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02. Dezember 2018, 16:40 Uhr

ARD-Sonntagskrimi

Der Münchner "Tatort" im Schnellcheck

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Das Eigenheim als Hightech-Mäusefalle, die elektronische Puppe als Mordwerkzeug: Der München-"Tatort" um einen selbst ernannten Rächer missbrauchter Kinder zeigt die Kehrseite digitaler Lebenswelten.

Das Szenario:

Weihnachtsmann mit Machete, Puppe mit Killerinstinkt: Ein selbst ernannter Rächer in Santa-Claus-Verkleidung verschafft sich mithilfe einer Smart-Puppe Zutritt in Eigenheime, in denen er Missbrauch an Kindern wähnt. Über die Stimme des Spielzeugs lenkt er die Kinder dazu, die Einbruchsicherungen abzuschalten, dann kastriert er Täter-Väter und schneidet Mütter-Mitwisserinnen die Kehle durch. Hoffnungsschimmer für Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) beim Anblick des Selbstjustiz-Massakers: Das Kind liegt betäubt, aber unversehrt in einem Schaukelstuhl im Garten.

Der Clou:

Intelligentes Spielzeug als Mordinstrument, intelligente Häuser als Gefängnis. Dieser "Tatort" zeigt als pralles Horrorszenario die Kehrseiten elektronisch durchorganisierter Highend-Luxuslebenswelten. Das Smart-Home als digitale Mäusefalle.

Das Bild:

Ein Mädchen spielt mit ihrem Puppenhaus, in dem selbst gebastelte Holzfiguren im Wohnzimmer vor einem geschnitzten Fernseher sitzen - auf dem Bildschirm ist das "Tatort"-Fadenkreuz zu sehen. Öffentlich-rechtliche Früherziehung sozusagen.

Der Dialog:

Die Smart-Puppen, durch die sich der Mörder Einlass in die fremden Häuser verschafft, sind in Deutschland nicht erhältlich, weil sie sich hacken lassen; im Nachbarland gehen sie ganz regulär über den Tresen. Ermittler eins fragt: "Sind die in Österreich nicht verboten?" Ermittler zwei sagt: "In Österreich ist gar nichts verboten."

Der Song:

Der "Chalk Drawing"-Song aus dem Filmmusical "Mary Poppins". Mag zuerst ein wenig süßlich erscheinen für diesen blutigen Horror-Thriller. Aber in dem "Tatort" gibt es Regenschirm-Szenen und Charaktere, die auf das berühmte Film-Kindermädchen anspielen. Und über dem ganzen "Tatort" steht ja die Frage: Wer wacht eigentlich über unsere Kinder, wenn Mary Poppins nicht da ist?

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Ein "Tatort" voller starker visueller Ideen: Kinderwelt und Krimi-Plot werden hier smart miteinander verzahnt - dabei wird aber der schwierige Missbrauchs-Plot zu leger in den Puppenstubenschocker eingearbeitet.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Wir kriegen euch alle", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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