ARD-Sonntagskrimi Der Lindholm-»Tatort« im Schnellcheck

»Jede Kultur bringt ihre eigenen Arschlöcher hervor«: Die Kommissarin ermittelt zwischen Geflüchteten und Studierenden. Ein »Tatort«, der jede Menge Debattenstoff für WG-Küchen liefert.
Studentin Jelena (Mala Emde, l.) und Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler): Rechts, links, in allen Ecken stinkts.

Studentin Jelena (Mala Emde, l.) und Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler): Rechts, links, in allen Ecken stinkts.

Foto:

Christine Schroeder / NDR

Das Szenario:

Rechts, links, in allen Ecken stinkts. Nach dem Mord an einer Studentin, die in der Geflüchtetenhilfe aktiv war, knallen bei den Untersuchungen die unterschiedlichen Weltbilder aufeinander: Während Kommissarin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) die Spur eines deutschen Stalkers verfolgen will, der in Göttingen mit einem Dolch jungen Frauen nachstellt, versteift sich Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) bei den Ermittlungen auf die Syrer und Afghanen aus dem Geflüchtetenumfeld des Opfers. Ist da latenter Rassismus im Spiel? Ganz objektiv verrichtet hier offenbar keine der Kommissarinnen ihren Dienst.

Der Clou:

Dieser »Tatort« bedient kein politisches Lager. Rechte Vorverurteilung, linker Selbstbetrug und ein Feminismus, der mit unterschwelligem Rassismus daherkommt: Hier wird in alle Richtungen ausgeteilt. Ein Krimi fürs mündige Publikum – dessen Wirkung allerdings dadurch geschmälert wird, dass er schon vor über zwei Jahren entstanden ist und vor dem Hintergrund einer sich immer schneller drehenden Welt ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt.

»Tatort«-Szene: »Hier können Frauen euch einsperren!«

»Tatort«-Szene: »Hier können Frauen euch einsperren!«

Foto: Christine Schroeder / NDR

Das Bild:

Lindholm baut sich aufgewühlt vor einer Gruppe Geflüchteter auf einem Fußballfeld auf und schreit: »Hier sind Frauen was wert! Hier können Frauen euch einsperren!« Sind die angepöbelten mutmaßlich muslimischen Männer tatsächlich eine Bedrohung für die deutsche Frau? Oder ist diese Bedrohung nur eine Projektion von dieser?

Der Dialog:

In der Studenten-WG. Die Mitbewohnerin des Mordopfers (stark wie immer: Mala Emde) erzählt von der Toten.

Studentin: »Mira hat Deutschkurse gegeben, hier bei uns in der Küche. Und da saßen auch ein paar Arschlöcher drin.«

Lindholm: »Können Sie die Bezeichnung ›Arschlöcher‹ präzisieren?«

Studentin: »Männer, die ein Problem haben, dass ich hier in meiner eigenen Küche sitze.«

Lindholm: »Die darin eine Legitimation sehen oder Aufforderung?«

Studentin: »Jede Kultur bringt ihre eigenen Arschlöcher hervor.«

Lindholm: »Und manche ganz besonders?«

Der Song:

»J'suis en date« von Jordy Bohbot . Der französische Rap-Track läuft bei einem Marathon-Fußballspiel, mit dem die Geflüchteten mit ihren deutschen Helfern einen neuen Weltrekord aufstellen wollen. Lindholm stapft mit schlechter Laune die schöne Hip-Hop-getriebene Stimmung in Grund und Boden. Der ansonsten subtile Score stammt von Carsten Meyer alias Erobique (»Urlaub in Italien« ), der für den NDR bereits die sensationelle Musik zum »Tatortreiniger« geschrieben hat.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Trotz des fast schon überschrittenen Ablaufdatums: ein »Tatort«, der Debattenstoff für WG-Küchen liefert.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Die Rache an der Welt«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

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