ARD-Sonntagskrimi Der Schweizer "Tatort" im Schnellcheck

Reden und Sterben in Luzern: Im Debatten-"Tatort" aus der Schweiz geht es um Sterbehilfe. Leider erfährt man trotz reichlich Pro- und Kontra-Argumenten nicht, welche Haltung die Filmemacher zu dem Thema haben.

ARD/ Daniel Winkler

Das Szenario:

In der Schweiz tobt ein Krieg ums Sterben. Ein Verein namens Transitus begleitet schwer kranke Menschen in den selbst gewählten Tod, eine Organisation namens Pro Vita demonstriert gegen die Sterbehilfe. Nach dem Tod an einer Transitus-Helferin geraten Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) und Kollegin Ritschard (Delia Meyer) zwischen die Fronten.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Ethische, juristische und kulturgeschichtliche Aspekte zum Thema Sterbehilfe zusammentragen. Die Qualität des Diskurses entspricht einer konventionellen Talkshow, in der wortreich die Pros und Kontras gegenübergestellt werden. Unklar bleibt leider, was eigentlich die Filmemacher über das Thema denken.

Das schaurigste Zitat:

"Ich spüre immer so eine positive Energie bei den Menschen, die hierherkommen zum Sterben." Das raunt ein bisschen zu euphorisch eine Sterbehelferin, kurz nachdem sie eine schwer an Parkinson leidenden Frau in den Tod begleitet hat. Todesengel-Alarm?

Schweiz-"Tatort" über Sterbebegleitung

Das schalste Zitat:

"Wer das will, soll zur rechten Zeit ein edles Sterben wählen dürfen." Frei nach "Also sprach Zarathustra" wird dieser Satz vom Transitus-Chef gesagt. Nietzsche, echt jetzt?

Der Plausibilitätsfaktor:

Geht so. Zwar wird der Vorgang der Sterbehilfe fast-dokumentarisch abgebildet (lesen Sie dazu am Montag auch unseren Faktencheck). Die Figuren aber bleiben leblos und werden als Pro- oder Kontra-Argument durch den Debattenplot geschoben.

Die Bewertung:

Ein unausgegorener, weitgehend haltungsloser "Tatort", auf den wir konsequent mit einer, zugegeben, unausgegorenen, weitgehend haltungslosen Bewertung reagieren: 5 von 10 Punkten.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Freitod", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



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