ARD-Festtagskrimi Der Frankfurt-"Tatort" im Schnellcheck

Schwarzer Bankenturm, bluttriefendes Loch im Kopf: Der Frankfurter "Tatort" leuchtet die Rätsel der Finanzmetropole als kühlen Horrortrip aus.

HR/ Bettina Müller

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Das Szenario:

Bank bizarr: Vor einem Frankfurter Büroturm, in dem verschiedene Finanzanbieter mithilfe ausgeklügelter Computerverfahren Micro-Trading betreiben, liegt die Leiche einer jungen Frau - die Knochen zertrümmert, über den Kopf eine Plastiktüte. Kommissarin Janneke (Margarita Broich) und Kollege Brix (Wolfram Koch) gehen davon aus, dass sie Opfer einer aus dem Ruder gelaufenen Orgie geworden ist, mit denen die Trader und Investoren auf dem Dach des Turms ihre Gewinne gefeiert haben. Doch die Untersuchungen bleiben erfolglos - auch weil die Ermittler offiziell keinen Zutritt in den Turm bekommen.

Der Clou:

Der Hauptdarsteller in diesem "Tatort" ist der Büroturm, der bedrohlich in den Himmel ragt. Von außen ist er eine Festung, von innen ein Labyrinth. Die dort beheimateten Schwesterunternehmen sind unübersichtlich strukturiert. Rechtelose ITler schrauben hier an Algorithmen zum Micro-Trading, jeder versteht nur den ganz kleinen Ausschnitt seiner Arbeit, das System als Ganzes bleibt auch den Smartesten unter ihnen ein Rätsel. Lost in speculation.

Das Bild:

Kommissarin Janneke drückt ihren Zeigefinger tief in ein blutig triefendes Loch, das in ihrem Kopf klafft. Zuvor wurde sie beim Eindringen in den Büroturm niedergeschlagen.

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Frankfurt-"Tatort": Im Inneren der schwarzen Macht

Der Dialog:

Der Rechtsmediziner beugt sich über die komplett entblößte Frauenleiche und sagt zum Ermittler: "Muss nicht unbedingt Mord bedeuten, kann auch ein Unfall gewesen sein." Ermittler beflissen: "Was, Sie meinen so ein Sexding, das schiefgegangen ist?" Rechtsmediziner grienend: "Ja, Sauerstoffmangel im Gehirn, da kann der Orgasmus schon mal intensiver sein. Muss man halt aufpassen, gell?"

Der Song:

"Empire State Human" von Human League aus dem Jahr 1979, in der zu minimalistisch pumpenden Synthezisern von wahnhaftem Wachstum gesungen wird. Kommt nicht im "Tatort" vor, fängt aber gut die Stimmung ein. Die Industrialpop-Nummer passt bestens in den kalt klirrenden, retrofuturistischen Elektronik-Soundtrack von Jan Zert.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Der experimentierfreudige Hessische Rundfunk bleibt sich treu. Nach brisanten Finanz-Thrillern wie "Dead Man Working" und kontroversen Horror-"Tatorten" ist "Der Turm" (Buch und Regie: Lars Henning) ein weiterer Versuch, mit einem Thriller-Experiment, dem Rätsel Finanzwelt auf die Spur zu kommen. Hier fühlt man sich an den frühen Kapitalismus-Horror von David Cronenberg erinnert. Ein visuell bestechender Banker-Schocker - dessen Plot aber zuweilen unter seiner Bilderwucht durchhängt.


"Tatort: Der Turm", zweiter Weihnachtstag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
fritz__meyer 26.12.2018
1. Einer der schlechtesten Tatorte,
die ich je gesehen habe. Uninspirierte und unlogische Handlung, völlig bescheuerte Dialoge... ("Ein Bürohochhaus. Ich bin kein Experte, aber vielleicht soll man das auch nicht verstehen"). Was? Das da Büros drin sind? Und die Polizei bekommt keine Infos über die Mieter? Warum ist Frau Kommissarin mit Schlafanzughosen unter der Jeans unterwegs? Warum hat sie eine Kamera (analog) dabei? Heute? Warum fotografiert sie einen Bürohausgang? Warum ein leeres Büro? Warum liegt sie dann im Erdgeschoß im Fahrstuhl? Mit den Beinen in den Türen, sodass sie nicht schließen? Also muss sie vom Täter in den Fahrstuhl gestopft worden sein, der vorher auf den Knopf gedrückt hat? So ein Quatsch... Nach 10 min schon keine Lust mehr...
curiosus_ 26.12.2018
2. Warum sollte die...
Zitat von fritz__meyerdie ich je gesehen habe. Uninspirierte und unlogische Handlung, völlig bescheuerte Dialoge... ("Ein Bürohochhaus. Ich bin kein Experte, aber vielleicht soll man das auch nicht verstehen"). Was? Das da Büros drin sind? Und die Polizei bekommt keine Infos über die Mieter? Warum ist Frau Kommissarin mit Schlafanzughosen unter der Jeans unterwegs? Warum hat sie eine Kamera (analog) dabei? Heute? Warum fotografiert sie einen Bürohausgang? Warum ein leeres Büro? Warum liegt sie dann im Erdgeschoß im Fahrstuhl? Mit den Beinen in den Türen, sodass sie nicht schließen? Also muss sie vom Täter in den Fahrstuhl gestopft worden sein, der vorher auf den Knopf gedrückt hat? So ein Quatsch... Nach 10 min schon keine Lust mehr...
...analog gewesen sein? Andere Frage: Warum sollte eine Kommissarin im Dienst beim Betreten eines Bürohochhauses in Frankfurt ihre Dienstwaffe abgeben müssen? Auf deutschem Hoheitsgebiet? Schwachsinn.
luthor 26.12.2018
3. Der experimentierfreudige Hessische Rundfunk bleibt sich treu.
Stimmt: absurd; abstrus; grottenschlecht gespielt; bar jeglicher Realitätsnähe; Ermittler, die sich körperlich und intellektuell von Pausenclowns am Nasenring durch die Manege ziehen lassen; Dialoge auf Sandkastenniveau; hier wird der logische Fehler im Dreehbuch zum Mantra. Herr Lars Henning, bemühen Sie sich doch um eine berufliche Tätigkeit, die Sie beherrschen.
Erkläromat 26.12.2018
4. 7 von 10 Punkten?!?
Was für Kriterien setzt Herr Buß bitte an? Der Tatort war völlig unrealistisch und die Handlung an den Haaren herbeigezogen... Früher Cronenberg und wuchtige Bilder... dass ich nicht lache!
curiosus_ 26.12.2018
5. Das war was...
...für die Aluhutfraktion. Mit bedrohlichem Bürohochhaus. 3 von 10.
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