ARD-Sonntagskrimi Der München-"Tatort" im Schnellcheck

Wo sie auftauchen, sind sie zu spät: Die Münchner "Tatort"-Kommissare ermitteln den Echokammern des Internets hinterher. Schnell, gemein, gut.
Immer zu spät: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Einsatz

Immer zu spät: Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Einsatz

Foto: Hagen Keller/ Hagen Keller/ BR

Das Szenario:

Die Ermittler als Getriebene zwischen Wirklichkeit und Alternativwirklichkeit. Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) versuchen den Mord an einem Fahrkartenkontrolleur aufzuklären und geraten dabei ins Sperrfeuer der sozialen Medien. Je mehr Informationen im Umlauf sind, desto unklarer wird die Lage. Wahrheiten, Halbwahrheiten und Lügen verdichten sich zu einem undurchdringlichen digitalen Rauschen. Die beiden Kommissare hetzen mit Schutzwesten von einem Ort und zum anderen - und scheinen doch immer zu spät dran zu sein

Der Clou:

Ein einzelner Mord versetzt hier eine Millionenstadt in den Ausnahmezustand. Da die Tat Erinnerungen an den realen rechtsradikalen Anschlag vom 22. Juli 2016 weckt, bei dem ein 18-Jähriger im Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen nicht deutscher Herkunft erschoss, geraten die Menschen in Panik. Im Netz machen wüste Theorien die Runde, überall werden Verdächtige angezeigt.

Das Bild:

Mondlandung am Marienplatz. Die Gänge der U-Bahnstation sind menschenleer, auf der Rolltreppe steht einsam eine Gestalt in Sicherheitskleidung, die wie ein Astronautenanzug aussieht. Es ist der Mann vom Sprengmittelräumdienst, der hier eine gemeldete Sprengladung entschärfen soll.

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Im digitalen Dauerrauschen

Foto: Hagen Keller/ Hagen Keller/ BR

Der Monolog:

"Wissen Sie noch, wie die Leute damals abgegangen sind, nachdem der Typ aus dem Einkaufszentrum raus ist? Wie plötzlich jeder einen Typen mit der Knarre gesehen hat? Tom fand es großartig, überall Chaos, und jeder verdammte Idiot hat seine eigene Theorie gepostet. Ein Einzelner unterhält die ganze Welt." So erklärt eine Freundin des mutmaßlichen Täters den Kommissaren, dass dieser möglicherweise den OEZ-Anschlag als Inspiration genommen hat.

Der Song:

"Wer sagt denn das?" von Deichkind . Kommt nicht im "Tatort" vor, aber dieser überhitzte Track über die Echokammern des Internets passt bestens ins kunstvoll ausgebreitete Informationschaos.

Die Bewertung:

9 von 10 Punkten. Schnell, gemein, gut: Hochgeschwindigkeitskrimi über eine Stadt im Panikmodus.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Tatort: Unklare Lage", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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