ARD-Krimiwiederholung Der München-»Tatort« im Schnellcheck

Vivaldi-Streicher, Sommernachtsträume und ein Haufen benutzter Kondome: Nach dem Mord an einem Schüler ermitteln Batic und Leitmayr zwischen Eigenheim und Sexparkplatz. »Tatort« aus der Vorstadthölle.
Fight-Club in der Vorstadt: »Tatort«-Szene mit Laura Tonke und Lea Zoë Voss

Fight-Club in der Vorstadt: »Tatort«-Szene mit Laura Tonke und Lea Zoë Voss

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Hendrik Heiden/ Hendrik Heiden/ BR

Dieser Text erschien in seiner ursprünglichen Version zur Erstausstrahlung des »Tatort« am 7. Juni 2020.

Das Szenario:

Freud und Frust der Vorstadt: Nach dem Mord an einem Schüler ermitteln Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) am Rande Münchens, wo sich Männer und Frauen nahe dem Wald zum anonymen Parkplatzsex treffen oder in exquisiten Eigenheimen zum geselligen Austausch. Bald verdichten sich die Hinweise auf zwei Familien, die trotz aller zur Schau gestellten Freundschaft offenbar unheilvoll miteinander verbunden sind.

Der Clou:

Oft verrät der Blick der Figuren, dass sie etwas anderes meinen, als sie gerade sagen. Die Vorstadt wird zum Fight-Club für den subtilen sprachlichen und mimischen Schlagabtausch.

Das Bild:

Zwei Nackte, die vor nächtlicher Waldkulisse im fahlen Licht der Polizeistrahler zwischen den Bäumen davon hopsen. In der Nähe ist der Parkplatz, wo sich Menschen zum Sex treffen. Batic seufzt: »Da werden Träume wahr.« Leitmayr stöhnt: »Ich bin gerade in einen reingetreten.« Dann ein Blick runter zu seiner Schuhsohle, an dem ein benutztes Kondom klebt.

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In der Familienhölle

Foto: Hendrik Heiden/ Hendrik Heiden/ BR

Der Dialog:

Leitmayr, Batic und Assistent Kalli sprechen auf dem Revier über den Sexparkplatz:

Kalli: »Die Auswertung der Handydaten hat fünf Personen ergeben, die zur fraglichen Zeit am Parkplatz gewesen sind.«

Leitmayr: »Fünf? Wie geht denn das auf? Ein Pärchen und, na ja, und ein Dreier.«

Batic: »Oder ein Fünfer.«

Der Song:

Vivaldis »Vier Jahreszeiten: Sommer« . Das Konzert wird von einem Familienvater auf seinem selbst zusammengestellten Soundsystem gehört. Was für ein warmer Klang, was für eine kalte Welt.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Bürgerliche Selbstzerfleischung, auf den Punkt genau zwischen ungezähmter Natur und optimierten Wohnlandschaften ins Bild gesetzt. Dieser »Tatort« begeistert auch in der Wiederholung. Momentan wird ja viel über Sinn und Zweck des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert . Hier zeigt er, was er kann.

Die Analyse:

Lesen Sie hier weiter!

»Tatort: Lass den Mond am Himmel stehn«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

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Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: SWR/Daniel Dornhöfer
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.