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"Tatort" aus Freiburg: Arme Wurst, genialer Manipulator

Foto: SWR/Benoit Linder

ARD-Sonntagskrimi Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

"Ich finde unsere Biologie zum Kotzen": Kommissarin Tobler steigt mit dem Kollegen Berg für diesen "Tatort" in die Welt eines Sexualverbrechers hinab. Immer empathisch, niemals relativierend.

Das Szenario:

Roadtrip mit einem Sexualverbrecher: Eineinhalb Jahre ist die 15-jährige Ausreißerin Emily Arnold (Meira Durand) mit dem Endvierziger Martin Nussbaum (Andreas Lust) in Europa unterwegs gewesen, jetzt kehren sie nach Freiburg zurück. Durch einen tödlichen Unfall auf der Landstraße kommen die Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) auf ihre Spur. Werden sie die Minderjährige dem Einfluss Nussbaums entziehen können?

Der Clou:

Das Publikum sieht große Teile aus der Perspektive des Mädchens, das in einem krankhaften symbiotischen Verhältnis mit dem Sexualverbrecher lebt. Das Publikum muss aushalten, dass Emily durchaus widersprüchliche Gefühle zu dem Mann zeigt, der mal Spielkamerad und Kumpel, mal Manipulator und Vergewaltiger ist. Im Nachgang zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson in der Doku "Leaving Neverland" entfaltet dieser "Tatort" noch einmal besondere Wirkung.

Das Bild:

Nussbaum fingert im Kaufhaus aufgeregt in Kleinmädchen-Unterwäsche mit Kuscheltiermotiven rum - die er dann Teenager Emily zum Geburtstag schenkt. Ein Mann, losgelöst von jeder Realität und jeder Moral.

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"Tatort" aus Freiburg: Arme Wurst, genialer Manipulator

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Der Dialog:

Kommissar Berg: "Der Typ könnte jeder sein. Durchschnittlicher Mann, der auf Teenager steht."
Kommissarin Tobler: "Teenager ist eins der meistgesuchten Wörter auf Pornoseiten. Ich finds zum Kotzen: Erwachsene Männer, die nackte Mädchen gucken."
Berg: "Es gibt auch erwachsene Frauen, die nackte Jungs angucken."
Tobler: "Selten."
Berg: "Na ja, ist das Reiz-Reaktions-Schema, die meisten Menschen finden junge Körper interessant."
Tobler: "Na, dann finde ich unsere Biologie auch zum Kotzen."

Der Song:

"Für immer und dich"  von Rio Reiser. Das Liebeslied mit düsterem Unterton bekommt am Ende einen prominenten Platz.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Ein "Tatort", der immer empathisch, oft ambivalent, aber niemals relativierend eine kranke Parallelwelt zeigt.

Die Analyse:

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"Tatort: Für immer und dich", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde der Täter im "Tatort" umgangssprachlich als "pädophil" bezeichnet. Wir haben das geändert. Die Diagnose "pädophil" bezieht sich auf Menschen, die Kinderkörper vor der Pubertät sexuell erregend finden. Was der "Tatort" thematisiert, fällt laut StGB § 176 unter den Straftatbestand "Sexueller Missbrauch von Kindern."

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Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Foto: Thomas Kost / WDR