ARD-Sonntagskrimi Der Dortmund-"Tatort" im Schnellcheck

Grenzerfahrung als Ermittlungsclou: Faber und sein Team untersuchen mit Selbstexperimenten den Erstickungstod einer Ärztin. Düster, irre, inspiriert - eben ein "Tatort" aus Dortmund.

WDR/ Thomas Kost

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Das Szenario:

Gesundheitssystem vor dem Kollaps, Kripoeinheit im Todesrausch. Nachdem die Internistin einer Notaufnahme mit einer Plastiktüte erstickt worden ist, unternimmt das Ermittlerteam um Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) riskante Selbstversuche: Wie fühlt es sich an, wenn das Plastik einem die Luft zum Atmen nimmt? Die Missstände im Krankenhaus geraten dabei in den Hintergrund - zumal der vom Tod seiner Familie immer noch traumatisierte Faber hier auf einen Psychologen trifft, der scheinbar in das Innerste des Kommissars schauen kann und ihm eine Drogentherapie verordnen will.

Der Clou:

Die Grenzerfahrung als Analysebeschleuniger: Faber und seine Kollegen begeben sich in rauschartige Ausnahmezustände. Die Drogenpropheten der Gegenkultur wären stolz aufs Dortmunder Team. Wie sagt man: Der Wahnsinn hat hier Methode. Erinnert ein bisschen an den psychedelischen Münchner "Polizeiruf", in dem Matthias Brandt als Kommissar Meuffels stark sediert am Tropf in einem Krankenhaus ermittelte.

Das Bild:

Kommissarin Dalay (Aylin Tezel) hyperventiliert beim Selbstversuch mit einer über den Kopf gezogenen Plastiktüte. Erst im letzten Moment kann sie ein Kollege befreien.

Fotostrecke

8  Bilder
"Tatort" mit Faber und Bönisch: Krankenhaus mit Kuschelzoo

Der Dialog:

Faber: "Sieht man mir an, dass ich Psychopharmaka nehme?"

Bönisch: "Ich seh nur, dass sie verrückt sind, aber nicht, was sie dagegen machen."

Der Song:

"Time" von Ash Ra Tempel & Timothy Leary. Das gut 20-minütige Stück, das der Drogenprophet Leary 1972 mit dem Hippie-Ensemble Ash Ra Tempel eingespielt hat, feiert die befreiende und therapeutische Wirkung des LSD. Wäre ein schöner Soundtrack für diesen "Tatort", dessen Ermittler auch vor riskanteren, auf Rausch basierenden Methoden des Erkenntnisgewinns nicht zurückschrecken.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Ein Krimi, der sich vor dem Hintergrund der chaotischen Zustände auf einer Notaufnahme aus der starren Ermittlerroutine löst. Auch gewagte Wendungen wirken hier halbwegs glaubhaft. Düster, irre, inspiriert - ein "Tatort" aus Dortmund eben. Der Oberbürgermeister dürfte mal wieder äußerst unzufrieden mit der Darstellung seiner Stadt sein.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Inferno", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 18 Beiträge
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Dramaturgen-Frau 14.04.2019
1. Vor der Osterflaute noch mal ein richtig guter Tatort?!
Da Ostersonntag ja ne Wiederholung ansteht und Ostermontag einzig deshalb zur Tatort-Freude wird, weil die Bäckereifachverkäuferin ihren finalen Abschied zelebriert, und wir sie nie, nie wieder sehen müssen in einem neuen Tatort, ist der heutige Tatort aus Dortmund sicher ein einziger Genuss. Bereits die Ankündigung, dass wir es nicht mit einem infantilen Whodunit für all die regressiven Haferkamp-Stöver-und-Co-Adepten wie Ekkehard Grube et al. zu tun bekommen, sondern mit einem Fernsehfilm, der die Charaktere und ihre Befindlichkeiten in den Vordergrund rückt, lässt mich freudig die Rotweinflasche öffnen. In diesem Sinne: Ick freu mir, wa?!
cater 24567 14.04.2019
2. Unerträglich dümmlich
Wie immer unerträglich dümmlich, sowohl der Hartmann-Tatort mit dem ich habe keine Mimik Hartmann als auch die Besprechung von Buß.
g.wessels 14.04.2019
3. Schlechtester "Tatort" for ever ...
unerträglich diese Psyco - Sch…. , das hat gar nichts mit der schauspielerischen Leistung der Darsteller zu tun, allein die "Story" ist ein Griff in die Schüssel. Werde also nie wieder einen Do -Tatort anschauen.
Ekkehard Grube 14.04.2019
4. Guter Ansatz, leider verschenkt
Das Thema „Überforderung in der Notaufnahme ist sehr aktuell und wurde auch beklemmend gut dargestellt. Bei der Auflösung jedoch verfiel diese Ausgabe des DO-Tatorts wieder in die Anfangsschwäche aus den ersten Folgen – die viel zu überzogene Darstellung von Fabers Psychoproblemen. Das am Schluss erst Faber das Auto des falschen Arztes zu Schrott fährt und dieser dann mit einer Eisenstange auf Fabers Auto eindrischt (so, wie Faber selbst in der Folge "Mein Revier" auf ein Auto eingedroschen hatte), das nahm den eigentlich guten Ansätzen ihre Wirkung. Die Kommissarin Dalay war dagegen wieder in der Spur, nachdem sie ja in der letzten Folge einen nicht ganz nachvollziehbaren Konflikt mit Kollegen Pawlak hatte. Ihr angekündigter Weggang ist sehr zu bedauern. Allgemein war sie in diesem Team von Kaputtniks noch die Normalste.
Küstenfreund 14.04.2019
5.
Endlich mal wieder ein Tatort aus Dortmund, in dem der Fall mehr im Vordergrund stand als das Zerfleischen des Teams. Und Faber war endlich mal wieder durchgeknallter als seine Kollegen. Back to the roots, mMn ein richtiger Schritt zurück.
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