ARD-Sonntagskrimi Der Franken-"Tatort" im Schnellcheck

Deutscher Hass, geballt in Fünf-Minuten-Dialogen: Der Franken-"Tatort" konfrontiert den Zuschauer mit den tieferen Ursachen von Fremdenfeindlichkeit. Sehr guter, sehr harter Krimistoff.
Ahmad Elmahi (Josef Mohamed) in seinem Versteck.

Ahmad Elmahi (Josef Mohamed) in seinem Versteck.

Foto: BR/ Luis Zeno Kuhn

Das Szenario:

Gewalt gegen libysche Flüchtlinge, Hass in deutschen Familien - nachdem die Leichen eines libyschen Geschwisterpaares gefunden wurden, ermitteln Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) im Umkreis zweier Familien: der des toten Flüchtlings und der eines depressiven Polizisten, der scheinbar rechtspopulistischen Ideen verfallen ist. Je tiefer die beiden in den Fall einsteigen, desto unübersichtlicher wird er.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Den tieferen Ursachen für Fremdenhass nachzuspüren: Weshalb fürchten ausgerechnet jene Bevölkerungsschichten das "Fremde" am meisten, die am wenigsten mit ihm in Berührung kommen? Dieser Ausnahme-"Tatort" geht der Frage über kluge Kollisionen und Konfrontationen nach, die erschreckende Erkenntnisse zutage fördern. Oder, wie Kommissarin Ringelhahn den Kollegen Voss warnt: "Schauen Sie nicht zu tief in die Dinge rein, sonst gucken sie zurück."

Die beste weibliche Episodenrolle:

Ursula Strauss, die als Polizistenehefrau liebevoll ihren siechen Ehemann betreut - bis sie in einer Szene ihr zweites Ich zeigt. Deutscher Hass, geballt in einem Fünf-Minuten-Dialog. Nach dem kontrovers diskutierten Sexismus-Drama "Meine fremde Freundin" eine weitere Gelegenheit für Strauss, ihr Talent für verstörend doppelbödige Auftritte unter Beweis zu stellen.

Fotostrecke

"Tatort" aus Nürnberg: Nichts ist fremder als die eigene Familie

Foto: BR/ Felix Cramer

Die beste männliche Episodenrolle:

Hansjürgen Hürrig, der als rechter Stimmungsmacher verzagte Reden über seine stumpfen Gefolgsleute hält. Nachdem Hürrig in der letzten Folge von "Bella Block" vor drei Wochen gleich am Anfang in seiner Stammrolle als Staatsanwalt aus der Handlung gebombt wurde, hat er hier am Ende eine große Szene mit grausamem Knalleffekt.

Der Plausibilitätsfaktor:

Sehr hoch. Bis in kleinere Nebenrollen sind alle Figuren glaubhaft - selbst in Momenten, wo sie ziemlich unglaubliche Dinge tun.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Ein "Tatort", der dem Zuschauer einiges abverlangt, weil dieser immer wieder gezwungen wird, den Blick auf den Fall zu verändern. Große Krimikunst. Am Anfang sehen wir, wie Kommissar Voss endlich seine Einstandsparty in Nürnberg feiert - nach drei Jahren und vier Folgen scheint die Figur endlich angekommen im finsteren Herzen von Franken.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Ich töte niemand", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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