ARD-Sonntagskrimi Der Ludwigshafener »Tatort« im Schnellcheck

Die Tante der Kommissarin erzählt von der Nazijagd, im Pflegeheim sterben die Alten mysteriöse Tode – und Miles spielt den Blues: Der Odenthal-»Tatort« ist gewagt gebaut, geht aber weitgehend auf.
Darstellerin Lisa Bitter (l.), Ulrike Folkerts (M.) und Ursula Werner: Wodka, Zigaretten und Miles Davis

Darstellerin Lisa Bitter (l.), Ulrike Folkerts (M.) und Ursula Werner: Wodka, Zigaretten und Miles Davis

Foto: Benoît Linder / SWR

Das Szenario:

Wodkadunst, Zigarettenrauch und die zermürbende Last ungesühnter NS-Verbrechen: Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) bekommt Besuch von Ihrer Tante (Ursula Werner), einer Staatsanwältin, die sich einst als Nazijägerin einen Ruf erworben hat und an exzessiven Abenden von ihrem Kampf um Aufarbeitung erzählt. Derweil untersucht Odenthal mit der Kollegin Stern (Lisa Bitter) einen Todesfall in einem Pflegeheim, wo ein Patient nach einer Insulinüberdosis fälschlich für tot erklärt wurde, um dann im Krematorium verbrannt zu werden. War das Mord? Handelt es sich bei dem Toten um einen NS-Verbrecher? Und hatte die Tante bei seinem grausamen Ableben die Hände im Spiel?

Der Clou:

Kostenoptimierung bei der Altenpflege, Konzentrationslager während der NS-Zeit: Die Konstruktion dieses Sühne-Krimis ist riskant, da die Parallelführung von der Kasernierung pflegebedürftiger Alter und der Einrichtung von Konzentrationslagern im »Dritten Reich« zur Relativierung einladen könnte. Ein-, zweimal wackelt der Plot, aber am Ende wird er so klar wie korrekt aufgelöst.

Kommissarin Stern in der KZ-Gedenkstätte: Wer war »die Schlange von Natzweiler«?

Kommissarin Stern in der KZ-Gedenkstätte: Wer war »die Schlange von Natzweiler«?

Foto: Benoît Linder / SWR

Das Bild:

SS-Scherge mit Starkstromkabel. Im Zentrum dieses »Tatort« steht ein KZ-Wärter, der als »Schlange von Natzweiler« Lagerinsassen gequält und getötet haben soll. Nur ein einziges, unscharfes Bild existiert von dem Mann aus dieser Zeit. Kommissarin Stern stöbert es in der Gedenkstelle des KZ Natzweiler-Struthof auf.

Der Dialog:

Kommissarin Bitter horcht den Arzt des Pflegeheimes beim Dinner über die Kostenplanung seines Arbeitgebers aus:

Kommissarin: »Lohnt sich das eigentlich für so ein Heim, wenn die Pflegeeinstufung erhöht wird?«

Arzt: »Gibt natürlich einen finanziellen Unterschied. Zwischen den Pflegegraden 2 und 5 das 16-Fache. Da fängt ein Heim erst an, richtig Geld zu verdienen.«

Kommissarin: »Wär es möglich, dass das Heim den Arzt bestochen hat?«

Arzt: »Jede Krankenkasse hat ihren eigenen Sachverständigen, die müssten schon alle bestechlich sein.«

Kommissarin: »Das heißt, wenn ich die Pflegestufe erhöhen wollen würde, müsste ich den Patienten manipulieren? Was müsste ich tun, um den Patienten so richtig runterzupegeln, dass der bei der kassenärztlichen Untersuchung nicht mehr ansprechbar ist?«

Arzt: »Du bist mir unheimlich!«

Der Song:

»Yesterdays« von Miles Davis . Die Ballade läuft, als die Tante ihrer Nichte am rauchverhangenen Küchentisch erzählt, wie sie zur Nazijägerin wurde – und wie sie der Verjährungsparagraph in den Sechzigerjahren daran gehindert hat, ihren Auftrag zu Ende zu führen. Miles spielt den Blues, die Tante sinniert über die Vergeblichkeit alles Strebens nach Gerechtigkeit.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Grausam, sarkastisch, korrekt: Krimi mit Mahnmal-Effekt.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Tatort: Lenas Tante«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: SWR/Daniel Dornhöfer
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