ARD-Sonntagskrimi Der neue Luzern-"Tatort" im Schnellcheck

Gut, böse, irgendwas dazwischen: Reto Flückiger verliert sich in diesem "Tatort" über Kriegstraumata in der unübersichtlichen tschetschenischen Community von Luzern.

ARD/ SRF/ Daniel Winkler

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Das Szenario:

Wer ist hier Kriegsopfer, wer ist Kriegsverbrecher? Nach dem Mord an einem Reporter, der über Massaker in Grosny in den Neunzigerjahren recherchierte, ermitteln Kommissar Flückiger (Stefan Gubser) und Kollegin Ritschard (Delia Mayer) in der tschetschenischen Community von Luzern, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

"Das waren andere Zeiten, das war Krieg", sagt hier irgendwann ein älterer Tschetschene, von dem man nicht weiß, ob ein Held des Widerstands oder ein Schlächter ist. "Es gibt keine Guten im Krieg, nur Verbrecher", heißt es an anderer Stelle. Doch, so die Botschaft des Politkrimis: Kriegsverbrechen müssen aufgeklärt werden, sonst wirken sie unheilvoll weiter. Auch Jahrzehnte nachdem sie verübt wurden. Auch fern der Länder, wo sie stattgefunden haben. Leider gelingt es mit der Aufklärung in diesem "Tatort" nur bedingt.

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Schweiz-"Tatort": Der Krieg vor unserer Haustür

Der postfaktische Moment:

Der russische Botschafter spricht auf dem Polizeirevier vor, zeitgleich wurde ein russischer Killer verhaftet, der Jagd auf Tschetschenen in Luzern macht. Und weil die Übersetzer knapp sind, bittet Flückiger den Botschafter mal eben jenseits des Protokolls den Tatverdächtigen zu interviewen. Ein Blick durchs verglaste Verhörzimmer, dann raunt Flückiger wissend: "Die kennen sich." Postfaktische Ermittlerarbeit nennt man so etwas wohl.

Der postkoitale Moment:

Flückiger im Hotel Luzerner Hof, eine verheiratete Frau erwartet ihn wortlos auf dem Zimmer, bald ist das Paar ineinander verknäult. Danach Luftholen auf dem Balkon, aus dem fünften Stock fällt ein Männerkörper auf die Straße und schlägt auf einem Autodach auf. Krawumm, ein neuer Fall für Flückiger, dem im Folgenden die kaukasischen Kriegsgeschichten zu Gemüte schlagen. Postkoitale Depression nennt man so etwas wohl.

Der Plausibilitätsfaktor:

Durchwachsen. Die Verwicklungen in der tschetschenischen Gemeinde sind gut möglich (lesen Sie dazu auch unseren Faktencheck am Montag), aber die Figuren sind nicht in sich schlüssig. Außerdem gibt es einfach zu viele der oben beschriebenen postfaktischen Momente im Plot.

Die Bewertung:

5 von 10 Punkten. "Kriegssplitter" lautet der Titel dieses "Tatort", der damit schon suggeriert, dass er das komplizierte geopolitische Kriegsgeflecht nur fragmentarisch offenlegen kann. Ein bisschen mehr Mühe beim Zusammensetzen der Splitter hätte trotzdem nicht geschadet.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Kriegssplitter", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
dollenschmiere 05.03.2017
1. Synchronisation?
Eigentlich mag ich die Schweizer Tatorte, aber die letzten Male war die Synchronisation eine Zumutung. Wenn hier wieder gespart wurde werde ich mir diese Tatorte auch sparen.
miiitch 05.03.2017
2. Offenbar nix für mich
Werde den Tatort heute nicht schauen weil ich nicht weiß was postkoitual ist.
kritischerdenker2 05.03.2017
3.
Nach 7 Minuten Dauergedudel abgeschaltet. Gibt es eigentlich noch Regisseure die atmosphärische Filme ohne akustische Umweltverschmutzung schaffen?
luiasogi 05.03.2017
4. awenns weiter nichts ist
Zitat von miiitchWerde den Tatort heute nicht schauen weil ich nicht weiß was postkoitual ist.
Genau weiß ich das auch nicht. Wenn man aber nach den Wortstämmen geht, könnte das GV zwische Briefzustellern sein. Ach googeln sie das nächste mal doch selber.;)
th.diebels 05.03.2017
5. ich glaube nicht !
Zitat von kritischerdenker2Nach 7 Minuten Dauergedudel abgeschaltet. Gibt es eigentlich noch Regisseure die atmosphärische Filme ohne akustische Umweltverschmutzung schaffen?
Der Text im Programmheft hat mich dazu veranlasst, gleich den Kasten auszulassen !
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