ARD-Pfingstkrimi Der neue Bremen-"Tatort" im Schnellcheck

Fehlgebildete Ferkel, Pestizide im Trinkwasser, militante Hacker: Der Bremer "Tatort" über Öko-Terroristen ist ein entfesselter Politthriller - der jedoch nicht recht zündet.

ARD

Von


Das Szenario:

Cyber-Terrorismus trifft Öko-Terrorismus: Militante Umweltaktivisten wollen Bremens Trinkwasser mit einem Pestizid namens Stargophyl verseuchen, durch das ein Biotechnologie-Unternehmen in Afrika Millionen verdient. So soll auf die Toten in Mali aufmerksam gemacht werden, wo das Ungeziefermittel großflächig eingesetzt wird. Kommissarin Lürsen (Sabine Postel) und Kollege Stedefreund (Oliver Mommsen) treffen auf Gegner, die vor allem digital agieren. Unter anderem soll die "Tagesschau" gehackt werden.

Die Botschaft:

Biotechnologieunternehmen sind böse. Es geht um genmanipulierte Nahrungsmittel und welch verheerende Folgen - Schädlingsbefall, Pestizideinsatz, Menschenopfer - sie auslösen. Kapitalismuskritik, die auch schlichte Gemüter verstehen.

Der kleine Horrorhappen:

In einer Szene sieht man, welche Folgen die Forschungen des Biotechunternehmens haben: In Formaldehyd-Gläsern schwimmen Teile von fehlgebildeten Ferkel. Horror, eingeweckt.

Der kleine Erotikhappen:

Die Ermittler kriegen vom BKA eine Spezialistin zugewiesen: Linda Selb (Luise Wolfram), brillanter Kopf, lange Beine. Und leider ein bisschen ungeschickt mit ihren Mitmenschen. In einer der stärkeren Szenen hält sie Stedefreund für einen Verdächtigen, überwältigt ihn und setzt sich auf ihn drauf. Der Kollege genießt die Unterwerfung sichtlich, sie sagt mit Roboterstimme: "Sex? Später, wenn alles vorbei ist."

Der Plausiblitätsfaktor:

Nicht so hoch wie er bei einem solch komplexen Thema sein sollte. Wie drei bescheiden ausgebildete Terroristen per Laptop ein ganzes Bundesland in Schach halten, das ist dann irgendwann doch unglaubwürdig. Lesen Sie dazu auch unseren Faktencheck am Dienstag.

Die Bewertung:

Die Bilder sind am Anfang kunstvoll entfesselt, einige Charaktere versprühen trockenen Witz, aber als Katastrophenszenario fällt dieser Krimi in der Mitte in sich zusammen. Bei aller Sympathie für die mutig übersteuerten Bremer Polit-"Tatorte": 5 von 10 Punkten.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Der hundertste Affe", Pfingstmontag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chuckal 16.05.2016
1. Peinlich
Der Höhepunkt dieser peinlichen Veranstaltung ist die BKA Dame. Wie man so ungeniert Cumberbatch Sherlock kopiert, zumal, wenn man es nicht kann, bleibt mir ein Rätsel. Manchen Schauspielern ist wirklich nichts zu billig.
schlaueralsschlau 16.05.2016
2. @ Café-Wien
Sabine postel ist es, die für mich diesem Tatort ausmacht. Ich habe ihn genossen.
Dramaturgenfrau 16.05.2016
3. Bremen oder die Liebe zum Klangteppich
Fast unter jeder Szene pseudomuskalisches Klanggeraune, weil man der Dramaturgie der Handlung nicht traut und eine szenische Verbindung braucht. Unerträglich! Und für ein Publikum 60+, das zum Teil wegen Hörproblemen bei der Vermischung von unterlegtem Klang und Sprache letztere nicht mehr versteht. Was soll das? Ein sinnloses Huuhuuu durch grummelnde Untergrundklänge, die den gesamten Film durchzogen. Meine Güte! In einer Zeit, da die Grünen Seniorpartner einer Landesregierung sind und die ansässige Autoindustrie als ökologische Retter hofieren, müssen natürlich jene, die was Anderes wollen, Terroristen sein. Insofern gibt man sich in der Mercedesstadt Bremen die Hand mit dem Mercedesland BW.
Schwamster 16.05.2016
4. Die BKA
... Linda Selb hätte mich fast soweit gehabt, dass ich den Tatort aufnehme und diese Figur konsequent weiter zu spulen. Ich kann diese 'Ich kann alles und weiß alles und ihr nichts' Rollen nicht leiden. Deshalb schaue ich auch keine Til Schweiger Tatorte. Und wenn dann die anderen auch noch so offensichtliche Fehler machen damit die eine Figur noch intelligenter wirkt finde ich das richtig dämlich. Dadurch wurde mir auch die gesamte Story versaut. Ich hoffe die Linda Selb wird nicht als feste Figur aufgebaut. Sonst kann ich nach dem Hamburger Tatort auch keinen Bremer Tatort mehr sehen.
Augustusrex 16.05.2016
5. Lustig
Sie sind wirklich lustig, Herr oder Frau Cafe-Wien. Vor allem wenn Sie den Pluralis Majestatis verwenden. was Sie ja recht gern tun: "Auf eine Absetzung der übrigen drei warten "wir" sehnsüchtig." Sprechen Sie doch bitte nur für sich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.