ARD-Sonntagskrimi Der Dresden-»Tatort« im Schnellcheck

Vom QAnon-Irrsinn infiltriert: Nach dem Mord an einer Journalistin begibt sich das »Tatort«-Team auf eine Reise in die Verschwörungsfinsternis – Musik von Joy Division inklusive.
Szene mit Karin Hanczewski (l), Martin Brambach und Leonie Winkler: Von der Schnitzeljagd zur Seelenschau

Szene mit Karin Hanczewski (l), Martin Brambach und Leonie Winkler: Von der Schnitzeljagd zur Seelenschau

Foto: Marcus Glahn / MDR

Das Szenario:

Verschwörungsmystik im Eskalationsmodus. Nachdem eine entführte Journalistin von ihrem maskierten Peiniger vor laufender Web-Kamera erschossen wurde, tauchen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) in den Lügenkosmos von QAnon und Querdenkertum ein. Tiefer Staat, Impfdiktatur, Lügenpresse – den Ermittlerinnen wird das volle Programm geliefert. Während sie versuchen, die Codes zu dechiffrieren, mit denen der geltungsbedürftige Täter eine Spur zu seiner Identität legt, wird auch noch Kollege Schnabel (Martin Brambach) entführt.

Der Clou:

Von der Schnitzeljagd zur Seelenschau. Während die erste Hälfte noch wie ein konventioneller Psychopathen-Thriller funktioniert, bei der die Kollegen mittels übertrieben kompliziert ausgestreuter Zeichen und Symbole in eine bizarre Parallelwelt gelenkt werden, öffnet die zweite Hälfte tiefe Einblicke in die Funktionsweise eines manipulierten Geistes. Episodenhauptdarsteller Hans Löw zeichnet hochsensibel nach, wie ein leicht labiler Mensch vom Irrsinn infiltriert wird.

Paul Ahrens als Jungunternehmer: »Das Beste an Verschwörungstheorien ist ihre Unwiderlegbarkeit«

Paul Ahrens als Jungunternehmer: »Das Beste an Verschwörungstheorien ist ihre Unwiderlegbarkeit«

Foto: Marcus Glahn / MDR

Das Bild:

Kleiner Mann vor großer Computerwand. Bei ihren Untersuchungen treffen die Kommissarinnen auf einen Halbwüchsigen, der von seinem Gamer-Sessel die Internetseite betreibt, mit der er QAnon-Quatsch verbreitet. »Das Beste an Verschwörungstheorien ist ihre Unwiderlegbarkeit«, sagt der Teenager, während in seinen Augen ein Dollarzeichen zu leuchten scheint. Gar nicht süß: der Milchbubi als Verschwörungsmythen-Mastermind.

Der Dialog:

Kommissar Schnabel ist ans Bett gekettet, der Entführer plant seine Ermordung. Der Ermittler versucht sich darüber zu retten, dass er den Peiniger in ein Gespräch über dessen Tochter verwickelt.

Entführer: »Wenn Sie noch einmal meine Tochter erwähnen, dann schieße ich Ihnen ins Gesicht.«

Schnabel: »Aber vergessen Sie nicht, vorher die Kamera einzuschalten.«

Der Song:

»Atmosphere« von Joy Division . Der am Anfang fast voll ausgespielte Postpunk-Klassiker setzt den fatalistischen Grundton bei der Reise in die Verschwörungsfinsternis: »Worn like a mask of self-hate / Confronts and then dies / Don't walk away«.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Wie funktioniert der Verschwörungsmystiker? Konventionell gebauter Psychopathen-Thriller, hochaktuell aufgeladen.

Die Analyse:

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»Tatort: Katz und Maus«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

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