ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Frankfurt im Schnellcheck

Hart, härter, Frankfurt? Das neue "Tatort"-Team aus der Hessen-Metropole gibt sich unerwartet sanft - und leuchtet doch konsequent familiäre Abgründe aus. Großes, subtiles Krimi-Kino.

ARD

Was ist das Thema?

Eine Familie wurde am Abendbrottisch erschossen. Die neuen Frankfurter Ermittler Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) steigen in ein psychologisches Labyrinth hinab. Familiäre Traumata überlagern sich hier unheilvoll. Wie die Ermittler das aushalten? Mit Witz!

Wie blutig ist die neue Folge?

Für einen hessischen"Tatort" nicht besonders blutig. Man bedenke: Aus der Mainmetropole stammte die brutale finale Ausnüchterungsmaßnahme mit Joachim Król aus dem Februar und aus Wiesbaden das kunstvolle Rekordgeballer mit Ulrich Tukur vom letzten Jahr. Dagegen ist dieser Fall bei aller psychologischen Härte Softcore.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Nein, hier geht es um das komplexe Innenleben der Figuren.

Die beste Szene?

Kommissar Brix verhört einen jungen Mann, der seinen Vater pflegt. Ist der Alte schon dement oder tut er nur so? Auf jeden Fall setzt er dem Sohn mit boshaften Sprüchen zu. Ein Mann zwischen Vergessen und Gemeinheit. Brix kontert die Attacken des Alten: "Also zum Sprücheklopfen reicht das Gehirnschmalz ja wohl noch. So, jetzt guckt der Papi mal schön sein Fernsehprogramm, mit der Wiederholung könnte es nämlich eng werden." Witze über Demenz? Gerne mehr davon.

Neues Frankfurter "Tatort"-Team
Beste Auftritte?

Man kommt nicht umhin, die beiden neuen Ermittlerdarsteller Margarita Broich und Wolfram Koch zu nennen. Schon weil sie so schön unaufgeregt und gut aufgelegt ins neue TV-Revier tapsen. Von der Standardgriesgrämigkeit der Kollegen keine Spur.

Wer sind die Verantwortlichen?

Regisseur Florian Schwarz hat die eigenwilligen Frankfurter Arthouse-"Tatorte" "Waffenschwestern" (2008) und "Weil sie böse sind" (2010) mit Dellwo und Sänger gedreht. Schon für diese hatte Drehbuchautor Michael Proehl die Geschichten geliefert. Später schrieb Proehl noch den oben genannten Tukur-"Tatort" sowie Joachim Króls martialischen Abgang "Am Ende der Straße". Nun ist das Team Schwarz/Proehl wieder vereint.

Und: Können wir das alles glauben?

Ja. Obwohl es sehr verspielte Passagen und viele cineastische Referenzen gibt, finden die Verantwortlichen immer wieder in den Fall zurück.

Lohnt das Einschalten?

Unbedingt. Großes, subtiles Krimi-Kino. Der nächste Fall mit Brix und Janneke ist schon im Kasten und läuft noch diesen Sommer. Wir freuen uns schon.

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Kälter als der Tod", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

cbu



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
andrea.bos 17.05.2015
1. Tatort heute
Also Leute... ich schaue seit 30 Jahren Tatort... heute ist das erste Mal, dass ich abgeschaltet habe. Sowas von langweilig... und die Kommissare so unsympathisch und banal. Nee danke, dann guck ich lieber ne Kochshow
pek 17.05.2015
2. Muss an mir liegen
aber ich kann der Geschichte nicht folgen. Sehr "kreative" Schnitte. Gute Schauspieler - aber dem Zuschauer wird einiges zugemutet.
teloudis 17.05.2015
3. Das Bild,
welches verwendet wird, hat es mir angetan. Wo drehen die überhaupt einen Tatort?? Da ist im Hintergrund eine Bahnhofsuhr auf eine Rotsteinmauer befestigt, wann war das aktuell?? Ich schätze vor ca 20 Jahren, und so ist Tatort HEUTE. Wer schaut sich den Schrott noch an?? Bitte melden.
andree_nalin 17.05.2015
4. Schlecht, schlechter, Tatort...
Zum Schluss sagt der schlecht gespielte Kommissar: "So, es langt !" Wie Recht der Mann hat. ... Und schon wieder ein Tatort-Fan weniger...
spike78 17.05.2015
5. Wenn so ...
Die Vorstellung von Polizeiarbeit im Tatort aussieht, werde auch ich Sonntags nun zu Rosamunde Pilcher wechseln. Kein Schutz für die "Geiseln", keine Observation des Hauptverdächtigen, die Waffe liegt auf dem Tisch. Wenn man sich so ein Drehbuch zusammenschustert, kann ich als eigentlicher Tatortfan dem Rezensenten unter 1. nur zustimmen.
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