ARD-Sonntagskrimi Der Frankfurt-"Tatort" im Schnellcheck

Knochenjagd durch Hessen: Die "Tatort"-Ermittler sammeln in Frankfurt und Kassel Leichenteile eines Abiturienten ein. Der kameratauglich trauernde Vater ist ein TV-Star - und manischer Manipulator.

HR

Das Szenario:

Ungeheuer in der Charmeoffensive: Der berühmte Talk-Moderator Maarten Jansen (Barry Atsma) steht im Verdacht, seinen Stiefsohn ermordet zu haben, und versucht nun Kommissarin Janneke (Margarita Broich) einzuseifen. Die Leiche des Jungen wurde zerlegt, die Körperteile fand man einzeln in Frankfurt und Kassel im Müll. Der Fernsehmann selbst nennt den Täter ein "Monster" und spielt vor den Kameras der Presse perfekt Trauer und Empörung.

Der Clou:

Gleich am Anfang sehen wir, wie der TV-Star unter schwarzer Kapuzenjacke in einer regnerischen Kassler Nacht die Leiche eines jungen Mannes mit der Axt zerlegt. Der Clou dieses Krimis ist nicht die Frage nach dem Täter, sondern wie dieser Täter sein Umfeld manipuliert und was das Geheimnis hinter der grausamen Tat ist. Der Medienstar bleibt bis zum Ende undurchsichtig, eine perfekte Oberfläche, unter der das Grauen schlummert.

Das Bild:

Arme und Beine des Opfers liegen auf dem Obduktionstisch, Rumpf und Kopf sind noch nicht gefunden. Ein Extremitäten-Ensemble, das man auch für ein Ersatzteillager für Schaufensterpuppen halten könnte.

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11  Bilder
"Tatort" aus Hessen: Genial, telegen, abgefuckt

Der Dialog:

Der Chef der Mordkommission: "Hatte der junge Mann eigentlich schon eine Freundin?"

Kommissar Brix (Wolfram Koch) : "Nein, noch nie. Weshalb?"

Chef: "Es hat etwas Beschämendes, Mensch gewesen zu sein, ohne das Menschlichste kennengelernt zu haben."

Der Song:

"Dirty Deeds Done Dirt Cheap" von Ryker's. Wird nicht im "Tatort" gespielt, aber dieser sicherlich mit blutigen Händen angeschlagene, breitwandige Metalcore-Track, eine Coverversion von AC/DC, passt sehr gut in den mit Horror-Elementen versetzten Psychothriller über eine mit der Axt zerlegte Schülerleiche aus Kassel. Schon deshalb, weil Ryker's aus Kassel stammen.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Immer knapp am Klischee vorbei: kühles Psychogramm eines aalglatten Medienprofis und manischen Manipulators.

Die Analyse:

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"Tatort: Das Monster von Kassel", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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