ARD-Krimiwiederholung Der Kiel-»Tatort« im Schnellcheck

Zwischen Polizeischule und Hochhausgetto: Der »Tatort« mit »4 Blocks«-Star Ramadan und Rapper Sero erzählt das Drama einer Polizeischülerin. Jung, flott – nur leider symbolisch völlig überfrachtet.
»4 Blocks« ist fern: Kida Khodr Ramadan als Kioskbesitzer im Kiel-»Tatort«

»4 Blocks« ist fern: Kida Khodr Ramadan als Kioskbesitzer im Kiel-»Tatort«

Foto: NDR/Christine Schroeder

Dieser Text erschien in seiner ursprünglichen Fassung zur Erstausstrahlung des »Tatorts« am 10. Mai 2020.

Das Szenario:

Mädchenträume in der Hochhaussiedlung, Massaker auf der Polizeischule. Nach einem desaströsen ersten Einsatz, bei dem eine junge Frau von einem Hochhausdach gesprungen ist, eskalieren die Spannungen: Bei einer Übung sticht eine Polizeischülerin (Soma Pysall) mit einem Schraubenzieher auf ihren Kollegen ein. Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik), die das Seminar leiten, können den jungen Mann nicht vor dem Verbluten retten. Bei ihren Untersuchungen finden die beiden heraus, dass Selbstmörderin und Polizeischülerin eine gemeinsame Jugend in der Hochhaussiedlung hatten.

Der Clou:

Streetcredibility geht vor. Dieser »Tatort« setzt auf einen starken multiethnischen Cast und auf starke weibliche Charaktere. Der kurdisch-deutsche Regisseur Hüseyin Tabak hatte zuvor das Kiez-Boxer-Drama »Gipsy Queen« gedreht – nun setzt er im »Tatort« seine Darstellerinnen Pysall und Bagriacik beim Bearbeiten des Punchingballs in Szene. Über die Hänger im Plot tröstet das leider nicht hinweg.

Das Bild:

Kida Khodr Ramadan als Kieler Kioskbetreiber. Der »4 Blocks«-Star steht hier zwischen einem erschütternd kargen Sortiment aus Dosenbier und Schnapsbuddeln. Die Auslagen jedes Späti in Berlin sind im Vergleich zu dieser norddeutschen Knauserigkeit von barocker Pracht.

Fotostrecke

Jung, frei, Bulle

Foto: NDR/Christine Schroeder

Der Dialog:

Die beiden Ermittler laufen in einer Bar auf, um im Umfeld der jungen Verstorbenen zu recherchieren.

Sahin: »Kannten Sie Jule Galieski?«

Barkeeper: »Jule was?«

Borowski: »Das ist die junge Frau, die vom Dach gesprungen ist.«

Barkeeper grinst: »Blowjob-Jule, na klar, hehe, wer kennt die nicht.«

Borowski: »Sagen Sie mir, was daran so lustig ist? Warum lachen Sie?«

Barkeeper schweigt.

Borowski schreit: »Na los, weshalb lachen Sie? Vielleicht lache ich ja mit!«

Der Song:

»Fliegen« von Sero ft. Almila . Der Rapper Sero spielt in diesem »Tatort« auch unter seinem bürgerlichen Namen Stefan Hergli einen der Polizistenschüler. Seinen herzigen Hip-Hop-Deutschpop hat er gemeinsam eingesungen mit Sahin-Darstellerin Bagriacik. Es läuft im Vorspann, in dem die Kamera den Flug einer Möwe nachahmt.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten. Milieudrama, Mädchenträumerei, Psycholabyrinth: Dieser stark beginnende »Tatort« schlingert am Ende ziellos zwischen Authentizität und symbolischer Überfrachtung.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Der Fluch der weißen Möwe«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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