ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Kiel im Schnellcheck

Islamismus in Kiel: Kommissar Borowski ermittelt im neuen "Tatort" im Umfeld einer salafistischen Moschee, wo depressive deutsche Kids an den IS vermittelt werden.

NDR/ Christine Schroeder

Von


Das Szenario:

Eine Siebzehnjährige im Krieg mit der westlichen Welt. "Alles ist zu haben, nichts ist von Wert", so klagt sie über die sie umgebende Warenwelt. Der Weg aus dem Werte-Schlamassel: "Ich will einen starken Gott, ich will Regeln." Die salafistische Gemeinde von Kiel scheint ihr diese unverbrüchlichen Werte, diesen starken Gott zu bieten. Glücklich verschleiert sich die Göre, selig chattet sie mit einem jungen Mann, der angeblich an der syrischen Front für den IS kämpft. Bald aber wird eine Glaubensschwester aus der Moschee ermordet. Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli) ermitteln bald unter Salafisten, die offensichtlich Wohlstandskids einsammeln, um sie dem IS zuzuführen.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Nachzuzeichnen, mit welchen Methoden Islamisten in Deutschland junge Menschen gefügig machen - und wie schwierig es ist, mit Argumenten gegen religiöse Wunderheiler anzutreten.

Der beste Auftritt:

Mala Emde ("Meine Tochter Anne Frank") als siebzehnjährige Konvertitin. Wenn sie im Nikab durch die Einkaufsstraßen von Kiel marschiert, dann zeigt der Sehschlitz eine gefährliche Mischung aus Ekel vor der Welt und Hoffnung auf Erlösung.

Der schlechteste Aufritt:

Axel Milberg als Kommissar Borowski. So griesgrämig und gleichgültig hat man ihn lange nicht mehr durch den Fall grummeln sehen. Vielleicht war er beim Dreh gedanklich noch bei einem anderen Projekt: Kurz zuvor hatte er nämlich gemeinsam mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm den prestigeträchtigen 1000. "Tatort" fertiggestellt. In der Jubiläumsfolge, die am nächsten Sonntag ausgestrahlt wird, ist er dann übrigens richtig gut.

Der Plausibilitätsfaktor:

Mal hoch, mal niedrig. Als Psychogramm einer aus Weltekel zum Islam konvertierten Deutschen ist der Film dank seiner Hauptdarstellerin sehr glaubhaft, als Salafistenkrimi wirkt er aber über Strecken konstruiert.

Die Bewertung:

5 von 10 Punkten. Für einen Borowski-"Tatort" bescheiden.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zeisig 06.11.2016
1. Ich schaue weg.
Ich mag es grundsätzlich nicht, wenn aktuelle politische Themen in einem Krimi - und das ist der Tatort wohl in erster Linie - verwurstet werden. Deswegen werde ich mir diesen Tatort sparen.
Joachim Reuter 06.11.2016
2. Politische Botschaften
Als ich mir noch Krimis angesehen habe, spielten sie z.B. in englischen und schottischen Schlössern. Das Wetter war naß und neblig, der Kommissar war ein kauziger Typ und der Mörder war immer der Butler oder der Gärtner. Spannend und amüsant zugleich. Heute muß jeder Tatort eine aktuelle politische (natürlich korrekte) Botschaft transportieren. Die Medien werben mit großem Bohei. "Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt". Ich bin schon seit vielen Jahren nicht mehr dabei.
emobil 06.11.2016
3. und...
Zitat von Joachim ReuterAls ich mir noch Krimis angesehen habe, spielten sie z.B. in englischen und schottischen Schlössern. Das Wetter war naß und neblig, der Kommissar war ein kauziger Typ und der Mörder war immer der Butler oder der Gärtner. Spannend und amüsant zugleich. Heute muß jeder Tatort eine aktuelle politische (natürlich korrekte) Botschaft transportieren. Die Medien werben mit großem Bohei. "Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt". Ich bin schon seit vielen Jahren nicht mehr dabei.
... auf welche Kenntnisse stützen Sie sich dann in Ihrer Kritik? Ein Blinder kritisiert die moderne Malerei.
acer66 06.11.2016
4.
Gärtner und Butler waren gestern und beim Tatort eh nie so richtig. Heute sind andere Themen dran das ist der Lauf der Zeit und wenns nicht passt einfach was anderes schauen.
haltetdendieb 06.11.2016
5. Bis jetzt ist der Krimi einfach nur stark
Die ganze bedrückende islamische Szene wird gut dargestellt. Eine Parallelwelt, die uns wahrscheinlich immer verborgen bleibt. Allein die Denke macht den Normalmenschen gruseln. Und wenn jemand glaubt, dieses Thema gehört nicht in einen Krimi, dann kann ich nur sagen, das ist - leider leider leider - unsere Gegenwart und das schon seit Jahrzehnten. Wegschauen ist nicht mehr die Lösung. Da sind Menschen, die sich absolut nicht auf unsere Kultur einlassen wollen, die einen Lebensstil zeigen, der leider sehr gut zu einem Krimi passt. Das Morden und Töten in Schlössern, seien es englische oder schottische, findet jetzt leider mitten unter uns statt! Dass SpOn einen Krimi der sakrosankte Themen betrifft, nichts anfangen kann wundert mich nicht. Es ist jetzt immer noch bedrückend. Ich brauche eine solche Parallelwelt nicht. Und trotzdem ist sie da!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.