ARD-Sonntagskrimi Der Schwarzwald-"Tatort" im Schnellcheck

Der Schwarzwald im Ausnahmezustand: Tobler und Berg ermitteln zwischen Leichen und Alkoholleichen. Der "Tatort" als Promille-Panorama mit trunkenen und traurigen Sexszenen.
Ermittlungen mit Promille-Faktor: Berg (Hans-Jochen Wagner) und Tobler (Eva Löbau)

Ermittlungen mit Promille-Faktor: Berg (Hans-Jochen Wagner) und Tobler (Eva Löbau)

Foto: Benoît Linder/ SWR

Das Szenario:

Komasaufen und Komasex während der alemannischen Fesnacht. Das Ermittlerduo Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) hat sich gerade bei Backstreet Boys und Britney Spears zugeballert, um den Pegel für die kommenden Festtage zu erreichen, da wird der Mord im Umfeld einer Schwarzwälder Schönheitsklinik gemeldet. In Verdacht gerät die Ex-Prostituierte Romy (Darja Mahotkin), der Tote war einst ein Freier von ihr. Die Ermittler erhalten Einblick in eine Welt, wo der Geschlechtsakt etwas von einem Gewaltakt hat.

Der Clou:

Hinter dem Grundmotiv der misshandelten Frau tut sich ein Geflecht grausamer Abhängigkeiten auf. In den vielen Sexszenen sieht man Körper, die eher miteinander ringen als dass sie sich lieben. Regisseur Jan Bonny, der einige der kontroversesten Sonntagskrimis gedreht hat, zeigt Menschen, die sich bei ihrem Sehnen nach Nähe und Sicherheit immer näher an den Abgrund bewegen - das gilt auch für die Kommissare.

Das Bild:

Friedemann vollkommen dicht. Auf den Kopf trägt er eine zersauste Perücke, auf den Lippen hat er "Verdammt ich lieb dich". Dieser Fastnacht-"Tatort" kommt als unappetitliche Abwärtsbewegung daher, bei dem auch die Polizisten den kürzesten Weg in den Absturz wählen.

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Ex und hopp im Schwarzwald

Foto: Benoît Linder/ SWR

Der Spruch:

"Du bist jemand - du wirst nicht abgeschleppt. Du schleppst ab." Das sagt Kommissar Berg im angetrunkenen Zustand zur Kollegin Tobler. Wenig später sieht man, wie die beiden linkisch aufeinander ins Bett fallen. Schwer zu sagen, wer da wen abschleppt.

Der Song:

"Deine Wahrheit" von Jens Thomas . Inmitten des wüsten Promille-Panoramas erklingt diese Mollballade, die in einem schönen einfachen Reim all den gezeigten Schmerz zusammenfasst: "Wir gehen arbeiten, wir gehen laufen, wir gehen saufen, ein verlorener Haufen." Der Pianist und Sänger Thomas hat auch die musikalischen Heine-Rezitationen eingespielt, die in diesem "Tatort" in Momenten erklingen, wenn die Handlung eigentlich nicht mehr aushaltbar ist.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Frustsaufen und Betäubungsbeischlaf in Opulenz. Wer es nicht aushält, schaltet zum ZDF-Herzkino um.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Ich hab im Traum geweinet", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: SWR/Daniel Dornhöfer
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