ARD-Sonntagskrimi Der München-"Tatort" im Schnellcheck

Zwischen Atlantikbrandung und Eisbachwelle: Der München-"Tatort" erzählt von einem kleinen Drogendealer, der vom ewigen Sommer träumt. Surfer-Melancholie pur.

Hendrik Heiden/ BR

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Das Szenario:

Perfekte Wellen, defekte Leben: Bei den Untersuchungen zu einer Messerattacke trifft Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) seinen alten Kumpel Mikesch (Andreas Lust) wieder, mit dem er vor 35 Jahren auf den Big Waves vor Portugal surfte. Der Hallodri glaubt noch immer, im ewigen Sommer zu leben und bringt sich mit kleinen Drogengeschäften über die Runde. Doch dann bekommt er Ärger mit Gangstern.

Der Clou:

Bei der Ansicht dieses Binnenland-"Tatorts" glaubt man die salzige Gischt des ewig aufgewühlten Atlantiks zu schmecken. In Rückblenden sehen wir Leitmayr und seinen Kumpel vor der Wellenkulisse an der Westküste Portugals - in der Gegenwart bringt sich der alte Kumpel auf der Eisbachwelle im Englischen Garten über die Runden. Der "Tatort" als transkontinentale Surferhymne.

Fotostrecke

7  Bilder
"Tatort" mit Batic und Leitmayr: Ewige Welle, endloser Sommer

Der Dialog:

Der alte Surfer-Freund von Leitmayr schnorrt, dealt und lügt sich durch sein Leben. Als er seine Tochter trifft, verspricht er, ihr Studium zu finanzieren.

Tochter: "Papa, wo willst du 50.000 herbekommen? Willst du eine Bank ausrauben?"

Vater: "Quatsch, ich verkauf Drogen!"

Tochter ironisch: "Ja, wahrscheinlich!"

Was wie ein Witz klingt für die Tochter, ist die Wahrheit. Der Vater hat 2000 Packungen Schmerzpflaster aufgetrieben, die er auskochen will, um das so entstehende Extrakt an Junkies zu verticken.

Das Bild:

Ein Klotz von Gangster bricht einem mit Mikesch befreundeten Kleindealer der Reihe nach alle Finger der rechten Hand, um an Informationen zu kommen. Nach vollzogener Folterung pustet er entschuldigend die Hand seines Opfers.

Der Song:

"Commando" von den Ramones. Läuft 1984 in dem Punkrockladen, in dem Leitmayr in einer Rückblickszene mit seinen Freunden Pogo tanzt. Der Bulle als Surferpunk.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Wer bei diesem aufwühlenden und melancholischen "Tatort" nicht unverzüglich Sehnsucht nach Portugal bekommt, hat noch nie die befreiende Macht der Atlantikbrandung gespürt. Saudade!

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Die ewige Welle", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
loscha2 26.05.2019
1. Saude!
Hoppla, da ist dem lusophilen Redaktor aber eine sprachliche Grausamkeit entwischt! "Saudade" heisst das portugiesische "Nationalgefühl", das einer Mischung von Heimweh und Melancholie entspricht. Wünscht er den Zuschauern tatsächlich Heimweh und Traurigkeit? Doch wohle eher "Prost/Prosit". Das hingegen heisst "Saude!" (Gesundheit!)
spon_5112961 26.05.2019
2. Nicht das noch jemand denkt
München wäre Berlin. Ist es nicht. Gar nicht. Schade eigentlich...
asnide 26.05.2019
3. Rückwärtsgewandt und langweilig
Der Tatort entwickelt sich wie die sogenannten Volksparteien. Die etablierten Schauspieler spielen füreinander, sind begeistert von ihrem eigenen Auftritt, schwelgen in Reminiszenzen und vergraulen ihre Wähler, sorry, ihr Publikum.
Netzer0001 26.05.2019
4.
9 von 10? Münschner Tatorte sind meistens nicht schlecht. Aber der ist ja selten langweilig.
spon_5112961 26.05.2019
5. A Naa...
ganz im Gegenteil! Frisch und innovativ! Sympathisch!
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