ARD-Sonntagskrimi Der München-»Tatort« im Schnellcheck

Der Schlaf ist auch nicht mehr das, was er mal war: In diesem »Tatort« arbeiten ehrgeizige Geigerinnen im überwachten Schlummerzustand an ihren Spielfertigkeiten. Der Traum wird zum Leistungsterror.
Batic (Miroslav Nemec, M.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Schlaflabor: träumen auf Hochtouren

Batic (Miroslav Nemec, M.) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Schlaflabor: träumen auf Hochtouren

Foto: Hendrik Heiden / Hendrik Heiden / BR

Das Szenario:

Selbstoptimierung bis in den Schlaf. Bei ihren jüngsten Untersuchungen treffen Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) auf zukünftige Musik- und Sport-Stars, die mithilfe sogenannter luzider Träume ihre Leistungsfähigkeit steigern wollen. Im Schlaflabor versuchen junge Geigerinnen neue Dimensionen von Virtuosität zu ergründen und junge Turner ihren Raumlage-Sinn zu perfektionieren. Eine der Musikerinnen (Jara Bihler) kann nun nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, sie glaubt ihre Freundin erstochen zu haben. Beide Frauen hatten sich als stellvertretende Konzertmeisterinnen bei einem Symphonieorchester beworben. Tatsächlich finden sich am mutmaßlichen Tatort Blutspuren, die Freundin aber bleibt verschwunden.

Der Clou:

Der Traum als Terror. Der kunstvoll gebaute Krimi zeigt, wie mit dem Schlaf der letzte Winkel unserer Existenz von der Leistungsgesellschaft kapitalisiert wird. Zum Teil wird ein bisschen zu strebsam über Rapid Eye Movement, Tiefschlafphasen und C.G. Jungs kollektive Archetypen referiert, dafür gibt es trickreiche Traum-in-Traum-Sequenzen und elegant fließende Übergänge von den Konzertdarbietungen in der Handlung zur Filmmusik.

Batic und Leitmayr mit dem Kollegen Kalli (Ferdinand Hofer): »Wissen Sie, dass Stresslevel von einem Orchestermusiker so hoch ist wie der von einem Formel-1-Piloten?«

Batic und Leitmayr mit dem Kollegen Kalli (Ferdinand Hofer): »Wissen Sie, dass Stresslevel von einem Orchestermusiker so hoch ist wie der von einem Formel-1-Piloten?«

Foto: Hendrik Heiden / Hendrik Heiden / BR

Das Bild:

Die junge Musikerin steht im Vernehmungszimmer, durch die Spiegelwand sieht man, wie sie mit den Fingern über einen imaginierten Geigenhals fliegt. Ein Leben zwischen Wahn und Virtuosität, das keine Atempause kennt.

Der Dialog:

Franz Leitmayr und Kollege Kalli Hammermann grübeln über den Fall.

Leitmayr: »Bringt man wirklich jemanden um wegen so einer Orchesterstelle?«

Kalli: »Ja. Wissen Sie, dass das Stresslevel von einem Orchestermusiker so hoch ist wie das von einem Formel-1-Piloten?«

Die Musik:

David Reichelt schrieb einen eigenen Orchester-Score, der vom Münchner Rundfunkorchester eingespielt wurde. 130 Seiten Partitur, eine Netto-Stunde solistische und symphonische Musik steuerte der Komponist bei. Geschmeidig trägt uns die Musik über die Grenzen zwischen Traum und Realität.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkte. Der Schlaf ist auch nicht mehr das, was er mal war: Dieser »Tatort« lässt das Publikum aufgewühlt zurück. Wer danach noch weiter fernsehen will, schaut im ZDF in den ersten Teil der Rechtsterror-Serie »Furia« rein.

Die Analyse:

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»Tatort: Dreams«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: SWR/Daniel Dornhöfer
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