ARD-Sonntagskrimi Der Franken-»Tatort« im Schnellcheck

Was lauert hinter der Kellertür? Welcher Schrecken wartet in der Tiefkühltruhe? Im »Tatort« mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs sind Wirklichkeit und Wahn eng verzahnt.
Fabian Hinrichs, Dagmar Manzel in »Tatort: Wo ist Mike?«: Ein hochnervöser Thriller, der mit unseren Ängsten und Erwartungen spielt

Fabian Hinrichs, Dagmar Manzel in »Tatort: Wo ist Mike?«: Ein hochnervöser Thriller, der mit unseren Ängsten und Erwartungen spielt

Foto: Claussen+Putz Filmproduktion / BR

Das Szenario:

Bamberg brutal. Nachdem der kleine Mike verschwunden ist, werden Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) mit einem Verbrechen konfrontiert, bei dessen Auflösung immer wieder ihre Wahrnehmungstechniken infrage gestellt werden: Auf der Suche nach dem vermissten Jungen schauen sie in Schränke, Kühltruhen und Kellerlöcher; bei Zeugenbefragungen schlagen ihnen Wahn und Halbwahrheiten entgegen. Nicht einfacher werden die Untersuchungen durch den Umstand, dass Ringelhahn sich kurz vor Aufnahme des Falls in den späteren Hauptverdächtigen (Sylvester Groth) verliebt hat und in einer Kammer unter dessen Haus eine schaurige Entdeckung macht.

Der Clou:

»Manchmal reicht es nicht, die Wahrheit zu sagen, sie muss auch stimmen.« So heißt es einmal, während sich das Ermittlerteam durch ein Labyrinth von wahren und falschen Informationen kämpft. Das Publikum muss dabei Bilder sortieren, die nicht immer ganz zuverlässig sind. Denn es werden auch die Gefühlswelten der Figuren visualisiert, Trugbilder und Wirklichkeit sind eng verzahnt.

»Tatort«-Szene mit Andreas Pietschmann, Fabian Hinrichs, Linda Pöppel

»Tatort«-Szene mit Andreas Pietschmann, Fabian Hinrichs, Linda Pöppel

Foto: Marc Reimann / BR

Das Bild:

Ein schwarz gestrichener Einfamilien-Quader fast ohne Fenster. Darin wohnen Vater und Mutter des vermissten Jungen. Wer in so einer düsteren Kiste haust, dem müssen die Angehörigen beim Ableben keinen Sarg mehr kaufen.

Der Dialog:

Kommissar Hinrichs kauert sich in einem Schrank zusammen, in dem vor ihm der vermisste Junge gesessen hat. Ein Forensiker untersucht das Möbelstück.

Forensiker: »Mir ist gerade mal so ein uralter Witz eingefallen, weil du so getan hast, als ob du dich verstecken würdest.«

Kommissar: »'n Witz?«

Forensiker: »Ja, aber das passt eigentlich überhaupt net.«

Kommissar: »Doch, erzähl mal.«

Forensiker: »Okay, also: Was macht ein Geribbe im Gebüsch?«

Kommissar: »Weiß ich nicht.«

Forensiker: »Es hat beim Versteckspiel gewonnen.«

Der Song:

»Breathe« von Prodigy . In dem Big-Beat-Geballer aus dem Jahr 1996 wirft der 2019 verstorbene Sänger Keith Flint mit allerlei klinischem Vokabular um sich: »Psychosomatic, addict, insane / Breathe the pressure«. Der Knüppel-Track läuft, als eine Mutter mit dem Auto durch die Landschaft fährt, um ihren psychotischen Sohn in einer Pflegeeinrichtung zu besuchen.

Die Bewertung:

Was lauert hinter der Kellertür? Welcher Schrecken wartet in der Tiefkühltruhe? Ein hochnervöser Thriller, der mit unseren Ängsten und Erwartungen spielt. 8 von 10 Punkten.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Wo ist Mike?«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.