ARD-Sonntagskrimi Der neue Berlin-"Tatort" im Schnellcheck

Hauptstadt brutal: Im rundum erneuerten Berliner "Tatort" ermitteln Meret Becker und Mark Waschke zwischen Drogen-Mafia, Flughafen-Desaster und Straßenkindern. Muss man aushalten - Reizüberflutung!

ARD

Was ist das Thema?

Berlin, Hauptstadt der Partys, der Drogen und des Verbrechens. In einer Wohnung wurde einer jungen Frau bei lebendigem Leibe der Magen und der Darm aufgeschlitzt; sie hatte als Muli für die Mafia Koks aus Mexiko geschmuggelt. Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) und Kollege Robert Karow (Mark Waschke) ermitteln zwischen libanesischer Mafia, Party-Szene und Straßenkindern.

Wie blutig ist die neue Folge?

Blutig, blutiger, Berlin. Die Leiche der ausgeweideten Drogenkurierin wird in Einzelteilen im Abfall gefunden und von der Gerichtsmedizinerin wieder zusammengesetzt.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Ja, bei der Jagd nach den Mördern entsteht ein modernes Berlin-Panorama. Flughafen-Desaster und Tourismus-Wahn inklusive.

Der beste Auftritt?

Der immer großartige Kida Khodr Ramadan ("Kebab Connection") als Mafia-Mann mit Familienstress. Schneidet erst der Drogenkurierin den Magen auf und lässt sie verbluten, holt danach genervt und doch gerührt die beiden kleinen Töchter vom Ballett ab. Eine Figur wie aus einem Gangsterepos von Martin Scorsese. Der gebürtige Libanese Kida Khodr Ramadan zeigt mit brutaler Komik die bröckelige neue Bürgerlichkeit der libanesischen Mafia in Berlin. Siehe auch Bushido und seine Freunde.

Wer sind die Filmemacher?

Stephan Wagner ist einer der besten Krimi-Regisseure des Landes: Der schmerzhaft detailgenaue Entführungs-Rekonstruktion "Der Fall Jakob Metzler" geht genauso auf sein Konto wie der exzellente Berliner Überwachungs-"Tatort" "Gegen den Kopf". Drehbuchautor Stefan Kolditz hat mit dem Kriegsepos "Unsere Mütter, unsere Väter" Debatten ausgelöst. Auch der radikal modernisierte Hauptstadt-"Tatort" dürfte für Diskussionen sorgen.

Und: Können wir das alles glauben?

Eigentlich schon. Es gibt viele starke Details in diesem "Tatort", von den Mafia-Verweisen bis zu den sorgfältig ausgewählten Locations. Allerdings muss der Zuschauer bisweilen vor der Reizüberflutung kapitulieren.

Lohnt das Einschalten?

Ja. Auch wenn das neue Berliner "Tatort"-Team noch nach seinen Rhythmus sucht: starke Bilder, interessante Charaktere, zuweilen schmerzhaft moderne Inszenierung. Da geht aber noch mehr.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Das Muli", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Arno Frank kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag zum letzten Mal live auf Twitter. Ab jetzt werden wir unsere "Tatort"-Berichterstattung stets mit einem Reality-Check aus unseren Fachressorts abschließen.

cbu



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
Kaffee Wien 22.03.2015
1. Es keimt Hoffnung auf -
- gegen die Dienst-nach-Vorschrift-Langweiler à la Postel alias Lürsen, Folkerts alias Odenthal und Furtwängler-Burda alias Lindholm. Diese letzten verbliebenen Dinosaurier der Langeweile gilt es möglichst bald in den Ruhestand zu verabschieden. Allerdings ist eines schon jetzt klar: Dass die mit allen Wassern gewaschene Vollblutschauspielerin Becker den physiognomischen Sparkassenangestellten Waschke an die Wand spielen wird. Und es ist zu befürchten, dass die schwache Regie, die solch einer harten Durchsetzerin wie Becker nur das asoziale Geschrei wird entgegensetzen, das dann von Waschke darzustellen ist. Insofern ist auch hier wieder vollalimentierte TV-Kost von Reflexhandwerkern (TV-Regie, TV-Drehbuch) zu erwarten, die primär auf ihr GEZ-Gebühren gefülltes Konto achten als auf Qualität.
lemmy 22.03.2015
2. Okay
überzeugt. Nachdem ich jetzt gelesen habe wer Regisseur und Drehbuchautor ist, werde ich es doch mal wenigstens versuchen, trotz Meret Becker, der Reizüberflutung und der schauerlichen Kommentierung im gestrigen Artikel.
Kaffee Wien 22.03.2015
3. TV-Trotzgucken
Zitat von lemmyüberzeugt. Nachdem ich jetzt gelesen habe wer Regisseur und Drehbuchautor ist, werde ich es doch mal wenigstens versuchen, trotz Meret Becker, der Reizüberflutung und der schauerlichen Kommentierung im gestrigen Artikel.
Trotz Drehbuchautor und Regisseur werde ich wegen Meret Becker auch mal reinschauen. Hoffentlich wird dieser Casanova für Arme, Waschke, nicht "erotisch" inszeniert, weil irgendeine alternde Redakteurin noch ins Drehbuch gepfuscht hat!
gldek 22.03.2015
4. Aushalten ? Nein, abschalten !
Brutalität, Action, schnelle Szenen- und Ortswechsel, versetzte Zeitebenen, schlechter Ton, unverständliches Genuschel, komplexe überfrachtete Story nur weil es dem Zeitgeist entspricht - solche Tatorts brauch ich immer seltener. Also wegzappen oder abschalten, ein gutes Buch lesen, mit seinem Partner ein anregendes Gespräch führen ... und sich auf den nächsten Barnaby freuen.
hatschon 22.03.2015
5. Tatort
Was ist das ? Deutsche versuchen krampfhaft Krimis zumachen,kann nur scheitern ! Selbst Frankreich ist besser ich sage nur Spiral
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