ARD-Sonntagskrimi Der neue "Tatort" aus Luzern im Schnellcheck

Selbstjustiz, menschlich gesehen: Im neuen Schweizer "Tatort" geht es um einen Sniper, der das Recht in die eigenen Hände nimmt - und die Kommissare zeigen tatsächlich Verständnis.

ARD

Das Szenario:

Durch die Reform der Schweizer Strafprozessordnung aus dem Jahr 2011 gibt es einen Stau in der Strafverfolgung. Ein Sniper in Luzern schwingt sich deshalb zum "Richter" auf und erschießt Menschen, die er für Vergewaltiger und Verkehrschaoten hält.

Der blutigste Moment:

Gleich am Anfang wird einem Mann ein Dum-Dum-Geschoss in den Kopf gejagt. Der Schädel platzt, das Blut spritzt, der Körper fliegt durch die Luft.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Aufzuzeigen, wie blöde die reformierte Strafprozessordnung ist. Aus Wut über diesen bürokratischen Unsinn muss man ja zum Heckenschützen werden!

Sniper-Krimi aus der Schweiz
Ein Dialog zum Heulen:

Die Ermittler Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) schauen von einem Hügel aufs nächtliche Luzern. Sie: "Irgendwo da unten ist er." Er: "Letztendlich haben wir den ganzen Scheißdreck der neuen Strafprozessordnung zu verdanken. Müssten wir so lange auf Gerechtigkeit warten, würden wir vielleicht auch mal irgendwann die Nerven verlieren." Seufzt sie leise: "Stimmt." Selbstjustiz, menschlich gesehen. Schlimm.

Eine Szene zum Lachen:

Ein Polizeiauto rast durch Luzern. Aufgenommen wird die Fahrt aus der Perspektive des Blaulichts. Eine Szene, die Rasanz und Modernität suggerieren soll - und doch unfreiwillig an die lustige Anfangssequenz von "Die nackte Kanone" erinnert.

Der Plausibilitätsfaktor:

Gering. Wie hier die Reform der Schweizer Strafprozessordnung mit der Figur des aus dem Jugoslawienkrieg übrig gebliebenen Heckenschützen verknüpft wird, geht an keiner Stelle auf. Schade, der Flüchtlings-"Tatort", der vor der Sommerpause lief, hatte doch gezeigt, dass auch die Schweizer harte, dringliche, moderne Krimis liefern können.

Die Bewertung:

4 von 10 Punkten

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann lesen Sie hier weiter !


"Tatort: Ihr werdet gerichtet", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
hatem1 06.09.2015
1. Bei Mimik-Fragen Tech-Nick fragen
Antoine Monot jr. ist leider eine schauspielerischer Totalausfall. Mit Kinderstimme und unbeweglicher Mimik stolziert er durch diesen überkonstruierten Film, über dessen stehenden Plot der Regisseur ein riesiges Fass Spannungsmusik-Soße gekippt hat. Immerhin ist die Kamera gut. Aber warum es Nahaufnahmen von Hirnmasse braucht, erschließt sich mir nicht.
mathias.schmid 06.09.2015
2. Kritik an der Strafprozessordnung??
Aus "verwandschaftlichen Gründen" erlaube ich mir eine Bemerkung: wieso werden Gelder aus der Zwangsabgabe (Billag - Schweiz/GEZ) für eine Kritik an der neuen Strafprozessordnung verwendet? In der Schweiz hatte jeder Kanton eine StPO - der Inhaftierte/Beschuldigte wurde unterschiedlich z.B. behandelt - dies hat man Schweiz-weit neu geregelt - dieser Schritt wurde in vielen Abstimmungen durch die Stimmbürger abgesegnet und ist von der Gesellschaft akzepiert! Da wird ein Thema für Spezialisten in die Welt getragen, Geld verbraten und der "normale" Zuschauer gelangweit und evtl. im Zusammenhang überfordert. Achtung: die Schweiz hat neue Vorschriften für Kuh-Hüte-Drähte erlassen- das nächste Thema......
beauce2 06.09.2015
3. abgeschaltet, 21:12 Uhr
wegen penetranter Berieselung spaciger Sounds, die permanent läuft, es sei denn, einer der Protagonisten spricht. Soll anscheinend Atmo schaffen. Sorry Leute, Musik oder Sounds sollte man gezielt einsetzen, und nicht als ätzenden Klangteppich über 90 min. verteilen.
liwe 06.09.2015
4.
Einer der besten Tatorte der letzten Zeit! Daumen hoch!
Lelas 06.09.2015
5. Same procedere
Es ist wie vor der Sommerpause, SPON schreibt den Tatort schlecht und er ist richtig gut.
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