntner Kantholz

Foto: Helga Rader/ ORF

Österreich-"Tatort" über Forstwirtschaft Das gemeine Leben der Bäume

Schlägereien in der Schankwirtschaft, Schäferstündchen im Nadelholz: Der Österreich-"Tatort" über den tyrannischen Sohn eines Sägewerkbesitzers kommt als archaisches Alpendrama daher.

Dies ist ein "Tatort" aus der Kärntner Forstwirtschaft. Wenn hier zwei Menschen einander begehren, sagen sie zueinander: "Du riechst so gut, wie ein ganzer Wald!" Und wenn es darum geht, den Gemeinschaftsgeist des Dorfes zu beschwören, fallen Sätze, die wie aus Peter Wohllebens "Das geheime Leben der Bäume" paraphrasiert klingen: "Wenn ein Baum schwach ist, versorgt ein anderer Baum ihn mit Nährstoffen. Und warum? Ein Baum allein ist noch kein Wald. Und deshalb wird auch das schwächste Glied in der Kette unterstützt."

So ganz geht diese idealistische Analogie vom symbiotischen Wesen des Baumes hier dann aber doch nicht auf. Denn im Zentrum des Mordfalls steht der Sohn eines mächtigen Holzunternehmers, der sich egomanisch vor allen anderen im Dorf breitmachte und ihnen Nährstoffe und Sonne nahm. Das gemeine Leben der Bäume - Wohlleben zählt nicht viel in der Kärntner Forstwirtschaft.

Jetzt müssen Major Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) am Fuße des Großglockners klären, wer Hubert Tribusser, den Sohn des örtlichen Holzbarons, getötet hat. In der Brennofenasche des Sägewerks wurde ein Titan-Implantat aus seinem Schultergelenk gefunden, der Rest des Tyrannen ist offenbar mit den Baumabfällen in Rauch aufgegangen.

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"Tatort" mit Fellner und Eisner: Kärntner Kantholz

Foto: Helga Rader/ ORF

In den Gesprächen mit den Dorfbewohnern vermittelt sich Eisner und Fellner schnell das Bild eines Fieslings, der zugleich den Frauenversteher gab. Die Zulieferer der Gegend würgte er mit sadistischen Verträgen, deren Frauen umgarnte er mit moosigen Avancen. Und während sich die Damenwelt Kärntens mit glasigen Augen den schönen falschen Erinnerungen hingibt, spekulieren die Männer des Dorfes illusionslos über den möglichen Tathergang: "Der Hubert hat die Johanna gepudert, kein Wunder, dass dem Klaus die Sicherung durchbrennt."

Zwischen Schankwirtschaft und Schäferstündchen

Der Tonfall dieses "Tatort" ist sympathisch rustikal. Er ist ein Alpendrama, das klassisch die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Schlägereien in der Schankwirtschaft und Schäferstündchen im Nadelwald durchspielt. Manchmal fällt ein angesägter Baum in die Handlung, die Abhänge der Gegend werden in schönen Kamerafahrten und -flügen vermessen. Die menschlichen Abgründe legen die Filmemacher danach als Kammerspiel in klaustrophobischer Holztäfelung frei.

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Dieser "Tatort" (Buch: Agnes Pluch, Regie: Nikolaus Leytner) ist also weniger Wohlleben denn Waldrausch , es geht um handfeste Sexualität. Aber es stört am Ende doch erheblich, dass viele der Frauenfiguren schwach umrissen und trüb wie ein Wald im Nebel bleiben; sie sind fast durchgehend auf Zuspruch und Zuwendung der Männer angewiesen. Das wirkt dann nicht dem Genre des Bergdramas gemäß archaisch, sondern allenfalls anachronistisch.

Ausnahme: die Forstwirtehefrau Valli Granitzer (angenehm ambivalent gespielt von der neuen Münchner "Polizeiruf"-Ermittlerin Verena Altenberger), die das Heft des Handelns in die Hand nimmt, sich aber in den verschiedenen sich anbietenden Möglichkeiten zu verlieren droht.

Am Ende, das dürfen wir sagen, ohne zu viel zu verraten, pflanzt sie mit ihrer Tochter einen neuen Baum. Hoffentlich wird es einer dieser freundlichen Wohlleben-Bäume, die ihre Nährstoffe mit den anderen teilen.

Bewertung: 6 von 10


"Tatort: Baum fällt", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD